Mit wachsamen Augen durch Rastatts Landschaft

Rastatt (schx) – Ihre Aufgabe ist es, ein wachsames Auge auf die Natur- und Landschaftsschutzgebiete in den Außenbereichen der Stadt und ihrer Ortsteile zu haben: Tara Kelleher ist Feldschützerin.

Ihr Arbeitsplatz ist zum größten Teil in der Natur: Feldschützerin Tara Kelleher will vor allem helfen. Foto: Xenia Schlögl

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Ihr Arbeitsplatz ist zum größten Teil in der Natur: Feldschützerin Tara Kelleher will vor allem helfen. Foto: Xenia Schlögl

Tara Kelleher ist Feldschützerin. Für viele Bürger ist das eine unbekannte Berufsbezeichnung. Klarer wird es, wenn hinzugefügt wird, dass der Bereich Feldschutz dem städtischen Gemeindevollzugsdienst angegliedert ist. Kellehers Aufgabe ist es, ein wachsames Auge auf die Natur- und Landschaftsschutzgebiete in den Außenbereichen der Stadt Rastatt und seiner fünf Ortsteile zu haben.

Eingeführt wurde die Stelle Anfang 201. Die 41-Jährige ergänzt seither als einzige Feldschützerin die Arbeit der Stadtpolizisten, die ihren Streifendienst hauptsächlich in der Innenstadt absolvieren.

Ihr Arbeitsplatz ist zum größten Teil in der Natur, dort ist sie täglich mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit ihrem kleinen Suzuki-Geländewagen unterwegs. Immer mit dabei: Eine Landschaftskarte, die die Flurstücke detailliert erkennen lässt. Kelleher trägt eine blaue Polizeiuniform und ist befugt, Verwarnungen auszusprechen und Bußgelder zu verhängen. Ob unangeleinte Hunde im Naturschutzgebiet, Falschparken auf Feldwegen, illegale Feuerstellen, unerlaubtes Verbrennen von Laub auf Grundstücken, der Aufgabenbereich ist breit gefächert.

„Ich bin in erster Linie da, um zu helfen“, beschreibt die sympathische Tara Kelleher ihre Arbeit. Sie schätzt, dass 90 Prozent der Bürger, die Grundstücke in Landschaftsschutzgebieten besitzen, nicht genau wissen, was man dürfe oder was verboten sei. Wenn sie einen Verstoß erkenne, hinterlässt die Feldschützerin ihre grüne Visitenkarte zur Kontaktaufnahme.

„Ich fungiere hier als Mittler“

„Ich versuche zuerst im Gespräch, ein Bewusstsein für das Problem zu wecken.“ Viel Fingerspitzengefühl sei oft nötig, „um nicht über das Ziel hinauszuschießen“.

Im Außenbereich der Rheinau zeigt Kelleher zwei nebeneinanderliegende Grundstücke mit sehr unterschiedlicher Bebauung. Auf einem steht eine erlaubte Geschirrhütte, die ausschließlich für die Unterbringung von Gartengeräten dient und einen maximalen umbauten Raum von 20 Kubikmeter aufweist, umgeben von Hecken und Pflanzen. Auf dem zweiten Grundstück befindet sich ein überdimensioniertes Holzhaus, gestrichen in einer auffälligen Farbe, umzäunt mit einer Metallzaunumfriedung – das alles verstößt gegen geltendes Bau- und Naturschutzrecht. Kellehers Aufgabe wird es jetzt sein, die zuständigen Ämter zu informieren und die weiteren Schritte mit dem Eigentümer zu besprechen: „Ich fungiere hier als Mittler, um gemeinsam mit dem Grundstücksbesitzer und den Behörden passende Lösungen zu finden.“ Kelleher nutzt ihren Ermessensspielraum, erwartet aber auch konstruktive Mitarbeit des Eigentümers.

Viele illegale Müllablagerungen

Illegale Müllablagerungen in Schutzgebieten kommen häufig vor. Kürzlich wurden große Möbelkartons gefunden, deren Besitzer anhand des aufgedruckten Barcodes ermittelt werden konnte. Die Bußgelder und Verwaltungsgebühren waren deutlich teurer als eine legale Entsorgung. Oft melden Ortsverwaltungen, Naturschützer, Angler, Jäger oder Förster Verstöße. Mit ihnen arbeitet Kelleher eng zusammen: „Mein Arbeitsgebiet ist sehr weitläufig, und ohne Teamarbeit funktioniert es nicht.“

Manchmal wird sie auch außerhalb ihrer Arbeitszeit fündig. Auf ihrem Nachhauseweg entdeckte Kelleher in einem Ortsteil 45 Tonnen Bauschutt auf einer Streuobstwiese. Der Verursacher deklarierte dies als hochwertigen Erdaushub für die Neuanpflanzung von Obstbäumen. Aber Kelleher war nach einer Probeuntersuchung klar, dass dem uneinsichtigen Besitzer erhebliche Entsorgungskosten in Höhe eines fünfstelligen Betrags ins Haus stehen werden.

