Mordversuch gegen Ex: Fahrlehrer vor Gericht

Baden-Baden (up) – Ein 76-Jähriger soll mit seinem Jeep den Wagen einer 42-Jährigen mehrmals gerammt haben, um die Frau zu töten. Jetzt steht er wegen versuchten Mordes vor Gericht.

Anklage Mordversuch: Vor dem Landgericht muss sich ein Fahrlehrer verantworten.  Foto: Ulrich Philipp

© up

Anklage Mordversuch: Vor dem Landgericht muss sich ein Fahrlehrer verantworten. Foto: Ulrich Philipp

Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichtes hat am Dienstag die Verhandlung gegen einen Fahrlehrer wegen versuchten Mordes begonnen. Oberstaatsanwalt Michael Leber wirft dem 76-Jährigen vor, er habe mit seinem Jeep mehrmals den Wagen seiner Ex-Lebensgefährtin gerammt, um die Frau zu töten.

Körperlich hat die 42 Jahre alte Frau den Angriff ihres früheren Partners gut überstanden. Ein Schleudertrauma und mehrere Prellungen waren nach wenigen Wochen fast vergessen, nicht geheilt sind aber bis heute die psychischen Folgen. Seit der Attacke leidet die Frau an Angstzuständen mit dramatischen beruflichen Folgen: Die früher selbstständige Hausverwalterin und Gesellschafterin einer Fahrschule ist heute als Reinigungskraft beschäftigt. Mehr als eineinhalb Jahre nach der Tat leidet die Mutter eines Sohnes noch immer unter Schlafstörungen: „Ich habe ständig Angst und keine Kraft mehr“, erklärte sie bei ihrer Befragung durch Richter Stefan Schmid. „Wenn ich auf dem Balkon stehe, denke ich immer, vielleicht ist er da, hinter einem Busch, mit einem Gewehr und das war es dann“, schilderte sie ihre Verfassung. Und dem Mann, der während der Attacke neben ihr auf dem Beifahrersitz saß, geht es ähnlich. „Etwa einen Monat nach dem Vorfall bekam ich Schlafstörungen und nehme jetzt Schlaftabletten“, sagte er im Zeugenstand. „Meinen Beruf als Fahrlehrer habe ich inzwischen aufgegeben“.

Dramatischer Vorfall in Sinzheimer Straße

Am ersten von vier Verhandlungstagen stand die Biografie des Angeklagten im Mittelpunkt einer mehrstündigen Befragung. Demnach gaben ihn seine Eltern – der Vater Chefarzt in einem Stuttgarter Krankenhaus, seine Mutter Krankenschwester – in die Obhut der Großeltern, bei denen er aufwuchs. Später wurde er Berufssoldat und bildete Panzerfahrer aus. 2018 starb seine Ehefrau, die er in den letzten Monaten ihres Lebens gepflegt hatte. „Sie ist in meinen Armen gestorben“, berichtete er.

Und obwohl er in Alpirsbach lebte, nahm er eine Stelle als Fahrlehrer in Baden-Baden an. Hier traf er auf seine spätere Lebensgefährtin, die bei ihm das Motorradfahren lernte. Irgendwann verliebten sich die beiden ineinander, auch wenn der Angeklagte die ersten Wochen ihres Kennenlernens vollkommen unromantisch schilderte: „Sie hat damals jemanden gesucht, der ihre Mutter heiratet, damit sie in Deutschland bleiben kann“, berichtete er. Erst, nachdem die Mutter nach Russland abgeschoben worden war, kam man sich näher und er zog bei ihr ein. Das Duo gründete eine Fahrschule, wobei sie die alleinige Gesellschafterin einer GmbH wurde und er die Aufgaben eines Geschäftsführers übernahm. Beide brachten mehrere Zehntausend Euro in das Unternehmen mit ein, wobei die Frau auch Kredite aufnahm. Die ersten Wochen des gemeinsamen Lebens verliefen offensichtlich relativ harmonisch, doch bereits nach wenigen Monaten gab es immer öfters Streit. Von einem Nachbarn habe er erfahren, dass seine Lebensgefährtin zwei Mal verheiratet gewesen sei, was sie ihm verschwiegen habe, so der Angeklagte. Die Situation wurde offensichtlich für beide zunehmend unerträglicher, bis die Frau ihm schließlich kündigte und ihn aus der Wohnung warf.

Am 29. August 2020 kam es schließlich zu dem dramatischen Vorfall. Gegen 18 Uhr kam der 76-Jährige zur gemeinsamen Fahrschule in der Rheinstraße. Dort traf er auf seine frühere Lebensgefährtin, die einen Fahrlehrer aus Duisburg zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen hatte. Die Frau wimmelte ihren ehemaligen Partner jedoch ab und fuhr mit ihrem Gast in die Sinzheimer Straße, wo sie in der Garage einer Wohnanlage Motorräder untergebracht hatte.

Im Hof der Anlage traf der Angeklagte dann auf seine Opfer. Dreimal rammte er den BMW der Frau, der offenbar um mehr als die Fahrzeugbreite an eine Mauer geschoben wurde. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.