Mittelbaden: 90 Personen vermisst

Gernsbach/Bühl/Offenburg (fk) – Zwei Mädchen aus Bühl und Gernsbach sind seit Wochen verschwunden. Das BT beleuchtet daher die Suche nach Vermissten im Bezirk des Polizeipräsidiums Offenburg.

Seit Anfang des Jahres 2020 wurden dem Offenburger Polizeipräsidium 25 Personen als vermisst gemeldet.  Foto: Florian Krekel

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Seit Anfang des Jahres 2020 wurden dem Offenburger Polizeipräsidium 25 Personen als vermisst gemeldet. Foto: Florian Krekel

Was für Angehörige und Freunde meist nur schwer zu ertragen und zu verstehen ist, klingt im Polizeideutsch recht nüchtern: „Als vermisst gilt, wer seinen gewohnten Lebenskreis verlassen hat und unbekannten Aufenthaltes ist.“ Das gilt zumindest für Minderjährige, wie die seit Wochen vermissten Mädchen aus Gernsbach und Bühl. Seit Anfang August stehen Laura W. und Jennifer M. auf der Fahndungsliste der Polizei, gelten als vermisst – so wie derzeit knapp 90 weitere Personen allein im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg.
Erwachsene gelten erst dann als vermisst, wenn zusätzlich zu den genannten Kriterien eine Gefahr für Leib und Leben angenommen werden kann. Dazu zählen laut Polizei sowohl eine mögliche Straftat als auch Hilflosigkeit, ein Unglücksfall oder Selbstmordabsichten.

In den Fällen der 14-jährigen Laura und der ebenfalls jugendlichen Jennifer gehen die Beamten indes nicht von einem Gewaltverbrechen aus. „Es liegen keinerlei Hinweise vor, die dafür sprechen würden“, unterstreicht ein Sprecher des für den Stadtkreis Baden-Baden, den Landkreis Rastatt und den Ortenaukreis zuständigen Offenburger Präsidiums. Bei den beiden Mädchen geht man demnach eher von sogenanntem Streunertum aus – die Polizei fasst es als „jugendlichen Freiheitsdrang“ zusammen, zumal eine von beiden in einem Mädchenheim untergebracht war.

Jugendliche aus Heimen sind laut Polizeipressesprecher Yannik Hilger nämlich eine typische Klientel unter der Gruppe der Vermissten, ebenso wie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – egal welchen Geschlechts.

Elternteile entführen Kinder

Im Jahr 2020 wurden dem Offenburger Präsidium Stand gestern 25 Personen als vermisst gemeldet. „Es gibt jedoch auch einige, die bereits länger als vermisst gelten. Darunter befinden sich eine ganze Reihe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die lediglich kurzfristig aufgegriffen, in einem Kinderheim untergebracht wurden und danach wieder verschwunden sind“, bilanziert Hilger und ergänzt: „Auch sechs Kinder, die durch eine Bezugsperson – meist Vater oder Mutter – dem anderen Erziehungsberechtigten entzogen und zumeist ins Ausland gebracht wurden, zählen dazu.“

Das Vorgehen der Polizei in Vermisstenfällen folgt dabei meist einem Schema: Zunächst wird versucht, eine mögliche Motivation oder Ursache für das Verschwinden zu ermitteln. Dabei wird unter anderem geprüft, ob die Umstände eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten können – etwa ob eine Person krank ist oder Suizidabsichten geäußert hat. Im Anschluss wird eine Personenbeschreibung erhoben, samt Bild. Es folgen Wohnungsdurchsuchung sowie Fahndungsmaßnahmen an den „sogenannten Hinwendungsorten“, also jenen Plätzen, an denen eine Person vermutet oder oft gesehen wurde.

Es folgen die Möglichkeit der Handyortung, der Aufruf in der Presse und die Ausschreibung in den polizeilichen Fahndungssystemen.


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