Mobiler Schlachthof in Baiersbronn

Baiersbronn (mon) – Der Bürgermeister aus Baiersbronn, Michael Ruf, spricht von einem respektvollen Umgang mit Tieren. Ein neuer Schlachtanhänger ermöglicht eine hofnahe Schlachtung.

Von außen sieht der Laie nicht, was sich in diesem Anhänger verbirgt, nämlich der mobile Schlachtanhänger Baiersbronn. Foto: Monika Braun

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Von außen sieht der Laie nicht, was sich in diesem Anhänger verbirgt, nämlich der mobile Schlachtanhänger Baiersbronn. Foto: Monika Braun

Unter viel Beachtung wurde der neue Schlachtanhänger kürzlich auf dem Seidtenhof in Baiersbronn sozusagen offiziell eingeweiht. „So können wir den Tieren einen Tod in ihrer gewohnten Umgebung ermöglichen und ersparen ihnen Angst und Transportstrapazen“, erklärt Hofbetreiber Mario Zimmermann. Das braun-weiß gefleckte Tier von Bauer Zimmermann scheint tatsächlich keine Ahnung vom bevorstehenden Schlachtvorgang zu haben und frisst genüsslich und unwissend die letzte Henkersmahlzeit. Die Gemeinde Baiersbronn hat den rund 120.000 Euro teuren Schlachtanhänger für die heimischen Landwirte und Fleischerzeuger erworben, und auch der Gemeinderat stand hinter dem Konzept.

„Wir stehen voll dahinter, ich halte das Vorgehen mit dem Anhänger für eine gute und zeitgemäße Methode, um mit dem Tier respektvoll umzugehen“, sagt Bürgermeister Michael Ruf. Mit dem Kauf sei ein Qualitätsmerkmal geschaffen worden, welches bei der Vermarktung des Fleisches sicher gut sei, aber letztendlich stehe das Tierwohl im Mittelpunkt.

Hochwertiges Fleisch zu höheren Preisen

„Jeder sollte auch seinen privaten Fleischkonsum überprüfen. Hochwertiges und ethisch korrekt geschlachtetes Fleisch zu höheren Preisen zu kaufen ist sicher besser, als günstige Massenware“, mahnt Ruf. Letztendlich müsse aber jeder das für sich selbst entscheiden. „Die Nachfrage für unser Fleisch hier vom Seidtenhof ist sehr gut, wir sind von der Schlachtmethode im Anhänger und damit gleich auf dem Hof überzeugt“, sagt auch Landwirt Mario Zimmermann.

Für ihn gebe es keine Alternative mehr, es sei wirklich stressfrei für das Tier. „Wir haben einen genauen Plan für unsere Schlachtungen über einen Zeitraum von sechs Monaten, das ist wichtig, damit der Anhänger auch verfügbar ist und die entsprechenden Personen Zeit haben“, erklärt Zimmermann. Wichtig sei die Wertschätzung des Lebensmittels Fleisch, hier müsse sowohl bei den Landwirten, als auch bei den Verbrauchern ein Umdenken stattfinden.

Auf dem Seidtenhof ist für das Tierwohl in den vergangenen Jahren viel getan worden. Nicht nur der neue und moderne Stall, sondern auch die Züchtung der Pinzgauer Rinderrasse tragen viel zur innovativen Landwirtschaft bei. Offiziell dabei war auch der Leiter des Veterinär- und Verbraucherschutzamts Freudenstadt, Edmund Hensler, der sich vor Ort von der schonenden Schlachtmethode überzeugen konnte.

„Dieser Anhänger ist meines Wissens bisher der einzige im Kreis, er wird in Verbindung mit dem Schlachthaus in Klosterreichenbach genutzt“, erklärt der Experte. Der Ablauf sei einfach, der Metzger töte das Tier schnell und damit für das Rind wohl kaum registrierbar, dann würde es in den Anhänger gezogen und zum Schlachthaus in Klosterreichenbach transportiert. Dort fänden die weiteren Schlachtungsschritte statt.

Weder Stress noch langer Transport

„Diese Methode ist Tierschutz, denn das Tier hat weder Stress, noch muss es einen langen Transport erdulden“, so der Leiter. Einen kleinen Einwand hat Edmund Hensler jedoch, denn nach den neuen kommenden EU-Richtlinien müsse in Zukunft bei jeder Schlachtung auch ein amtlicher Tierarzt und Metzger bei der Schlachtung in mobilen Schlachteinheiten dabei sein. Das erfordere immer eine gewisse Planung. „Diese Schlachtmethode eignet sich nur für Kleinbetriebe, die großen Schlachthöfe könnten so nicht arbeiten“, so Hensler. Hans Jürgen Knoll, der Metzger, der die erste offizielle Anhängerschlachtung in Baiersbronn vornimmt, steht deutlich mehr unter Stress als das friedlich grasende Rind. Geschäftig richtet er das Werkzeug, bevor es zur Sache geht. „Wir wollen dem Schlachten das Grausige nehmen“, heißt es in der Werbebroschüre für den Schlachtanhänger. Auf dem Seidtenhof scheint es gelungen, dank der neuen Methode zum Wohl der Tiere, die so weniger leiden müssen.

Rund 120.000 Euro hat die Gemeinde Baiersbronn in den mobilen Schlachtanhänger investiert. Foto: Monika Braun

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Rund 120.000 Euro hat die Gemeinde Baiersbronn in den mobilen Schlachtanhänger investiert. Foto: Monika Braun

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Monika Braun

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Erstellt:
5. August 2021, 20:00 Uhr
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