Mit oder ohne Maske und Popcorn? Gernsbacher Kino öffnet am Montag

Gaggenau/Gernsbach (ham) – Die Kinos in Baden-Württemberg dürfen ab Montag wieder öffnen. Roland Julius nutzt die Chance in Gernsbach und hat seine Vorführsäle gestern entsprechend präpariert. Das „Merkur-Film-Center“ in Ottenau zögert derweil noch wegen der „schwammigen“ Corona-Vorgaben.

Die Gewitterwolken haben sich über dem „Globus“ endlich verzogen. Roland Julius darf sein Kino in Gernsbach ab Montag wieder öffnen. Los geht es am Nachmittag mit „Chaos auf der Feuerwache“, dessen Filmplakat er gestern zeigte. Foto: Metz

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Die Gewitterwolken haben sich über dem „Globus“ endlich verzogen. Roland Julius darf sein Kino in Gernsbach ab Montag wieder öffnen. Los geht es am Nachmittag mit „Chaos auf der Feuerwache“, dessen Filmplakat er gestern zeigte. Foto: Metz

Das Corona-„Chaos“ hat endlich ein Ende für das Kino in Gernsbach. Passend mit „Chaos auf der Feuerwache“ (15.30 Uhr) und „Sonic – The Hedgehog“ eine Viertelstunde davor öffnen die Säle im „Globus“ und im „Atlantis“ wieder. Roland Julius ist glücklich, dass der Shutdown seit dem 17. März wie in einem schlechten Western vorerst im Staub landet und sich seine gegenüber dem BT ausgedrückte damalige Hoffnung, „vor dem 15. Juni wieder zu öffnen“, erfüllte.

Im zweiten Murgtal-Kino, in Ottenau, dauert die filmfreie Zeit hingegen noch an, obwohl Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen ab 1. Juni wieder in Baden-Württemberg erlaubt werden. „Wir stehen in den Startlöchern und haben Lust auf Kino! Wir warten aber erst die Verordnungen und Bedingungen ab und entschließen uns dann, wann wir wieder aufmachen“, sagte Ines Merkel. So schnell könne das kleine Familienunternehmen nicht reagieren, um schon wieder zum 1. Juni zu öffnen. „Allerfrühestens der 4. Juni“, wenn die Verleiher die neuen Filme donnerstags in die Lichtspielhäuser bringen, sei als Eröffnungstag denkbar. Doch Merkel geht „eher von einem späteren Termin aus angesichts der schwammigen Vorgaben“ und will den Kino-Fans dann neben den aktuellen Streifen „etwas Besonderes“ bieten.

Dagegen werkelte Julius gestern den ganzen Tag in seinem Kino, um die Abstandsregelungen und weiteren Vorgaben ab Montag einhalten zu können. „Ich kann nur 30 Leute reinlassen“, hat er bereits im großen Saal mit 220 Sitzplätzen in acht Reihen ermittelt. Dabei spielen ihm die baulichen Vorzüge des gemütlichen Lichtspieltempels diesmal in die Karten: „Wir haben glücklicherweise breitere Reihen.“

Kein Drama: Sonst auch nur 30 Besucher

Obwohl die Cineasten nach zweieinhalb Monaten ausgedurstet sein werden wie einst in der Wüste Peter O’Toole als „Lawrence von Arabien“, erwartet Julius keinen Massenandrang. „Wenn die markierten 30 Sitze voll besetzt sind, bin ich zufrieden“, gesteht Julius und macht daraus kein Drama. „Das wären dann auch nicht weniger Besucher als vor Corona“, gesteht er offenherzig. Neue Streifen können im Murgtal ohnehin vorerst nicht laufen. Zum einen wurden Blockbuster wie der eigentlich für das Frühjahr vorgesehene 25. James Bond „Keine Zeit zu Sterben“ auf 12. November verschoben. „Die starten alle später, weil es sich nicht lohnt, wenn noch viele Kinos geschlossen sind. Es wäre besser gewesen, hätten alle bundesweit gleichzeitig geöffnet“, glaubt Ines Merkel.

„Eiszeit“ ein wichtiger Umsatzbringer

Zum anderen mangelt es generell an Nachschub. Dreharbeiten verzögerten sich genauso wie Filmstarts. In Gernsbach laufen daher ab Montag die vor dem Shutdown populären Streifen im Abendprogramm wie „25 km/h“ (19.30 Uhr) und „Die Känguru-Chroniken“ (19.45 Uhr) zeitversetzt an, um noch leichter den Abstand wahren zu können.

Ob Popcorn und Getränke angeboten werden dürfen, ist wie die Frage der Masken für Merkel unklar: „Ich finde es ungerecht, dass das in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird.“ Die Knabberei aus den Pappeimern gehört zum Kino-Feeling dazu. Für die Betreiber wäre das Ende der „Eiszeit“ fatal – rund ein Drittel ihres Umsatzes generieren die Häuser fern der Eintrittspreise.

Dass die Murgtäler die Pandemie halbwegs schadlos überstanden, liegt an ihren Jobs – Merkel ist Grafikdesignerin, Julius arbeitet in Teilzeit als Verpacker – und der Soforthilfe in Höhe von 9 000 Euro. Zudem bekam das „Merkur-Film-Center“ von der Filmförderung MFG dank seines besonderen Programms noch einmal 5 000 Euro überwiesen. Während der Familie Merkel das Kino gehört, wartet Julius auf eine weitere Antwort der Stadt Gernsbach, ob er die Pacht für die 75 Tage erlassen oder wenigstens reduziert bekommt. Ein bisschen halfen auch Online-Gutscheine, die manche Liebhaber der kleinen Murgtal-Kinos als Vorschuss erwarben. „An Ostern gingen die sehr gut“, freut sich Julius über die Unterstützung und den Zuspruch.

Ganz sind die „großen Sorgen“ jedoch noch nicht gewichen. „Es ist die Frage, ob die Leute in Zukunft wieder Lust auf Kino haben“, bangt Ines Merkel und will nach der Öffnung alles tun, um ihnen „die Angst zu nehmen“ – was aber nicht heißen soll, dass künftig keine Horrorfilme mehr in Ottenau laufen werden, weil das Leben auf Abstand schlimm genug ist ...

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Erstellt:
29. Mai 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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