Müll mit allen Sinnen erforschen in Oberweier

Gaggenau (stn) – Auf der Entsorgungsanlage „Hintere Dollert“ in Oberweier wurde eine Umweltbildungsstation eröffnet. Dort lernen Kinder, Jugendliche und Erwachsene alles über Abfall und Upcycling.

Denis Machein vom Abfallwirtschaftsbetrieb hat beim Müllfriedhof eine alte Plastikflasche ausgegraben. Foto: Nora Strupp

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Denis Machein vom Abfallwirtschaftsbetrieb hat beim Müllfriedhof eine alte Plastikflasche ausgegraben. Foto: Nora Strupp

Dass viele defekte Elektrogeräte nicht gleich entsorgt, sondern stattdessen repariert oder wiederverwertet werden können, zeigt auf spielerische Art und Weise die neue Umweltbildungsstation des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Rastatt (AWB). Anhand von 15 Stationen werden dort Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene für das Thema Abfallvermeidung und -verwertung sowie Upcycling sensibilisiert.

Die Umweltbildungsstation, die in Kooperation mit der Energieagentur Mittelbaden entstanden ist, befindet sich auf der Entsorgungsanlage „Hintere Dollert“ in Gaggenau-Oberweier – direkt neben dem Abfallberg. In einer Art Rundgang lernen Kindergartengruppen und Schulklassen dort alles zum sorgsamen Umgang mit Müll, dem Stoffkreislauf und den Ressourcen. Vier Kategorien führen praxisnah und anschaulich durch die Themengebiete „Abfall entdecken“, „Abfalluntersuchung“, „Abfall vermeiden“ und „Klimaschutz“.

Blick durchs Mikroskop

Der Barfußpfad: Schuhe aus, Socken aus – und schon kann es losgehen: Wie fühlen sich Holz, Kies, alte Autoreifen und Kork an? Beim Barfußpfad lernt man die Unterschiede zwischen organischen Materialien und Abfällen kennen.

Der Müllfriedhof: Wie lange überdauert eine Plastikflasche in der Natur, wenn man sie achtlos in den Wald wirft? Eine Antwort auf diese Frage gibt der Müllfriedhof. An dieser Station sind mehrere Mülltonnen im Boden vergraben. Darin befinden sich Erde und diverse Abfälle. Mit einer Schaufel kann man diesen Müll ausbuddeln und vergleichen, wie sich die Gegenstände mit der Zeit verändern.

Der Kompost: Am Beispiel des Komposts lernen die Teilnehmer, dass alle Abfälle in einen Kreislauf übergehen. So werden beispielsweise heruntergefallene Blätter im Wald zu fruchtbarem Boden. Durch eine Plexiglasscheibe sieht man, wie sich der Kompost verändert. Unter dem Mikroskop wird außerdem untersucht, ob etwas passiert, wenn Mikroplastik zugeführt wird.

Die Fühltonne: Hinter den Fühltonnen verbergen sich verschiedene Abfälle. Die Kinder müssen in die Tonnen hineingreifen und erraten, um welchen Müll es sich handelt und ob dieser in der richtigen Tonne liegt.

Wie viel Abfall produziert eine Familie?

Littering: An dieser Müllsammelstation schnappt man sich eine Kneifzange und einen Eimer und sammelt verstreuten Müll auf. Dabei wird von fachkundigen Experten erklärt, wie gefährlich in der Natur entsorgte Abfälle sind.

Abfalltrennung: Der an der „Littering“-Station eingesammelte Müll wird jetzt gemeinsam gesichtet und den richtigen Mülltonnen zugeordnet, um so mehr Klarheit darüber zu erlangen, was in die Restmüll-, die Papier- oder Gelbe Tonne gehört.

Abfallwaage: Bei dieser Station wird der zuvor sortierte Müll an die Abfallwaage gehängt. Die Teilnehmer müssen nun schätzen, wie schwer die eingesammelten Abfälle sind und wie viel Abfall eine Familie am Tag produziert.

Mikroplastik: An einem kleinen Teich werden Kinder und Jugendliche zu Laboranten. Unter einem Mikroskop vergleichen sie das im Teich naturbelassene Wasser mit solchem, das mit Mikroplastik verschmutzt ist.

Isabella Bennewitz vom AWB zeigt den Unterschied zwischen naturbelassenem Wasser in einem Teich und Wasser, das mit Mikroplastik versetzt ist. Foto: Nora Strupp

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Isabella Bennewitz vom AWB zeigt den Unterschied zwischen naturbelassenem Wasser in einem Teich und Wasser, das mit Mikroplastik versetzt ist. Foto: Nora Strupp

Abfall vermeiden: Wie kann man Müll vermeiden? Welche effektiven und einfache Alternativen gibt es zu Plastikprodukten? All das lernt man an dieser Station.

Papierschöpfen: Am Beispiel des Papierschöpfens lernt man, wie einfach es sein kann, aus alten Dingen Neues herzustellen.

Upcycling: Vermeintlich alte Dinge wie etwa eine Waschmaschine müssen nicht weggeworfen werden, sondern können eine neue Aufgabe erhalten oder repariert werden. Die Teilnehmer dürfen genau das tun: alte, nicht genutzte Tassen bemalen und an den Zaun hängen. Diese werden so zur schicken Dekoration.

Energiefahrrad: Mit dem Energiefahrrad kann jeder erfahren, wie viel Kraft man in die Pedale stecken muss, um Energie zu erzeugen. Zudem wird der Unterschied zwischen einer herkömmlichen Glühbirne und einer LED-Lampe erläutert.

Essen kochen mit einem Koffer

Ökologischer Fußabdruck: Ernährung, Konsum, Energie und Mobilität – all das erzeugt einen ökologischen Fußabdruck. Wie groß dieser bei einem selbst ist, findet man an dieser Station heraus – und auch, wie er sich mit einfachen Mitteln verringern lässt.

Der Solarkocher: Kann man mit einem Koffer kochen? Das geht. Wie genau, zeigt der Solarkocher. Die Sonneneinstrahlung wird durch den Boden, die Wände und dunkle Kochtöpfe in Wärme umgewandelt. Die Teilnehmer kochen so ihr eigenes Mittagessen. Diese Station ist derzeit noch in Planung.

Solarstation: Das Labor, das die Kinder schon in vorherigen Stationen kennengelernt haben, verbirgt sich in einem umfunktionierten Container des Wiegemeisters. Auf dem Dach des Containers wird bis 2022 eine Solaranlage installiert. Teilnehmer können dann herausfinden, wie viel Energie man mit Solarpaneelen tatsächlich gewinnen kann.

Anmeldung: Kindergartengruppen und Schulklassen, die die Umweltbildungsstation gerne besuchen möchten, können sich beim AWB per E-Mail an awb@landkreis-rastatt.de anmelden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
8. August 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 12sec

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