Mobilitätslösungen für die Zukunft

Baden-Baden (nof) – Von Fahrzeug auf Abruf bis Parken per Handy: Bedarfsverkehr und „Smart Parking“ sind zwei von vielen künftigen Mobilitätslösungen, die die Stadtwerke Baden-Baden derzeit ausloten.

„Smart Parking“ soll ermöglichen, dass man Parkgebühren einfach mit dem Smartphone bezahlt.  Foto: Christin Klose/dpa

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„Smart Parking“ soll ermöglichen, dass man Parkgebühren einfach mit dem Smartphone bezahlt. Foto: Christin Klose/dpa

Mit Lösungen für den Verkehr der Zukunft befassen sich die Stadtwerke Baden-Baden: Zum einen steht die Suche nach einem Anbieter von „Smart-Parking“-Angeboten im Vordergrund, um das Parken auf gebührenpflichtigen Stellplätzen zu vereinfachen. Zum anderen prüfen die Stadtwerke Optionen für den „Bedarfsverkehr“ im ÖPNV.
Unter „Smart Parking“ versteht man das unkomplizierte Bezahlen von Parkgebühren mit dem Smartphone als Alternative zu Parkuhren und Parkscheinautomaten. Schon seit längerem sondiere man den Anbieter-Markt für solche Apps, informierte Stadtwerke-Mitarbeiterin Simone Droll in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses. „Wir wollen einen Anbieter, der eine ideale Lösung sowohl für Tiefgaragen als auch oberirdische Parkplätze anbietet – also nach Möglichkeit ein ganzheitliches System.“ 2019 habe es noch kein ausgereiftes Produkt für die erwünschte Kombination gegeben.

Nun habe man einen neuen Suchlauf gestartet und wolle aus dem Portfolio eine Auswahl möglicher Anbieter herausfiltern. Die Ergebnisse sollen im Mai dem Betriebsausschuss vorgestellt werden. „Wir müssen jetzt entscheiden, wie wir weitermachen wollen“, sagte Bürgermeister Alexander Uhlig. „Wir möchten die komfortabelste App für unsere Kunden.“

Stadtrat Werner Schmoll (SPD) freute sich, dass man nun den Beobachter-Status verlasse und verwies auf Anträge der SPD-Fraktion, die schon 2014 auf die Möglichkeiten des „Handy-Parkens“ hingewiesen habe. „Ich hoffe, dass wir im Mai dann mit der Aufholjagd beginnen können.“ Stadtwerke-Chef Helmut Oehler betonte, dass das Marktscreening eine intensive Arbeit erfordere, um die Lösung zu finden, „die für uns die geeignetste ist. Das ist nicht so trivial, wie es sich anhört. Jede App hat ihre Vor- und Nachteile.“

Leere Busse in Randzeiten oder bei schlechtem Wetter kosten Geld: Deshalb wollen die Stadtwerke neue Möglichkeiten für die „Bedarfsverkehre“ (On-Demand-Lösungen) ausloten, um die individuellen Transportwünsche der Fahrgäste mit den eingesetzten Fahrzeugen und Fahrzielen besser in Einklang zu bringen.

„Mischung aus Taxi und ÖPNV“ geplant

Dazu wurde bereits eine überregionale Arbeitsgruppe eingerichtet, informierte Stefan Güldner, Leiter der Verkehrsbetriebe. Bedarfsverkehre wie das Anruflinientaxi (ALT) oder das Anrufsammeltaxi (AST) gebe es zwar bereits. Nun suche man aber nach Lösungen, die Fahrten für mehrere Personen „unabhängig von einem Fahrplan oder einem Linienweg“ ermöglichen (Ridepooling). Dabei äußern Kunden Fahrtwunsch- und Ziel per App, „ein Algorithmus kombiniert diesen dann mit Wünschen anderer Fahrgäste“, erläuterte Güldner diese „Mischung zwischen Taxi und ÖPNV“. Das Ziel: In verkehrsschwachen Zeiten soll der Linienbus ersetzt werden, „um ein wirtschaftliches Nahverkehrsangebot zu ermöglichen sowie die ÖPNV-Abdeckung außerhalb der regulären Betriebszeiten zu erweitern“.

Es gehe vor allem um „die erste und letzte Meile. Dieses On-Demand-Angebot soll also ein Zubringerdienst zu den Hauptlinien sein“, so Güldner. Die Fortentwicklung in diesem Bereich, um Fahrangebote zu flexibilisieren, sei „kein leichtes Unterfangen“.

Bisher nur Pilotprojekte

Es gebe bundesweit zwar zahlreiche Anbieter auf diesem Gebiet. Es handele sich bislang nur um Pilotprojekte, „ohne durchschlagende Erfolge zur Verlagerung des Individualverkehrs zum ÖPNV“.

Die Unabhängigkeit von Linien- und Fahrplanbindung, eine dichtere Taktung und höhere Attraktivität des ÖPNV biete zwar viele Chancen. Doch gebe es auch Risiken: die Kostenfrage, höhere Kundenerwartungen (Anforderung wie Taxi-Dienstleistung) und eine geringere Anrechenbarkeit bei der Mittelzuweisung zum Beispiel. Die Vor- und Nachteile gelte es nun, in der überregionalen Arbeitsgruppe abzuwägen, blickte Güldner in die Zukunft.

Stadtrat Werner Schmoll (SPD) äußerte die Befürchtung, der ÖPNV könnte für ältere Menschen erschwert werden, weil alles über Apps geregelt werde, sah aber auch die Möglichkeit, die einstige Ausflugslinie 217 zum Scherrhof über On-Demand-Angebote wiederzubeleben. Hansjürgen Schnurr (CDU) warnte vor eben solchen Diskussionen zur Unzeit. Es gehe erst mal darum, Möglichkeiten „moderner Verkehrslogistik“ auszuloten.

„Es werden Erwartungen geweckt“, sagte Stadtrat Werner Henn (SPD). Individualverkehr, geregelt über die Stadtwerke, sei nicht Sinn der Sache, sondern eine einfache Gruppenbeförderung. „Das ALT ist umständlich.“ Güldner verwies abschließend darauf, dass solche On-Demand-Angebote auch gut mit dem Taxi-Gewerbe abgestimmt sein müssen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
21. März 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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