Mit mehr Gewinn durch die Corona-Krise

Rastatt (naf) – ZG Raiffeisen zieht Bilanz: 2020 ist ein Rekordergebnis erwirtschaftet worden. Außerdem soll zukünftig weiter in Niederlassungen und in den Dinkelmarkt investiert werden.

Um an das Dinkelkorn zu gelangen, muss es vom Spelz getrennt werden. Die neue Dinkel-entspelzungsanlage in Wertheim soll der ZG Raiffeisen dabei helfen. Foto: Matthias Balk/dpa

© picture alliance / dpa

Um an das Dinkelkorn zu gelangen, muss es vom Spelz getrennt werden. Die neue Dinkel-entspelzungsanlage in Wertheim soll der ZG Raiffeisen dabei helfen. Foto: Matthias Balk/dpa

„Das Jahr war von Licht und Schatten geprägt“, fasste der Vorstand der ZG Raiffeisen, Holger Löbbert, die außergewöhnliche Lage der Zentralgenossenschaft im vergangenen Corona-Jahr zusammen. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Lukas Roßhart stellte er gestern in Rastatt die Bilanz des Geschäftsjahres 2020 vor.

Obwohl Hitze und Trockenheit der Ernte – insbesondere von Getreide – schadeten und auch agrarpolitische Weichenstellungen wie das Biodiversitätsgesetz sich spürbar auswirkten, schob die Corona-Pandemie die positive Gesamtentwicklung zusätzlich an, bilanzieren die Unternehmenschefs. So kann die genossenschaftliche Unternehmensgruppe mit Sitz in Karlsruhe auf das beste Ergebnis seit rund zehn Jahren blicken. Sie erwirtschaftete einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 23,7 Millionen Euro – 14,7 Millionen mehr als im Vorjahr. Der Umsatz hat sich im Vergleich zu 2019 nicht verändert, liegt somit wieder bei 1,2 Milliarden Euro.

In Krisenzeiten bestehen

Dieses Ergebnis schreibt Roßhart unter anderem der „hervorragenden Leistung“ aller Mitarbeiter zu, von deren Arbeit er „beeindruckt“ ist. Die ZG Raffeisen habe sich „in Krisenzeiten gegründet“ – 1911 als Selbsthilfeorganisation der badischen Landwirte – und „konnte nun auch in diesen Zeiten bestehen“. Und das trotz der „vielschichtig komplizierten Marktlage“ in der Landwirtschaft, die sich 2020 laut Löbbert zwar über „erfreulich“ hohe Vermarktungspreise freuen konnte, gleichzeitig aber auch deutlich höhere Betriebskosten für Landwirte forderte. Ein „Sorgenkind“ sei beispielsweise der Weinbau gewesen, in dem es durch die pandemische Lage zur deutlichen Investitionszurückhaltung gekommen war.

Das bisherige Jahr sehe dahingehend vielversprechender aus – auch die gesamte Ernte betreffend. „Die rechtzeitigen Niederschläge geben Rückenwind“, so Löbbert. Trotzdem gibt er zu bedenken: „Der Strukturwandel in der Landwirtschaft ist unumkehrbar.“ Entscheidend sei darum, sich neu zu positionieren. So hat die ZG Raiffeisen einen Plan für die kommenden Jahre erstellt, der Investitionen nicht nur in seine Hauptstandorte vorsieht, sondern auch in Bio-Standorte und den Dinkelmarkt. 3,5 Millionen Euro investiert das Unternehmen in eine Dinkelentspelzungsanlage im nordbadischen Wertheim, die „pünktlich zur Ernte im Juli fertiggestellt wird“, so Löbbert. Während einige der bestehenden Standorte modernisiert werden, soll es allerdings auch Schließungen geben. Welche Standorte davon betroffen sind, sei noch unklar – da man „den Marktanteil an allen Orten verteidigen“ will. Außerdem steige die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln an. Roßhart will darum auch „diesen Bereich stark ausbauen“.

Märkte steigern Umsatz um 19 Prozent

Dass die Gruppe vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen ist, ist vor allem dem Verbrauchergeschäft geschuldet. Die Geschäftsbereiche Energie, Baustoffe und Märkte haben mit über 60 Prozent zum Rekordergebnis beigetragen. Allein die Raiffeisen-Märkte haben ihren Umsatz um knapp 19 Prozent gesteigert. Auch die Baustoff-Sparte legte mit fast 14 Prozent deutlich zu. „Viele Menschen haben die Gelegenheit genutzt, ihre Gärten zu verschönern“, erklärte Roßhart. Neue Kunden, die im Zuge dessen hinzukamen, „konnten wir offensichtlich von unserer Leistungsfähigkeit überzeugen“, so der Vorstand. Auch 2021 könne man bereits eine „erfreuliche Geschäftsentwicklung“ verzeichnen, die „positiv auf die zweite Jahreshälfte blicken lässt“.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nadine Fissl

Zum Artikel

Erstellt:
23. Juni 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.