Moritz Veith aus Neuweier ist Kammersieger

Von BT-Redakteur Franz Vollmer

Baden-Baden (fvo) – Der mit dem Stahl tanzt: Moritz Veith ist erster Kammersieger als Metallbauer. Für seinen Chef Andreas Feurer ist er „wie Sechser im Lotto“.

Moritz Veith aus Neuweier ist Kammersieger

„Ich kann ihm alle Arbeiten anvertrauen“: Moritz Veith und Chef Andreas Feurer prüfen Geländerpfosten auf die Winkligkeit. Foto: Franz Vollmer

Ein Sonntagsanzug ist nicht ratsam, wenn man Moritz Veith bei der Arbeit besuchen will, Schuhe mit Stahlkappen schon eher. Es hat ein bisschen was von Schwebebahn, wie er die schwere Magnetbohrmaschine am Kran bewegt, um Löcher in einen acht Meter langen Stahl-Winkel zu bohren.

„Das wird die Verstrebung für ein Balkongeländer“, erklärt der 24-jährige Metallbauer aus Neuweier, seit Januar Geselle bei der Firma Feurer. Adressat des Teils: ein Neubau im Mirabellenweg. Daneben wartet ein Dutzend Geländerpfosten aus Baustahl auf den finalen Check. Aus dem Radio tönt Musik, durch die großen Fenster dringt helles Tageslicht. 120 Quadratmeter hat die kleine Werkstatthalle in der Jagdhausstraße, auf der das Wohngebäude des Eigentümers errichtet wurde. Sie versprüht echten Hinterhofcharme. „Das war früher mal Hühnerhof und Garten“, erzählt Firmeninhaber Andreas Feurer. Vier Angestellte hat der Familienbetrieb, inklusive Ehefrau Johanna, die das Büro schmeißt. Hauptkunde ist das Klinikum Mittelbaden: Wartung, Instandhaltung, Kleinreparaturen. Ansonsten hat man vom Vordach bis zur Müllbox und Türschließmechanismus einiges im Portfolio, Edelstahlverarbeitung sowieso. Markisen laufen weniger in Zeiten der Hobbyheimwerker, kunstvolle Schmiedegitter ebenso. Zwar habe man noch eine Esse, doch die Technik sei einfach zu zeitaufwendig, sagt der Chef. Auch eine alte Drehbank schmollt in der Ecke vor sich hin, die Fräse wird eher benutzt. Am meisten gebraucht wird allerdings der Vorzeigegeselle, vor allem seit er erster Kammersieger als Metallbauer Konstruktionstechnik wurde.

Eine Geschichte, die streng genommen bei den Volleyballern des SC Baden-Baden beginnt, wo Feurer zusammen mit Veiths Vater mal Oberliga spielte. Da Sohnemann nicht ganz schlüssig war, wo die Reise nach der Realschule Bühl, Bufdi-Zeit und zwei Jahren Rheumaklinik hingeht, stand Papa Veith eines Tages vor der Tür und fragte, ob nicht eine Lehrstelle frei sei. War sie. Dreieinhalb Jahre später ist Moritz Veith Leistungsträger. „Für uns war das, wie ein Sechser im Lotto“, schwärmt Feurer heute. Fachlicher Nachwuchs nicht selbstverständlich. „Die meisten satteln um“, erzählt der Vater der Ehrenamtsbeauftragten Ricarda Feurer, werden Poolbauer, träumen vom Job in der Schweiz oder auf der Bohrinsel.

Und was zeichnet ihn nun aus, den Musterknaben? „Er hat eine sehr gute Auffassungsgabe, arbeitet sehr genau. Ich kann ihm eigentlich alle Arbeiten anvertrauen“, so der 64-Jährige, seit 1992 im Prüfungsausschuss der IHK-Innung für Metall-Technik und nebst Berufsfindungsausschuss seit drei Jahren Obermeister. Die „Meisterleistung“ hat Veith ohnehin schon absolviert: ein Balkon für einen Onkel mit allen Schikanen: runde und eckige Elemente, diverse Höhenniveaus, komplett in Eigenregie. „Das hat alles so perfekt gepasst, da war ich selbst erstaunt“, so Veith. „Ich habe nur das Material besorgt“, bestätigt Feurer.

