Moderne Wohnungen hinter altem Fachwerk

Gernsbach (stj) – Scheuern ist Gernsbachs ältester und größter Stadtteil. Und der am stärksten wachsende. Neben zwei Neubaugebieten entstehen nun auch Wohnungen in einem denkmalgeschützten Bauernhaus.

Das alte Bauernhaus an der Scheuerner Straße, Ecke Schafhofweg wird denkmalgerecht saniert. Foto: Stephan Juch

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Das alte Bauernhaus an der Scheuerner Straße, Ecke Schafhofweg wird denkmalgerecht saniert. Foto: Stephan Juch

Es ist eins der ortsbildprägenden Gebäude, die den Stadtteil Scheuern ausmachen. Auf dem Weg hinauf zum „Sternen“ zieht das denkmalgeschützte Fachwerkhaus an der Ecke Schafhofweg die Blicke auf sich. Die letzten Bewohner des Anwesens sind weggezogen, es gehört jetzt der Baden-Badener Immobilienfirma Stenner & Frank. Sie möchte das imposante Fachwerkhaus denkmalgerecht sanieren und es mit bis zu acht Wohnungen ausstatten.

Man sei gerade dabei, den Bauantrag für die Kernsanierung vorzubereiten, sagt Geschäftsführer Bernd Frank im BT-Gespräch. Er geht davon aus, dass die Genehmigungsphase für das Projekt noch im September Fahrt aufnimmt. Neben dem Bauernhaus, in dem auf circa 450 m² sechs bis acht Wohnungen inklusive Einbauküchen, zum Teil mit Balkon, Terrassen und Pkw-Stellplätzen eingerichtet werden sollen, plant die Firma auf dem zugehörigen Gartengrundstück einen Neubau mit vier Wohnungen samt Tiefgaragenstellplätzen.

„Damit betreten wir ein Stück weit Neuland“, erläutert Frank. Denn die Kernkompetenz seines Unternehmens liege (und bleibe) in der Sanierung alter, historischer Gebäude. Wer sich ein Bild von der Arbeit Stenner & Franks machen möchte, kann dies in der Bleichstraße tun. Dort zeichnet die Firma für das Ensemble Bleichstraße 31 bis 35 (die früheren Verwaltungsgebäude der Firma Pfleiderer) sowie Bleichstraße 5 (ehemals Leder-Fischer) verantwortlich. Zudem ist das Unternehmen seit kurzem Besitzer der Brückenmühle, aus der in den nächsten zwei Jahren ein Mix aus Gewerbeeinheiten und Wohnungen gemacht werden soll.

„Zusammenarbeit mit der Stadt Gernsbach immer sehr fruchtbar“

Zurück nach Scheuern. Für das Vorhaben an der Scheuerner Straße, Ecke Schafhofweg sei es noch zu früh, über einen konkreten Zeitplan zu sprechen. Mit Problemen rechnet Bernd Frank indes nicht, sei doch die „Zusammenarbeit mit der Stadt Gernsbach und dem Bauamt immer sehr fruchtbar“. Nicht umsonst ist Stenner & Frank seit einigen Jahren verstärkt in der Papiermacherstadt aktiv. „Mir gefällt die Stadt einfach, das Umland ist schön und die Infrastruktur sehr, sehr gut für Investoren und Bewohner“, erläutert der Geschäftsführer.

Bei der Stadt Gernsbach betrachtet man die Pläne für das alte Bauernhaus und das insgesamt rund 1.200 m² große Areal in Scheuern positiv, wie Bauamtsleiter Jürgen Zimmerlin auf Anfrage betont. Das Projekt ist bisher noch nicht im Gemeinderat thematisiert worden, löse aber keine besonderen planerischen Erfordernisse aus, solange es sich in die Umgebungsbebauung einfügt. Das ist bei einer denkmalgerechten Sanierung der Fall, somit könne das Vorhaben seitens der Baurechtsbehörde genehmigt werden. Auch der Bau eines Doppelhauses auf dem zugehörigen Gartengrundstück scheint realistisch, so Zimmerlin.

Auch Tiny-Häuser werden in Gernsbach Thema

Auf der Internetpräsenz betont Stenner & Frank, offen zu sein für Ideen des Neubaus: „Hier stellen wir uns ein Doppelhaus, mehrere kleine Wohnungen oder sogar Tiny-Häuser vor“, heißt es dort. Mit einem Bebauungsplan extra für solche „Minihäuser“, die in den Höhenlagen von Rotensol und Neusatz entstehen sollen, hat zuletzt der Gemeinderat Bad Herrenalb Schlagzeilen gemacht.

In Gernsbach sieht man die Tiny-Häuser aber „noch nicht weit genug entwickelt“, wie Stadtbaumeister Jürgen Zimmerlin mitteilt. Allerdings wolle man das Thema in Zukunft ebenfalls aufgreifen.

Ältester und größter Stadtteil kriegt erheblichen Zuwachs

„Idyllisch gelegen und umschlossen von einer großartigen Natur – das ist Scheuern.“ So wird der älteste und mit knapp 2.000 Einwohnern größte Gernsbacher Stadtteil auf der städtischen Homepage charakterisiert. Das wird bald umgeschrieben werden müssen. Denn Scheuern kriegt auf absehbare Zeit erheblichen Zuwachs. Kein Stadtteil nimmt aktuell eine so rasante Entwicklung wie der einwohnerstärkste, der vor vier Jahren sein 750-jähriges Bestehen feierte. Gleich an mehreren Standorten laufen Projekte der Innenverdichtung. Das mit Abstand größte entsteht seit November 2018 in der Friedrichstraße. Im „Wohnpark am Sonnenrain“ sollen bald 122 neue Wohnungen bezugsfertig sein. Weitere neue Wohneinheiten kommen in der direkt nebenan befindlichen Villa Luise hinzu. Auch das Baugebiet „Gartenäcker“, das zwischen Scheuerner Straße und Alter Weinstraße bis zu zehn neuen Wohnhäusern Platz bietet, liegt in den letzten Zügen der Fertigstellung. Weitere Einzelmaßnahmen wie Baulückenerschließungen in der Heinrich-Langenbach-Straße, im Isemannweg, in der Lautenbacher Straße sowie in der Herrenwiesen- und in der Rehackerstraße runden das Baugeschehen in Scheuern ab. Der Verein „Dorfgemeinschaft 750 Jahre Scheuern“, der sich im Vorfeld des Jubiläumsfests gegründet hatte, rechnete bei seiner jüngsten Jahreshauptversammlung im Oktober vergangenen Jahres mit circa 300 Neubürgern, die es in die Dorfgemeinschaft zu integrieren gelte. Auch die Infrastruktur des Stadtteils muss mitwachsen – insbesondere die Grundschule und der Kindergarten, die sich auf viel Nachschub einstellen können.


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