Mitgliederzahl beim FVÖ steigt stetig

Ötigheim (as) – Der Fußballverein Ötigheim steht vor einem Umbruch: Nächstes Jahr gibt Christian Dittmar den Vorsitz ab. Darüber und über die Situation des Vereins äußert er sich im BT-Interview.

2021 ist definitiv Schluss: FVÖ-Vorsitzender Christian Dittmar bereitet den Wechsel vor. Foto: Anja Groß

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2021 ist definitiv Schluss: FVÖ-Vorsitzender Christian Dittmar bereitet den Wechsel vor. Foto: Anja Groß

Ein Vorstandsamt ist mit viel Arbeit verbunden, davon weiß der Vorsitzende des Fußballvereins Ötigheim (FVÖ), Christian Dittmar, ein Lied zu singen. Eigentlich wollte er dieses Jahr nach elf Jahren im Vorstand seinen Posten abgeben, um Platz zu machen für „frischen Wind und neue Ideen“. Doch nun macht er doch noch ein Jahr weiter. Über die Gründe dafür und die Situation des FVÖ erzählt er im Gespräch mit BT-Redakteurin Anja Groß.

BT: Herr Dittmar, eigentlich wollten Sie dieses Jahr den Vorsitz des Fußballvereins Ötigheim abgeben, nun machen Sie und Ihr bisheriger Stellvertreter Simon Henkel doch noch ein Jahr weiter. Ist es bei 636 Mitgliedern so schwierig, Nachfolger zu finden?

Christian Dittmar: Nein. Die Nachfolgesuche war erfolgreich, allerdings kam dann Corona dazwischen. Auch deshalb haben wir uns für das Übergangsjahr entschieden. Aber 2021 ist definitiv Schluss.

BT: Wie soll die Nachfolgelösung aussehen?

Dittmar: Der zweite Vorsitzende Simon Henkel hat ja schon in den Fest- und Instandhaltungsausschuss gewechselt. Zum neuen zweiten Vorsitzenden wurde Detlef Zink gewählt. Er will dann mit meinem Nachfolger die Verantwortung übernehmen – voraussichtlich als gleichberechtigtes Vorstandsteam.

BT: Und wer steht für Ihre Nachfolge zur Verfügung?

Dittmar: Namen will ich da noch keinen nennen, zumal das ja auch erst die Mitglieder bei der nächsten Versammlung voraussichtlich nach Ostern 2021 entscheiden müssen.

„Mädchen sind bei uns integriert“

BT: Auch Fußballvereine stehen heutzutage vor gewaltigen Umbrüchen: Mitgliederschwund, nachlassende Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement, fehlender Nachwuchs infolge des Ganztagsschulbetriebs. Wie sieht das in Ötigheim aus?

Dittmar: Einen Mitgliederschwund bemerken wir nicht, im Gegenteil: Wir haben die Mitgliederzahl seit 2014 jedes Jahr gesteigert – von 552 im Jahr 2015 auf 636 Ende 2019. Dahinter steckt ganz einfach, dass bei uns nur Kinder kicken dürfen, die auch Mitglied im Verein sind. Das hat zum einen versicherungstechnische Gründe, zum anderen wollen wir alle gleich behandeln: Warum sollen die einen Mitglied sein und dafür zahlen und die anderen nutzen die gleichen Trainingsanlagen, haben die gleichen ehrenamtlichen Betreuer und zahlen nichts dafür?

BT: 50 Jahre Frauenfußball wird dieses Jahr gefeiert. Wie sieht es diesbezüglich beim FVÖ aus?

Dittmar: Wir hatten lange eine Mädchenmannschaft, aus der jetzt eine Damenmannschaft geworden ist. Aber seit die Trainerin studienbedingt weggezogen ist, trainieren die Mädchen teilweise in unserer Spielgemeinschaft mit Muggensturm. Ansonsten sind Mädchen bei uns ganz normal in die Jugend-Mannschaften integriert.

BT: Das heißt, der FVÖ hat genug eigenen Nachwuchs aus dem Ort oder geht der Trend wie vielerorts zu Spielgemeinschaften?

Dittmar: Eigentlich haben wir eine Spielgemeinschaft von C- bis A-Jugend mit Muggensturm und Bietigheim. Aber wir sind in der C-Jugend jetzt so gut aufgestellt, dass wir eigenständig zwei Mannschaften melden können. In der B- und A-Jugend sind wir auf Spielgemeinschaften angewiesen. Die drei Orte zusammen haben rund 15000 Einwohner und kriegen zusammen nur je eine A- und eine B-Jugend hin. Das verdeutlicht einen Trend, den viele Vereine bemerken: Je älter die Jugendlichen werden, desto mehr stehen andere Interessen im Vordergrund. Übrig bleibt dann meist nur der harte Kern. Aber unsere B- und A-Jugend spielen beide Landesliga – hier sind wir also dann doch gut aufgestellt. Und mit der C-Jugend sind wir guter Hoffnung, dass wir damit irgendwann sogar zwei Mannschaften bis zu den Herrenmannschaften melden können. Das war schon seit Jahren nicht mehr der Fall.

