„Mönchs Posthotel“ vor Wiederbelebung

Bad Herrenalb (sj) – „Mönchs Posthotel“ in zentraler Lage Bad Herrenalbs ist eins der ältesten Gasthäuser in Südwestdeutschland. Jetzt könnte der 20 Jahre währende Leerstand bald beendet werden.

Das historisch bedeutsame Gebäude prägt seit Jahrhunderten den Ortsmittelpunkt der Kurstadt Bad Herrenalb. Foto: Stefan Jehle

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Das historisch bedeutsame Gebäude prägt seit Jahrhunderten den Ortsmittelpunkt der Kurstadt Bad Herrenalb. Foto: Stefan Jehle

„Herein, herein, ihr lieben Gest, wer Geld hat, ist der aller Best“, steht in goldfarbenen, versal geschriebenen Lettern über dem Türbogen, der einst der Eingang war in ein Sterne-Restaurant. Zu lesen ist auch die Jahreszahl 1739. Auf einem Mauerstein, knapp daneben, die Zahl 1585. Das Haus strahlt Geschichte aus. Mehr als 20 Jahre lang steht das traditionsreiche „Mönchs Posthotel“ im Zentrum von Bad Herrenalb leer, wird aber wohl bald mit neuem Leben erfüllt sein.

Erstmals Ende Juni hatte sich der Technische Ausschuss des Gemeinderats der Stadt mit der Anfrage eines Investors befasst. Der will das historisch bedeutsame Gebäude, das seit Jahrhunderten den Ortsmittelpunkt der Kurstadt prägt, übernehmen. Konkret beraten werden soll das nun in öffentlicher Gemeinderatssitzung am 28. Juli, bestätigt ein Sprecher der Stadtverwaltung. Bei dem Interessenten handelt es sich um die alteingesessene Handwerkerfamilie Waidner aus Bad Herrenalb, deren Firmensitz gerade mal rund 300 Meter vom Hotel entfernt liegt.

Nach dem Weltkrieg wurde es zum Gourmetrestaurant

Das Hotel ist eins der ältesten Gasthäuser in Südwestdeutschland, mit einer Geschichte, die in den Anfängen zurück führt bis ins zwölfte Jahrhundert. In früheren Jahrhunderten war es Haltestation für Postkutschen. Um 1860 kam es in Besitz der Familie Mönch. Nach dem Weltkrieg wurde es zum Gourmetrestaurant. Die Küche war 28 Jahre lang mit einen Stern des „Guide Michelin“ dekoriert, auch Spitzenkoch Harald Wohlfahrt machte hier während seiner Lehrzeit Station. Im Jahr 2000 verstarb der letzte Besitzer, Hubert Mönch. Der Tod lastete als schlechtes Omen auf dem Haus.

Zuletzt hatte sich ein Trio russischer Investorinnen am Erhalt und der Neubelebung des Hauses versucht. Viele Millionen – die Rede ist von Summen jenseits der zehn Millionen Euro – flossen in den vergangenen Jahren in das Gemäuer.

Auch Spitzenkoch Harald Wohlfahrt machte hier Station

Dann kam die Ukraine-Krise: Seitdem wurde es extrem schwierig, größere Mengen Geld für Investitionen von Russland nach Deutschland zu transferieren. Gemanagt wurden die Bauarbeiten von einer Sankt Petersburger Bauingenieurin, welche die Leitung der Gesellschaft „Posthotel und SPA Bad Herrenalb GmbH“ mit Sitz in Baden-Baden innehatte. Doch 2015 ist alles versiegt, die Arbeiten ruhten. „Mit den russischen Eigentümern sind wir uns einig“, ließ der Seniorchef des Handwerksunternehmens Waidner jetzt wissen. Der Sprecher des Rathauses, Christian Siebje, bestätigt die Gespräche mit den Investoren. Die Renovierungsarbeiten bis zum Jahr 2015 standen bereits kurz vor dem Abschluss. Die neuaufgetretene Investorenfamilie will die bisherigen Hotelzimmer in Wohnungen umwandeln, und plant auch eine Erweiterung mit zwei Mehrfamilienhäusern mit 30 bis 40 Wohneinheiten und einer Tiefgarage auf der Fläche direkt hinter dem Hotel in Richtung Kloster.

Investor will Hotelzimmer in Wohnungen umwandeln

Ein Hotelbetrieb wie früher, so sagen auch Fachleute, lasse sich in der Kurstadt mit den 36 Zimmern „wirtschaftlich nicht darstellen“. Das Restaurant mit Küche könnte, so heißt es jetzt, bereits in den nächsten drei Monaten wiedereröffnet werden.

Das bestätigt auch der Sprecher der Stadt. „Angesichts der historischen und Identität stiftenden Bedeutung des Mönchs Posthotels begrüßt die Verwaltung diese Entwicklung außerordentlich. Mit dem Konzept der Firma Waidner würde nicht nur der 20 Jahre andauernde Leerstand beendet werden, es würden zudem Wohnungen und Geschäftsräume entstehen, die Bad Herrenalb als stetig wachsende Kommune dringend benötigt“, sagt Bad Herrenalbs Pressesprecher Christian Siebje.


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