Mülldeponie: Bühl und Stollhofen kommen infrage

Bühl/Rheinmünster (sga) – „Wir wussten von nichts“: Die Standortfrage für eine Mülldeponie hat in Bühl und Stollhofen für Verärgerung gesorgt.

Eine Fläche nahe des Chemieparks Rheinmünster könnte infrage kommen. Foto: Bernhard Margull

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Eine Fläche nahe des Chemieparks Rheinmünster könnte infrage kommen. Foto: Bernhard Margull

Es schlug ein wie eine Bombe: Nachdem die Mülldeponie in Gaggenau-Oberweier für die Ablagerung von PFC-haltigem Erdaushub vom Tisch zu sein scheint, sind drei weitere Standorte ins Rennen gebracht worden: zwei Flächen in Stollhofen und eine in Bühl. Spruchreif ist allerdings noch nichts, und auch von einer hochgegangenen Bombe kann laut Michael Janke, Pressesprecher des Landkreises, nicht die Rede sein.

Dunkle Rauchschwaden hat die neue Nachricht trotzdem hinterlassen – zumindest im Bühler Rathaus. „Wir können keine Angaben dazu machen“, antwortet Pressesprecher Matthias Buschert gestern auf BT-Anfrage. Nicht, weil man sich nicht äußern wolle, „sondern weil wir bis heute gar nichts davon wussten“. Dass bei der Frage nach einem neuen Standort für die Mülldeponie nun auch Bühl eine Rolle zu spielen scheint, habe die Rathausspitze selbst erst gestern durch einen Artikel im Badischen Tagblatt erfahren.

„Wir hätten uns Kommunikation gewünscht“

„Wir hätten uns in dieser Sache definitiv eine Kommunikation seitens der Abfallwirtschaftsbetriebe gewünscht“, fügt Buschert sichtlich verärgert hinzu. Dennoch sagt er: „Prinzipiell sehen wir diesem Verfahren offen entgegen.“ Auch, weil aktuell ja noch absolut nichts fest stehe und das Areal nördlich der Anschlussstelle Bühl Nord am westlichen Rand der A5 nur als Eventualität erwähnt wurde.

Auch für Janke gibt es aktuell noch keinen Diskussionsbedarf. Immerhin sei derzeit noch „überhaupt nichts spruchreif“, es handele sich bei den drei Standorten lediglich um Gebiete, die prinzipiell infrage kommen könnten. Und „auch, wenn viele hier nur das Wort PFC sehen wollen“, sei der Ausgangspunkt ein ganz anderer gewesen: Ursprünglich sei es bei der Standortsuche darum gegangen, mehr Platz für Bodenaushub und Bauschutt der Deponieklasse 1, „also Hausmüll“, zu finden.

PFC spielt auch eine Rolle

Grundsätzlich wäre das in Oberweier auch weiterhin durch eine „Deponie auf der Deponie“ möglich. Doch die Machbarkeitsstudie habe eben auf eventuell mit PFC belastetes Material hingewiesen, und das muss ja schließlich auch irgendwo hin. Laut Janke machen Bühl und Stollhofen deshalb mehr Sinn, weil dort bereits eine PFC-Belastung vorliegt. Außerdem sei Oberweier ein Wasserschutzgebiet.

Doch auch, wenn die Rückfrage beim Landratsamt für etwas Besänftigung sorgen könnte: Der Qualm ist schon längst in Richtung Stollhofen gezogen. Dort könnten entweder das 450 Meter nordöstlich von Dow Chemical gelegene Gebiet oder die rund 400 Meter südwestlich von der Südgrenze des Freizeitcenters Oberrhein liegende Fläche eine Rolle spielen.

„Regionale Solidarität darf keine Einbahnstraße sein“

Rheinmünsters Bürgermeister Helmut Pautler wusste durch Blick auf die Sitzungsunterlagen zwar schon, dass „es Gemeinden aus dem Landkreis treffen kann“. Doch auch seine Begeisterung hält sich in Grenzen: „Ich werde den Mitgliedern des Gemeinderats empfehlen, sich in dieser Sache durch ein fachlich geeignetes Anwaltsbüro vertreten zu lassen.“ Zudem habe sich die Gemeinde in der Vergangenheit als „überaus solidarisch“ gezeigt.

Nicht nur die Einrichtung der Hochwasserschutzeinrichtung, durch die am Ende nahezu 500 Hektar Land abgetreten worden mussten, habe Solidarität bewiesen. Auch der Baden-Airpark sei nur möglich gewesen, weil insbesondere Rheinmünster entsprechende Ausgangsflächen zur Verfügung gestellt habe. Für Pautler ist das keine Frage gewesen: „Diese Einschränkungen von uns kommen anderen zugute.“ Seine Meinung vertritt er daher klar: „Die regionale Solidarität darf keine Einbahnstraße sein.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
2. Juli 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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