Bevor die Feldschützerin in den Ortsteilen tätig wird, tauscht sie sich mit den Ortsvorstehern aus. „Das ist sehr hilfreich, weil die Ortsvorsteher oft einen direkten Draht zu ihren Einwohnern haben und Missstände auf dem kleinen Dienstweg schnell gelöst werden können.“ Aber Kelleher überprüft regelmäßig, ob die besprochenen Maßnahmen auch umgesetzt werden. Hilfreich sind Fotos, die sie gemacht hat und abgleicht.

Sind die Probleme in jedem Ortsteil ähnlich gelagert? Nein, in einem Ortsteil überwiegen die Schwarzbauten, im anderen ungepflegte Landschaften.

Erholungsraum für die Allgemeinheit erhalten

Eloquent erklärt die 41-Jährige, dass es Flurstücke gebe mit fünf oder mehr Erben, die kein Interesse zeigen, der Bewirtschaftungs- und Pflegepflicht nachzukommen. Wenn sich nach jahrelangem Nicht-Kümmern ein Biotop auf der Parzelle entwickelt habe, könne es passieren, dass die untere Naturschutzbehörde das Grundstück als Naturschutzgebiet deklariere. „Damit ist die Liegenschaft fast unverkäuflich, da weder Bebauung noch Tierhaltung erlaubt sind.“

Ein großes Thema sind in jedem Ortsteil die Holzlagerungen. „Brennholz wird oft in solchen Mengen aufgestapelt, dass die Holzstapel wie Mauern in der Landschaft stehen“, erklärt Kelleher, „erlaubt sind für den Eigenbedarf nur 20 Ster im Außenbereich pro Familie und nicht pro Grundstück.“ Alles darüber hinaus müsse im Innenraum gelagert werden. Sie versteht, wenn Bürger ihrem Unmut über die vielen Regeln freien Lauf lassen. Es sei aber ihre Aufgabe als Feldschützerin, die Außenbereiche der Stadt und der Ortsteile als Erholungsraum für die Allgemeinheit zu erhalten.

Bevor sie zur Stadt Rastatt kam, arbeitete Tara Kelleher als Luftsicherheitsassistentin an Flughäfen. Ihre Erfahrungen im Umgang mit Menschen sind ihr auch jetzt hilfreich.

Ihr irischer Nachname ist nicht unbekannt in der Region. Ihr verstorbener Vater Terence Kelleher war Jockey bei den Baden-Badener Rennwochen. Mit ihren Eltern und Geschwistern war sie in ihrer Kindheit ständig weltweit unterwegs, von Rennbahn zu Rennbahn. Geboren wurde Kelleher in Nairobi/Kenia. 1992 ließ sich ihre Familie endgültig in Iffezheim nieder.

Der Bereich Feldschutz ist kein Ausbildungsberuf. Kelleher musste erst eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten absolvieren und sich weiter qualifizieren mit zusätzlichen Schulungen. Sie arbeitet in Vollzeit, ihr Terminplan ist eng getaktet. Die Bestandsaufnahme jedes Vorgangs bedeutet eine aufwendige Dokumentation. Neben Recherchen müssen Luftbilder verglichen und Landkarten studiert werden, das Online-Geoportal des Landes ist dabei sehr nützlich. „Ich liebe meinen Beruf, weil er so abwechslungsreich ist und ich viel in der Natur sein kann“, bekennt sie offen.

Wer Fragen hat oder einen Missstand in der Landschaft vorfindet, kann sich bei Tara Kelleher melden unter (07222) 9727325 oder per E-Mail an feldschutz@rastatt.de.

Eine illegale Feuerstelle zählt zu den Tatbeständen, die die Feldschützerin ahnden muss. Foto: Xenia Schlögl

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Eine illegale Feuerstelle zählt zu den Tatbeständen, die die Feldschützerin ahnden muss. Foto: Xenia Schlögl

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Erstellt:
4. November 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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