Tage der Schlosserei Feurer sind gezählt

Das Talent kommt nicht von Ungefähr, bei einem Vater, der Technik an der Theodor-Heuss-Schule unterrichtet und ein Erdhügelhaus selbst konstruiert hat. Schon mit neun Jahren hat Junior spaßeshalber Prüfungen nachgemacht, „und das zum Teil schneller als die Lehrlinge“, berichtet Veith. Vor allem beim Schweißen, wo es viel Erfahrung und Gefühl braucht, macht der lange Schlaks eine gute Figur.

„Das macht mir auch am meisten Spaß“, sagt Veith, der eigentlich beste Volleyballstatur hätte. Doch mit Sport hat er weniger am Hut. Sein Hobby kommt auf vier Rädern daher, ein roter Opel Astra mit einer 10.000-Watt-Soundmaschine: fünf Batterien, 15 Lautsprecher, digitaler Soundprozessor – damit kann man die Karosserie zum Tanzen bringen. Auch das Zweithobby hat mit tougher Musik zu tun. So ist Veith Mitorganisator von „Sotekkxo“, einem Open-Air-Festival in Mühlhofen, wo man stets Mitte August 300 Techno-/Rock-Fans erwartet. Privat ist er auch in Holz und Elektrik unterwegs. Wobei Stahlarbeiten in der heimischen Holzwerkstatt tabu sind.

„Für dieses Jahr sind wir ausgelastet.“

Die Vorschusslorbeeren riechen streng nach einer Meisterprüfung. „Mit dem Gedanken spiele ich schon seit zwei Jahren“, gesteht Veith, es sei aber aktuell kein Thema. Den Betrieb übernehmen, wäre auch eine Idee. Doch die Tage der Schlosserei Feurer sind leider gezählt, sagt der Chef selbst. An der Auftragslage liegt dies nicht. „Für dieses Jahr sind wir ausgelastet.“ Auch die Arbeitszeiten (7.30 bis 16 Uhr) sind human. Das Kardinalproblem ist eher die Lage mitten im Wohngebiet, was logistisch immer eine Herausforderung darstellt. „Für mich geht das alles noch, ich zahle ja keine Miete, aber sonst wäre es schwer, hier auf einen grünen Zweig kommen“, so Feurer, der den 1930 vom Großvater gegründeten Betrieb 1992 übernommen hat. Auch die Nachwuchsfindung ist hartes Brot. „Als ich anfing, hatten wir 30 Azubis im Bezirk, heute sind es sieben“, so Feurer. Und statt einer Handvoll Bewerber auf eine Ausbildungsstelle ist man heute schon froh um überhaupt einen Kandidaten.

Was Veith nun noch fehlt zum Glück, ist die Lizenz als geprüfter Schweißer nach dem WIG-Verfahren (Wolfram-Inertgas), die nötigen Prüfungen will ihm sein Chef noch realisieren. Und was auch nicht schaden könnte, wäre ein besseres Image der Sparte. Die Kriterien sind zwar überschaubar (Hauptschulabschluss, technisches Verständnis und natürlich Dreisatz beherrschen), dennoch betont Veith mit Blick auf manch flapsigen Spruch seiner studierenden Exklassenkameraden: „Gerade im Handwerk braucht man Grips.“ Feurer selbst will übrigens nach der vermutlich 2023 geplanten Aufgabe nicht alles an den Nagel hängen, Kleinstreparaturen gehen auch als Rentner. Vielleicht halt nicht im Sonntagsanzug.

Zum ThemaErfolgreiche junge HandwerkerBeim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks werden jedes Jahr die besten Nachwuchshandwerker der Region gekürt. Und dieses Mal sticht hervor: Gleich sechs Unternehmen aus unserer Region können stolz darauf sein, erfolgreiche Auszubildende in handwerklichen Berufen in ihren Reihen zu haben. Beim Wettbewerb des Bezirks der Handwerkskammer Karlsruhe sind die jungen Leute ausgezeichnet worden, und dürfen sich als erster, zweiter oder dritter Kammersieger bezeichnen. An diesem Leistungswettbewerb können junge Handwerker teilnehmen, die zum Zeitpunkt der Prüfung das 28. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Außerdem müssen sie im praktischen Teil der Gesellenprüfung die Note gut erreicht haben, erläutert die Karlsruher Handwerkskammer. Das BT nimmt den diesjährigen Wettbewerb zum Anlass für eine kleine Serie, in der die ausgezeichneten Auszubildenden und ihre Firmen vorgestellt werden.