Mittlerweile 13 Coronafälle in der Region

Baden-Baden/Rastatt (dpa/red) - Im Stadtkreis Baden-Baden und im Landkreis Rastatt mehren sich die Coronafälle. Laut dem Landratsamt Rastatt sind im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes inzwischen 13 Coronafälle registriert worden.

Hier geht´s lang: Der Wegweiser in der Klinik Balg. Foto: Frank Vetter/BT

Hier geht´s lang: Der Wegweiser in der Klinik Balg. Foto: Frank Vetter/BT

Damit gab die Behörde den Infektionsstand zum Zeitpunkt Mittwochmorgen, 10 Uhr, bekannt. Drei Infizierte leben laut den Angaben in Baden-Baden, zehn im Landkreis Rastatt. Nach Aussage des Gesundheitsamtes befinden sich alle Erkrankten in häuslicher Quarantäne und in einem guten Allgemeinzustand. Die Patienten sind im Altersspektrum zwischen 22 und 74 Jahren. Nach jetziger Erkenntnis sind es Rückkehrer aus Risikogebieten oder Kontaktpersonen von Rückkehrern. Wie Mercedes-Benz auf BT-Nachfrage mitteilt, sind auch mehrere Mitarbeiter im Rastatter Werk betroffen. Zuerst hatten die Behörden am Samstag mitgeteilt, dass ein Ehepaar aus Bühl und ein Mann aus Baden-Baden positiv auf den Erreger getestet wurden. Alle drei waren zuvor in Südtirol. Die vierte infizierte Person habe sich bei einem der drei angesteckt, wie am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des Landkreises Rastatt und des Stadtkreises Baden-Baden bestätigt wurde. Am Dienstag bestätigte Mercedes-Benz auf BT-Anfrage, dass mehrere Beschäftigte aus dem Werk Rastatt ebenfalls erkrankt seien..

Blick ins Foyer des Klinikums.Frank Vetter/BT

Blick ins Foyer des Klinikums.Frank Vetter/BT

Verdachtsfall an Klosterschule Lichtental nicht bestätigt

Wie die Stadt Baden-Baden gemeinsam mit dem Landkreis Rastatt am Montag bekannt gab, befinden sich alle Betroffenen in einem „stabilen Allgemeinzustand“ und seien in häuslicher Quarantäne. Das zuständige Gesundheitsamt stehe mit den Betroffenen in engem Austausch. Mögliche Kontaktpersonen werden demnach ermittelt. 29 Kontaktpersonen befinden sich mittlerweile in häuslicher Quarantäne. Wie am Montag die Firma Schaeffler mitgeteilt hat, sei ein Mitarbeiter am Standort Bühl erkrankt. Die betroffene Person sei aber seit dem 27. Februar krankgemeldet und seitdem nicht mehr im Unternehmen gewesen. Bisher zeigten keine weiteren Kollegen Symptome, teilte Schaeffler mit. Wie die Stadt Baden-Baden am Mittwoch mitteilte, hat sich ein Verdachtsfall in der Klosterschule Lichtental nicht bestätigt. Dort war eine Klasse geschlossen und die Kinder vorsorglich nach Hause geschickt worden. Ein Kind, das aus Südtirol zurückgekehrt war, hatte Erkältungssymptome gezeigt. Ein Coronatest verlief jedoch negativ. Laut der Stadtpressestelle beginnt der Unterricht dort am Donnerstag, 12. März, wie gewohnt. Eine Gruppe des Kindergartens Pezzettino bleibt jedoch bis auf Weiteres geschlossen.

In Baden-Württemberg stieg die Zahl der Infizierten nach offiziellen Angaben vom Landessozialministerium bis zum späten Dienstagnachmittag auf insgesamt 277. 45 neue bestätigte Covid-19-Fälle wurden demnach gemeldet. Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen sollen verboten werden. Es werde eine bindende Verordnung auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg gebracht, kündigte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag in Stuttgart an. Für die Kommunen werde diese „als verbindliche Leitlinie dienen“, sie müssen sich laut Ministerium an das Verbot halten. Die Landesregierung folgt damit anderen Bundesländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, die bereits Verbote ausgesprochen oder angekündigt hatten. Der Beschluss wird vor allem den Sport, Messen und die Kultur hart treffen, aber auch das Handwerk und den Tourismus. Mit dem Verbot sollen die Infektionsketten unterbrochen werden, wie Lucha mitteilte. Das Kabinett werde die Rechtsverordnung im Laufe der kommenden Tage beschließen, sagte sein Sprecher. Weitere Details nannte er nicht. In Baden-Württemberg wird der Start des Sommersemesters an allen Hochschulen bis nach Ostern verschoben.

