Mit selbst kreiertem Avocado-Eis zur WM

Rastatt (dpa) – Giuseppe Cimino, Eismacher und Eisdielenbesitzer in Plittersdorf, ist mal wieder kreativ geworden und hofft nun auf einen Erfolg bei der Eis-WM Anfang Dezember in Bologna.

Auch für eine Eis-Weltmeisterschaft muss trainiert werden: Der Plittersdorfer Gelatiere Giuseppe Cimino, der gerne experimentiert. Foto: Uli Deck/dpa

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Auch für eine Eis-Weltmeisterschaft muss trainiert werden: Der Plittersdorfer Gelatiere Giuseppe Cimino, der gerne experimentiert. Foto: Uli Deck/dpa

Mjam. Das zart orange-gelbe Eis schmilzt zitronig auf den Lippen, dockt dann cremig-frisch am Gaumen an, schmeckt nach Minze und irgendwie auch mangoartig und endet mit Avocadonote im Abgang. Mango? Nein, es ist die Andenbeere Physalis, die dem Physalis-Avocado-Sorbet Sommerfarbe und fruchtigen Geschmack verleiht. Eine ungewöhnliche Kreation hat sich Giuseppe Cimino, Eismacher und Eisdielenbesitzer in Plittersdorf, vor einigen Jahren ausgedacht.
Mit der Kreation hat er 2018 die Deutsche Meisterschaft in Berlin gewonnen und sich dadurch gleichzeitig für die Eis-Weltmeisterschaft Anfang Dezember in Bologna qualifiziert.

Die Konkurrenz ist groß, sagt Cimino, „aber ich habe meine Hausaufgaben gemacht, bin gut vorbereitet“. Insgesamt wetteifern auf der WM nach Angaben der Veranstalter 33 Eismacher um den Titel.

In Gaggenau, wo Cimino und seine zwei Brüder ihr Eis für ihre drei Eisdielen in Rastatt, Gaggenau und Karlsruhe herstellen, trainiert Cimino gerade auf seine Weise für die WM, rührt in einem großen Metalleimer sorgsam einen orangefarbenen Physalis-Wasserbrei um, gibt „Bio-Minze aus Papas Garten“ sowie halbierte und zuvor gesalzene Avocados hinzu. Das Mengenverhältnis ist geheim, die genaue Würzung – auch Limettenschale kommt zum Einsatz – ebenfalls. Dann wird die noch recht flüssige Masse mit einem riesigen Turbomixer püriert, ruht danach rund zehn Minuten und kommt schließlich in die Eismaschine, wo sie etwa 15 Minuten gerührt und gewälzt und aufgeschlagen wird.

Von Hundeeis bis „Klopapier“-Torten

„Deutsche lieben Eis“, sagt Annalisa Carnio vom Verband Unities, dem Bundesverband der italienischen Speiseeishersteller. Vor allem Eis nach italienischer Tradition stehe in Deutschland hoch im Kurs. Ihren Angaben zufolge haben hierzulande rund 3.300 Eisdielen eine eigene Eis-Produktion. Weitere rund 6.000 seien Filialen dieser eisherstellenden Betriebe oder bezögen ihr Eis von einem Betrieb, der selbst herstellt. Nach Branchendaten des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) schleckte jeder Deutsche im vergangenen Jahr rund acht Liter Speiseeis. Cimino sagt, die Geschäfte liefen gut. Es soll sich ja auch lohnen bei neun Monaten durchgehender Öffnungszeit jährlich mit bis zu 18-Stunden-Tagen.

Schon oft waren seine Brüder und er medial präsent: Mit Hundeeis oder zu Beginn der Pandemie mit Klopapier-Eistorten. Cimino versucht, sich immer auf den Zeitgeist und die Trends einzustellen. Pro Saison entwickelt er bis zu neun Eissorten neu, „davon bleiben dann zwei bis drei dauerhaft im Sortiment“, sagt der 42-Jährige. Grünes WhatsApp-Eis, blaues Facebook-Eis, graues, mit Aktivkohle versetztes Asphalteis hat er schon entwickelt – „experimentieren ist alles“.

Mit Avocado wollte er schon immer mal was machen. Schließlich wird die Frucht überall gehypt als gesund, reich an ungesättigten Fettsäuren und Vitaminen. Bis Cimino auf die fruchtige Kombi mit Physalis kam, musste er einige Zeit tüfteln. Sein Physalis-Avocado-Sorbet kommt bei den Kunden seit Jahren sehr gut an, auch seine Brüder verkaufen es in ihren Eisdielen. „Es ist vegan, lactosefrei, glutenfrei“, betont Cimino.

Eismachen von der Pike auf gelernt

Den Ausbildungsberuf „Fachkraft für Speiseeis“ gibt es nach Informationen des Baden-Württembergischen Handwerkstags seit 2019 nicht mehr, aber das spielt für Cimino keine Rolle. Der gelernte Industriemechaniker hat das Eismachen trotzdem von der Pike auf gelernt, von seinem Vater und der wiederum von seinem Großvater. Um ein gutes Eis zu machen, brauche man „Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung“, sagt er. „Und gute Zutaten.“

Eine achtköpfige Jury wird seine Kreation bald in Bologna begutachten: Bewertet werden neben dem Geschmack auch Farbe, Konsistenz und Geschmeidigkeit. Schade nur, dass dieses typische Sommereis nun im Winter verkostet wird. „Das ist für mich ein Nachteil“, glaubt Cimino. Eigentlich sollte die WM deutlich früher stattfinden, wurde wegen Corona aber verschoben und schließlich auch noch von Florenz nach Bologna verlegt, wo die Hygienekonzepte besser umzusetzen seien.

Apropos Corona – es ist theoretisch denkbar, dass deswegen mal wieder alles ins Wasser fällt. „Hoffentlich nicht“, sagt Cimino.

Ihr Autor

Anika von Greve-Dierfeld

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Erstellt:
25. November 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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