Moderne zieht in alte Industrietempel ein

Forbach (stj) – Das Gewerbegebiet Breitwies rüstet sich für weitere Neuzugänge und schaltet eine eigene Internetpräsenz frei.

Die alten Holtzmann-Ruinen in der Breitwies entwickeln sich peu à peu zu einem schicken Gewerbegebiet. Foto: Stephan Juch

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Die alten Holtzmann-Ruinen in der Breitwies entwickeln sich peu à peu zu einem schicken Gewerbegebiet. Foto: Stephan Juch

Einige bezeichnen die alten Holtzmann-Industrietempel als Schandflecke, andere als Juwel. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Fakt ist, dass die Ruinen durchaus Potenzial haben, zum Juwel zu werden. Während Bestrebungen in diese Richtung in der Wolfsheck zuletzt einen Dämpfer erhalten haben, weil dafür vorgesehene Mittel aus dem Haushaltsplan gestrichen wurden, sind die Aussichten auf eine florierende Zukunft in der Breitwies wohl besser denn je – nicht zuletzt wegen des Einzugs schnellen Internets in die alten Gemäuer.

Dass die Moderne in der Fabrikstraße angekommen ist, davon zeugen die riesigen Kabeltrommeln, deren Glasfaserstränge (Backbone-Netz) derzeit unter die Erde gelegt werden. Das freut neben Metallbaumeister Andreas Mantei, dem „Pionier“ im Gewerbegebiet Breitwies, sieben weitere Unternehmen, die sich dort angesiedelt haben. Die Bandbreite reicht vom Palettenhersteller über Landschaftsbauer, Forstdienstleistungen, Brennholzverkauf, Wasserkraft, Brunnenbau, Abriss- und Baggerarbeiten, einem Spezialisten für Luftfederung im Kfz-Ersatzteilgeschäft bis hin zur Werbeagentur Finkbeiner. Letztere hat diese Woche eine eigene Internetpräsenz des Gewerbegebiets freigeschaltet.

Mehr als 50 Arbeitsplätze sind in der Breitwies inzwischen registriert – Tendenz steigend. Darüber (und natürlich einiges an Gewerbesteuer) kann sich die Gemeinde Forbach freuen. Zumal sich die Firmenansiedlungen in den zurückliegenden rund 25 Jahren größtenteils ohne kommunales Zutun entwickelt haben.

Beste Voraussetzungen für Start-ups geschaffen

Damals war es Mantei, der als einer der ersten den Schritt wagte, mit seiner Schlosserei dem geschichtsträchtigen Holtzmann-Areal auf Gemarkung Langenbrand neues Leben einzuhauchen. Gestartet als Ein-Mann-Betrieb, zählt er aktuell 20 Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende. Rund 40 Azubis haben inzwischen bei ihm die Gesellenprüfung abgelegt, so Mantei. Stück für Stück habe sich die Schlosserei modernisiert und immer wieder in den Standort investiert. Zuletzt seien am Firmensitz ein neuer Fahrstuhl und eine neue Kran-Anlage hinzugekommen, zudem werde kontinuierlich in Eigenregie die Gebäudesubstanz optimiert. Für Teile davon hat Mantei jüngst einen Umnutzungsantrag für Wohnungen gestellt, der vom Technischen Ausschuss des Forbacher Gemeinderats positiv beschieden wurde. Das freut den Unternehmer natürlich, insgesamt wünscht sich der Metallbaumeister aber mehr Unterstützung für die Breitwies.

Mantei bedauert es, dass sich die Kommunalpolitik in Forbach in den zurückliegenden Jahren sehr auf Wolfsheck konzentriert habe. Trotzdem tue sich am alten Stora-Enso-Werk seit Jahren nichts, während „die Breitwies lebt und atmet“. Immerhin erhält auch Wolfsheck im Zuge des aktuellen Breitbandausbaus durch den Landkreis Rastatt eine Anschlussmöglichkeit an das schnelle Internet, wie das Forbacher Rathaus auf BT-Anfrage mitteilt. Mantei spricht für seinen Betrieb davon, in der Gemeinde „alteingesessen, aber außen vor“ zu sein, und verweist darauf, dass die Unternehmer in der Breitwies „im Prinzip alles, was öffentliche Belange sind, selbst erledigen“ – Winterdienst und Straßenbeleuchtung zum Beispiel.

Und es werde weiter in die Infrastruktur an der Fabrikstraße investiert: Aus Eigenmitteln werde im Zuge der aktuellen Breitbandbaustelle die Straße ertüchtigt und der Gewerbepark in Zusammenarbeit mit der Netze BW mit einer 20-kV-Stromleitung versorgt. Diese soll künftig unter anderem Strom für mehrere E-Ladesäulen liefern. Ziel sei es, für die Mitarbeiter Elektrofahrzeuge zur Verfügung zu stellen, um auch dem Gedanken der Nachhaltigkeit Rechnung zu tragen, erklärt Mantei. Der Strom für die Schlosserei komme bereits größtenteils vom Dach beziehungsweise aus dem örtlichen Wasserkraftwerk. Zusammen mit dem nun erfolgenden Breitbandausbau würden also beste Voraussetzungen geschaffen für die Ansiedlung von Start-up-Unternehmen, entsprechende Gespräche bezüglich weiterer gewerblicher Nutzungen in der Breitwies gebe es bereits.

„In Pandemie-Zeiten bist du bei uns sowieso besser aufgehoben als in Karlsruhe“, lächelt der Metallbaumeister über einen weiteren Vorteil des landschaftlich reizvollen Gewerbeparks, der über den Stadtbahnhaltepunkt Au im Murgtal auch über öffentliche Verkehrsmittel gut zu erreichen sei. Nicht zuletzt würden sich einige der industriehistorisch seltenen und wertvollen Holtzmann-Gebäude für die touristische Vermarktung eignen, ist Mantei überzeugt. Er verweist auf Hunderte Radfahrer, die an guten Sommertagen über die Tour de Murg an der Breitwies vorbeikommen. Beispiele, wie man dies für sich nutzen könne, gebe es genug. Diesbezüglich müsste aber die Gemeinde aktiv werden – etwa in Form eines Leaderprojekts oder Ähnlichem, meint Mantei.

Weitere Infos im Internet unter: www.gewerbegebiet-breitwies.de.

Mit dem Breitbandausbau sieht „Pionier“ Andreas Mantei weiteres Entwicklungspotenzial. Foto: Stephan Juch

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Mit dem Breitbandausbau sieht „Pionier“ Andreas Mantei weiteres Entwicklungspotenzial. Foto: Stephan Juch

Durch das Backbone-Netz und den Anschluss des Gewerbegebiets ans schnelle Internet könnte die Fabrikstraße für junge Start-ups noch interessanter werden. Foto: Stephan Juch

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Durch das Backbone-Netz und den Anschluss des Gewerbegebiets ans schnelle Internet könnte die Fabrikstraße für junge Start-ups noch interessanter werden. Foto: Stephan Juch

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
26. März 2021, 10:38 Uhr
Lesedauer:
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