Elsass als Risikogebiet eingestuft

Am Mittwochmorgen stufte das Robert-Koch-Institut (RKI) die gesamte Region Grand Est in Frankreich als Risikogebiet ein. Dazu gehört neben dem Elsass auch Lothringen und Champagne-Ardenne. Bereits zuvor hatte das Landessozialministerium empfohlen, das französische Département Haut-Rhin im südlichen Elsass wie ein Risikogebiet zu behandeln. Diese Einstufung hat unmittelbar Folgen für die Region: Mehrere Arbeitgeber schickten bereits Mitarbeiter aus dem Elsass nach Hause. Auch Lehrer, die im Elsass wohnen, dürfen bis auf weiteres nicht mehr unterrichten.

Corona-Ambulanz eingerichtet: Vor Besuch anrufen

Wegen der verschärften Lage hatte auch das Klinikum Mittelbaden in Balg eine zentrale Corona-Ambulanz für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden eingerichtet. Diese bleibt am Mittwoch weiter in der Zeit von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Ab Donnerstag, 12. März, ist sie von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr täglich geöffnet. Zielgruppe der Ambulanz sind laut dem Klinikum Personen, die sich in Risikogebieten (laut Vorgaben des Robert-Koch-Institutes) aufgehalten haben und Anzeichen einer Erkrankung verspüren. Dazu zählen laut dem baden-württembergischen Sozialministerium etwa Fieber, Muskelschmerzen, Husten, Schnupfen oder Durchfall. Das Klinikum rät, vor einem Besuch per Telefon Kontakt zum Hausarzt oder der Hausärztlichen Notfallambulanz (Telefon 116 117) aufzunehmen. Laut dem medizinischen Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, Dr. Thomas Iber, ist die Corona-Ambulanz am Klinikum Balg weiter stark frequentiert, wie das Landratsamt am Mittwoch in einer Mitteilung schreibt. Die Notfallversorgung in den Kliniken laufe derzeit noch normal.

Eingeschränktes Besuchsverbot

Außerdem gilt seit Montag an den Klinikstandorten des Klinikums Mittelbaden in Balg, Bühl, Rastatt, Forbach und Ebersteinburg zum Schutz der Patienten, Besucher und Mitarbeiter ein eingeschränktes Besuchsverbot. Das Klinikum bittet darum, aktuell Besuche am Krankenbett auf eine Person (Verwandte des ersten Grades) zu begrenzen. Kinder unter 18 Jahren sollten auf Besuche verzichten. Grund dafür ist, wie das Gesundheitsamt am Montag informierte, dass bei jüngeren Menschen häufig keine Symptome auftreten. Diese seien dann aber dennoch ansteckend und könnte andere Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Auch in der Region traten erste Infektionen auf, beispielsweise bei einem Schüler in Ettlingen. Er war zuvor im Skiurlaub in Südtirol gewesen.

Absagen in der Region

Wegen der Gefahr einer Ansteckung sind inzwischen auch mehrere Veranstaltungen abgesagt worden. Beispielsweise hat das Klinikum Mittelbaden zum Schutz der Patienten, Pflegegäste und Mitarbeiter Veranstaltungen wie etwa Vorträge, Kurse oder Beratungen, die im März in den Einrichtungen des Klinikums stattfinden würden, abgesagt. Dies gilt für die Kliniken Baden-Baden Balg, Ebersteinburg, Bühl, Rastatt und Forbach sowie die Baden-Badener Pflegeeinrichtungen Schafberg und Theresienheim, Haus Fichtental in Kuppenheim, das Martha-Jäger-Haus in Rastatt, das Erich-Burger-Heim in Bühl und die Pflegeeinrichtung Hub in Ottersweier.

Auch die Messe Karlsruhe hat am Montag die Inventa sowie die Rendez-Vino, die vom 13. bis 15 März stattfinden sollten, abgesagt. Die Stadt Bad Herrenalb hat für die Monate März und April alle städtischen Veranstaltungen abgesagt. Für die in diesem Zeitraum angesetzten Konzerte werden aktuell Ausweichtermine gesucht, die rechtzeitig bekannt gegeben werden. Bereits gekaufte Konzertkarten behalten ihre Gültigkeit, heißt es in einer Pressemitteilung vom Mittwoch. Die Stadt Bühl entschied, bei allen bis 15. April vorgesehenen Veranstaltungen eine Risikobewertung vorzunehmen. Alle öffentlichen und privaten Veranstaltungen bis zu 1000 Personen sind laut einer Mitteilung dem Ordnungsamt zu melden. Die Modellhelikopter-Messe „Rotor live“, die am 14. und 15. März auf dem Gelände von Baden Racing in Iffezheim hätte stattfinden sollen, wurde am Mittwoch ebenfalls abgesagt. Die Stadt Achern sagte bereits am Dienstag alle größeren Frühlingsveranstaltungen in der Stadt ab. OB Klaus Muttach erklärte am Montag bei der Verabschiedung des Acherner Doppelhaushalts im Gemeinderat das Vorgehen der Stadtverwaltung im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus. Betroffen sind etwa der Bauernmarkt am 21. März, der Geschirrflohmarkt „Tasse sucht Teller“ am 4. und 5. April sowie der Kirschblütenzauber in Mösbach am 5. April. Auch Großveranstaltungen in Freiburg im Breisgau wurden seit Dienstag behördlicherseits untersagt.