BT: Finanziell steht der FVÖ gut da, hieß es bei der Jahreshauptversammlung – auch mit Blick auf das „Clubhausthema“. Was ist da geplant?

Dittmar: Wir hatten vor etlichen Jahren eine finanzielle Schieflage. Das haben wir gemeinsam durch solides Wirtschaften alles wieder in geregelte Bahnen gelenkt. Durch die eigenständige Clubhausbewirtung haben wir eine andere Einnahmequelle als vorher mit der Verpachtung. Und dann haben wir mit unserem 100-Jährigen letztes Jahr vieles richtig gemacht, das hat sich auch positiv auf die Finanzen ausgewirkt. So konnten wir über die vergangenen Jahre Rücklagen bilden für einen eventuellen Clubhausumbau oder -neubau.

Clubhaus ist ein Thema für den neuen Vorstand

BT: Das heißt, das Clubhaus ist einfach in die Jahre gekommen?

Dittmar: Ja, der Bau aus der Mitte der 50er-Jahre ist aus heutiger Sicht falsch dimensioniert. Früher war es wichtig, einen großen Clubhausraum zu haben, wo man nach den Spielen zusammensaß. Das ist heute leider nicht mehr in diesen Dimensionen der Fall. Die Kabinen sind zudem eher klein, es gibt nur einen Duschraum. Es funktioniert alles so, wie es ist, aber entspricht – auch energetisch – natürlich nicht mehr dem aktuellen Stand. Insofern gibt es keinen dringenden Handlungsbedarf, aber der neue Vorstand wird sich mit dem Thema mit Sicherheit befassen.

BT: Das Corona-Jahr 2020 mit ruhendem Spielbetrieb im Frühjahr und der vorzeitigen Winterpause ist auch für die Fußballvereine ein besonderes. Wie stellt sich die Situation beim FVÖ dar?

Dittmar: Anfang des Jahres beim Lockdown haben wir mal einen Kassensturz gemacht und mit einem größeren Minus gerechnet. Jetzt zeichnet sich ab, dass wir doch mit einem ordentlichen Ergebnis rauslaufen. Es gab zwischendurch wieder Spiele, bei denen wir bewirten konnten und dadurch Einnahmen hatten. Eigentlich war es in den vergangenen Jahren immer so, dass wir 50 Neuanmeldungen hatten und etwa 30 Abmeldungen, einige leider durch Todesfälle. Dieses Jahr wird es sich wohl seit Langem erstmals ziemlich genau die Waage halten. Da wirkt sich aus, dass im Corona-Jahr der Trainingsbetrieb zeitweise nicht möglich war. Wir nehmen an, dass die Kicker aus den jüngeren Jahrgängen zeitverzögert nächstes Jahr dazustoßen. Dass irgendwelche Leute wegen Corona abgesprungen sind, ist mir nicht zu Ohren gekommen. Aber eins haben wir gemerkt: Man kann es nie allen recht machen. Wir haben uns an alle Vorgaben gehalten und mit dem Training erst wieder angefangen, als es auch in Mannschaftsstärke möglich war. Unser Credo war immer: Die Gesundheit geht vor. Zum Schluss haben wir entschieden, ohne Zuschauer zu spielen. Das kam dann aber nur bei einem Heimspiel der Damenmannschaft zum Tragen. Das Ansteckungsrisiko war einfach zu groß, als die Infektionszahlen immer mehr gestiegen sind. Da haben wir sowieso nicht verstanden, dass wir weiterspielen müssen – und Zuschauer weiter erlaubt sind. Zumal es sich im Amateurfußball kompliziert gestaltet hat, dass sich alle Zuschauer an die Regeln halten.

BT: Da gab es ja zum Teil nicht nur in Ötigheim auch heftige Kritik, dass die Abstandsregeln nicht eingehalten wurden...

Dittmar: Wir haben unser Hygienekonzept umgesetzt. Das Wichtige war, dass die Nachverfolgung möglich gewesen wäre, wenn etwas passiert wäre. Es ist nie etwas passiert. Aber ganz glücklich ist man als Vorstand natürlich nicht, wenn man Durchsagen macht, dass die Leute Abstand halten sollen, und gefühlt keiner reagiert. Aber da ist auch die Selbstverantwortung jedes Einzelnen gefragt. Ich kann als Vereinsvorstand nicht Polizei spielen und die Leute auseinandertreiben. Das kann nicht unsere Aufgabe sein.

BT: Nun meinen ja viele, wenn der Spielbetrieb ruht, hat das Vorstandsteam nichts zu tun. Ist das so?

Dittmar (lacht): Nein. Es gibt immer irgendetwas: Beispielsweise Videokonferenzen mit dem Verband, alles andere muss trotzdem am Laufen gehalten werden. Dann kommt beispielsweise am Sportplatz der Schornsteinfeger, man muss mit der Gemeinde sprechen, dass sie weiter den Rasen pflegen – der ganze Betrieb im Hintergrund muss weiterlaufen. Es kommen Mitgliederan- und -abmeldungen, die Steuer muss gemacht werden. Langweilig wird es uns sicher nicht, aber es ist schon ruhiger, als wenn der Ball rollt, logisch.

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Erstellt:
3. Dezember 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 50sec

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