Mit wenigen Klicks zum Klimasteckbrief

Freiburg (vn) – Ein Onlineportal der Universität Freiburg liefert Klimaprognosen für alle Kommunen Baden-Württembergs bis 2100. Zugrunde liegt ein beängstigendes Szenario: „Weiter so wie bisher“.

Der Tag geht, die Tropennacht kommt. Vielerorts sinken die Temperaturen nachts derzeit nicht unter 20 Grad Celsius. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archiv

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Der Tag geht, die Tropennacht kommt. Vielerorts sinken die Temperaturen nachts derzeit nicht unter 20 Grad Celsius. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archiv

Tropennächte sind dieser Tage wieder angesagt. Wenn man sich nachts schlaflos schwitzend im Bett herumwälzt, keimt vielleicht die Sorge auf: Wie soll das erst in Zukunft werden? Diese Frage und einige andere mehr zum Klima vor Ort können jetzt etwas besser beantwortet werden – und zwar für jede Kommune in Baden-Württemberg.

Die Universität Freiburg hat im Rahmen eines Forschungsprojekts ein „Lokales Klimaportal“ online gestellt, mit dessen Hilfe sich für jede der rund 1.100 Gemeinden im Südwesten mit wenigen Klicks ein individueller Klimasteckbrief erstellen lässt. Dieser enthält – sehr übersichtlich dargestellt – elf klimatische Parameter.

So lassen sich beispielsweise die mittlere Jahrestemperatur ablesen und die durchschnittliche Anzahl von Frosttagen und Tropennächten. Besonders interessant sind „Zeitschnitte“. So liegen Daten für die jüngere Vergangenheit vor (1971 bis 2000). Die nahe Zukunft (2021 bis 2050) und die ferne Zukunft (2071 bis 2100) werden als Prognosen hochgerechnet.

Die Stadt Rastatt ist Netzwerkpartner des Projekts. Der Klimasteckbrief lässt erahnen, worauf sich die Barockstadt in künftigen Sommern einstellen muss, sollte es nicht gelingen, die Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre weltweit zu senken. Deutlich mehr Sommertage (Tageshöchsttemperatur über 25 Grad Celsius), deutlich mehr heiße Tage (Tageshöchsttemperatur über 30 Grad Celsius) und eine Vervielfachung der Zahl der Tropennächte (Nachttemperaturen nicht unter 20 Grad Celsius) könnten in naher Zukunft drohen, aber vor allem in ferner Zukunft. Hinzu kommen geringere Niederschläge und lange Trockenphasen.

Wissensportal für Hintergrundinfos

Die in der Karte dargestellten Daten basieren auf Berechnungen der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) von 2020. Die Klimaprojektionen für die nahe und ferne Zukunft sind auf Grundlage des „Weiter-so-wie-bisher“-Szenarios des Weltklimarats berechnet – wenn also keine Anstrengungen für den Klimaschutz erfolgen würden. Die Zahlen sind aufgrund der Unschärfen einer Klimaprojektion als Durchschnitt zu sehen. Die entsprechende Bandbreite ist immer angegeben. Im dazugehörigen Wissensportal finden Leser Informationen zu den Auswirkungen des Klimawandels sowie Handlungsfelder und Anpassungsmaßnahmen auf kommunaler Ebene.

Die beiden Portale und die Klimasteckbriefe sind ein Zwischenergebnis. „Das Projektteam hat die Auswirkungen des Klimawandels in anschaulicher Weise zusammengetragen und visualisiert“, sagt Prof. Rüdiger Glaser von der Professur für Physische Geographie Freiburg. „Unser nächstes Ziel ist die Zusammenfassung von Kommunen in Clustern, die aufgrund von vergleichbaren sozioökonomischen und geografischen Eigenschaften ähnliche Auswirkungen des Klimawandels zu erwarten haben“. Für diese Cluster sollen lokalspezifische Anpassungsmöglichkeiten und Handlungsempfehlungen erarbeitet werden.

www.lokale-klimaanpassung.de

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
20. Juni 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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