Kulturveranstaltungen betroffen

Wie das Festspielhaus am Mittwoch mitteilte, findet das Konzert mit den Wiener Philharmonikern am 14. März nicht statt. Kunden können entweder ihre Karte umtauschen, einen Gutschein erhalten, den Wert der Eintrittskarten in eine Spende umwandeln oder den Kaufpreis zurückerstattet bekommen. Das Team um Intendant Benedikt Stampa arbeite derzeit fieberhaft an Szenarien für die diesjährigen Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker vom 4. bis 13. April, hieß es am Mittwochabend.

Vom 11. März bis zum 19. April finden auch am Staatstheater Karlsruhe keine Vorstellungen statt. Erworbene Eintrittskarten für abgesagte Vorstellungen werden automatisch storniert und in einen Gutschein umgewandelt. Das mit rund 400 Plätzen deutlich kleinere Theater Baden-Baden hatte bis Mittwochabend keine entsprechende Anweisung erhalten. Die Philharmonie Baden-Baden sagte ein Gastspiel ab. Das SWR-Symphonieorchester muss aufgrund der Anordnung seine Abonnementskonzerte in Stuttgart und Freiburg absagen. Die SWR-Kammerkonzerte (21. März auch in Baden-Baden) könnten nach aktuellem Stand noch stattfinden, da sie weit weniger Publikum haben.

Ganz Italien wird zur Sperrzone

Besonders hart trifft es aber Italien: Seit Dienstag sollen wegen der Coronavirus-Ausbreitung die rund 60 Millionen Einwohner möglichst zu Hause bleiben. Die Regierung in Rom hatte am Montagabend die zuvor im Norden des Landes verhängten Sperrungen auf das ganze Land ausgedehnt. Wie das Robert-Koch-Institut am Dienstag erklärte, wird nun ganz Italien zum Risikogebiet erklärt. Für Die Menschen dürfen nach den neuen Regeln nur aus wenigen Gründen ihr Haus verlassen. Als Ausnahmen gelten Einkaufen, wenn man zur Arbeit muss, Arztbesuche oder die Hilfe alter oder kranker Verwandter. Das Besuchen von Freunden oder Spaziergänge in anderen Orten sind untersagt. Kinos und Theater sind landesweit geschlossen. Läden, Bars und Restaurants haben nur eingeschränkt geöffnet. Die Schließung aller Schulen, Universitäten und Kindergärten im ganzen Land wurde von Mitte März auf mindestens Anfang April verlängert. Das Land kämpft seit Wochen vergeblich gegen die rapide steigende Zahl von Infizierten und Toten durch die Covid-19-Lungenkrankheit. Mittlerweile haben sich fast 10 000 Menschen angesteckt, mehr als 460 sind gestorben. Österreich stellte am Mittwochvormittag den Zugverkehr von und nach Italien ein.

Weitere Risikogebiete liegen in China, Iran und Südkorea.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rief die Bürger dazu auf, Corona-Risikogebiete zu meiden. Auf nicht notwendige Reisen in besonders betroffene Regionen in Italien, aber auch in Nordrhein-Westfalen sollte man verzichten. Die Grenzen in der Europäischen Union sollten aber offen bleiben. Er appellierte auch an die Bürger, sich nicht mit Masken oder Schutzkleidung einzudecken, sondern diese für Ärzte und Pflegekräfte zu lassen. Im Bereich der Schutzausstattung sowie bei Desinfektionsmitteln gibt es mittlerweile Engpässe.

Inzwischen drei Personen in Deutschland gestorben

Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen ein weiterer mit dem Coronavirus infizierter Patient gestorben - es ist der dritte bekannte Todesfall in Deutschland. Der Patient sei im Heinsberger Krankenhaus gestorben, sagte eine Sprecherin des Kreises am Mittwoch, ohne weitere Details zu nennen. Zuvor hatte die „Rheinische Post“ berichtet. Am Montag wurden bereits zwei Todesfälle in Nordrhein-Westfalen bekannt gegeben. Das erste Todesopfer stammte ebenfalls aus dem Kreis Heinsberg. Das zweite Todesopfer ist eine 89-jährige Frau aus Essen, die seit Anfang März in der dortigen Universitätsklinik behandelt wurde. Sie sei am Montagmittag an einer Lungenentzündung in Folge der Coronavirus-Infektion gestorben, wie die Stadt Essen am Montag mitteilte. Am Sonntag war außerdem ein 60-jähriger Feuerwehrmann aus Hamburg in Ägypten am Coronavirus gestorben.

Besonders betroffen von dem Virus ist der Kreis Heinsberg im Westen von Nordrhein-Westfalenmit 365 Fällen. Deutschlandweit verzeichnet das Robert Koch-Institut knapp 1 300 Fälle. Weltweit haben sich inzwischen mehr als 110 000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge allerdings wesentlich höher.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.