Modelleisenbahnen im Stadtmuseum Baden-Baden

Baden-Baden (BNN) – Im Stadtmuseum werden Kinderträume wahr: Dort verwandelt sich über die Osterfeiertage der Skulpturensaal in ein Spielzimmer für Modelleisenbahnfreunde.

Das macht Spaß: Heike Kronenwett und Walter Schmeiser beobachten fahrende Züge im Skulpturensaal des Stadtmuseums. Foto: Bernd Kamleitner

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Das macht Spaß: Heike Kronenwett und Walter Schmeiser beobachten fahrende Züge im Skulpturensaal des Stadtmuseums. Foto: Bernd Kamleitner

Der Skulpturensaal des Stadtmuseums in der Lichtentaler Allee wird über die Feiertage zum Spielzimmer. Vom heutigen Donnerstag bis einschließlich Ostermontag drehen dort Modelleisenbahnen ihre Runden.

Die Museumsleiterin ist begeistert: „Es fasziniert total, wenn es pfeift, zischt und raucht und viele kleine Details bewundert werden können“, sagt Heike Kronenwett beim Aufbau der Sonderschau.

Von den Anfängen der Römer über die mondänen Zeiten als Weltbad im 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart – das Spektrum im Stadtmuseum ist breit gefächert. Zur Dauerausstellung zählt zwar ein Modell des Alten Bahnhofs – im Original, dem heutigen Festspielhaus, fuhren noch bis 1977 die Züge der Stichbahn aus Oos ein –, eine Modellbahnanlage umfasst die Sammlung jedoch nicht. Die stellen nun die Märklinfreunde Hilpertsau-Obertsrot aus dem benachbarten Gernsbach über die Ostertage zur Verfügung. Das Baden-Badener-Bahnhofsmodell nimmt in der Leihgabe einen Ehrenplatz ein. An dessen Stelle steht in der Anlage ansonsten eine Miniaturausgabe des Bonner Bahnhofs.

Reben aus Wattestäbchen

Die neun Mitglieder des Vereins haben an ihrem Auftritt im Museum großen Spaß. „Es freut uns unheimlich, dass wir wieder mit unseren Anlagen spielen können“, betont Thomas Gelszeit. Die Einzelteile, Module mit einer Größe von 1,2 auf 0,6 Meter, sind ansonsten bis auf wenige Anlässe im Jahr eingelagert. 16 Module werden im Stadtmuseum präsentiert. Da gibt es allerhand zu bestaunen: Eine Gebirgslandschaft mit Blaskapelle, ein Bergwerk, fahrende Modellautos, eine Grubenbahn und sogar einen Weinberg haben die Modellbahnfreunde angelegt. Grundlage für die Rebenlandschaft der Marke Eigenbau sind eingefärbte Wattestäbchen. „Man muss nicht alles kaufen“, erläutert Modellbahn-Fan Walter Schmeiser.

Im Mittelpunkt stehen aber Züge im Maßstab H 0 (1:87). Modelle historischer Dampfloks rauschen an modernen ICE-Zügen vorbei. Auf den Gleisen fahren zudem Dieselloks und der Trans Europ Express (TEE). „Irgendwann will man mal zeigen, was man hat“, sagt Schmeiser, während er einen Güterzug mit 18 Waggons passieren lässt. „Daheim geht das nicht.“ Da reicht der Platz nur für eine kleine Anlage.

Von wegen angestaubtes Hobby: Die Steuerung von allem, was sich auf der etwa

20 Meter langen Anlage bewegt, erfolgt über modernste Digitaltechnik. Mit der entsprechenden Anwendung (App) werden Züge und Autos auch über Handy oder Tablet in Bewegung versetzt. Wer Fragen dazu hat, darf die Mitglieder der Märklin-Freunde vor Ort gerne ansprechen.

Baden-Badener Bahnhof aus Lego-Steinen

Die Idee für die Modellbahn Präsentation im Museum hatte Olaf Köpke. Der ehemalige Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Baden-Baden ist, man ahnt es, ebenfalls leidenschaftlicher Modelleisenbahn-Fan. Er steuert zur Sonderausstellung einen weiteren Hingucker bei: eine Anlage der Spur 1. Das entspricht dem Maßstab 1:32. Die steht bei ihm daheim ansonsten im Schrank. Seine Enkel Ori (14) und Noam (11) haben dafür einen Bahnhof aus Legosteinen gebaut – angelehnt an den Alten Bahnhof in der Kurstadt. Köpke ist schon als kleiner Junge vom Modellbahnvirus infiziert worden. Das Hobby fasziniert ihn bis heute. „Die Sorgen, die man mitbringt, sind nach einer Viertelstunde mit der Bahn verschwunden.“

Die Ausstellung sollte eigentlich schon zu Weihnachten präsentiert werden. Da funkte jedoch das Corona-Virus dazwischen. Jetzt soll die Sonderschau über die Osterfeiertage neues Publikum ins Haus an der berühmten Lichtentaler Allee spülen. Vergangenen Präsentationen zu Spielzeug oder Eisenbahn haben gezeigt, dass damit andere Zielgruppen als im regulären Betrieb erreicht werden, berichtet Museumschefin Kronenwett. Sie setzt darauf, dass Besucher auch in der Dauerausstellung vorbeischauen.

Im Jahr 2019 verzeichnet das Museum mit fast 11.000 Besuchern einen Rekordwert. Der Aufschwung setzte sich in den vergangenen beiden Jahren allerdings leider nicht fort. An den Exponaten lag das nicht: Ursache war die Corona-Pandemie.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
14. April 2022, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 03sec

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