Müllgebühren steigen im Schnitt um 21 Prozent

Rastatt (ema) – Der Landkreis reagiert auf geschmolzene Rücklagen, höhere Kosten und wegbrechende Verwertungserlöse. Die Müllgebühren steigen zum 1. Januar.

Die Zeiten der stabilen oder gar sinkenden Müllgebühren im Landkreis Rastatt sind erst mal vorbei. Foto: av

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Die Zeiten der stabilen oder gar sinkenden Müllgebühren im Landkreis Rastatt sind erst mal vorbei. Foto: av

Die Zeiten der stabilen oder gar sinkenden Müllgebühren im Landkreis sind erst mal vorbei. Ab 1. Januar wird der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) für die Leerung der Rest- und Bioabfallbehälter durchschnittlich 21 Prozent mehr kassieren. Auf diesen Empfehlungsbeschluss für den Kreistag hat sich der Betriebsausschuss bei drei Enthaltungen verständigt. So kostet beispielsweise die Grundgebühr für den 60-Liter-Restabfallbehälter 44,40 Euro statt 36,60; für die 60-Liter-Biotonne wird eine Jahresgebühr von 46,80 statt bislang 38,40 Euro fällig. Die Leerungsgebühr kostet dann 2,45 statt 2,05 Euro bei der grauen 60-Liter-Tonne. Stärker zur Kasse gebeten werden auch die Selbstanlieferer. So steigt die Gebühr bei einem Volumen bis zu einem halben Kubikmeter von 12,50 auf 15 Euro. Zu einer neuen Gebührenstruktur sieht sich der AWB auch deshalb gezwungen, weil er neue Vorgaben der Mess- und Eichverordnung umsetzen muss.

Die kaufmännische AWB-Leiterin Claudia Gärtner begründete die Gebührenerhöhung vor allem mit drei Entwicklungen, auf die man reagieren müsse: Das Rücklagenpolster aus den Gebührenüberschüssen ist in den vergangenen Jahren deutlich abgeschmolzen, sodass im kommenden Haushalt nur noch 240 000 Euro entnommen werden können. Zum Vergleich: Vor drei Jahren war der Sparstrumpf noch mit vier Millionen Euro gefüllt. Zu Buche schlagen für den AWB außerdem erhebliche Kostensteigerungen bei Entsorgungs- und Verwertungsleistungen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Verwertung von Wertstoffen deutlich weniger einbringt, was sich besonders drastisch beim Altpapier zeigt. Bei der grünen Tonne rechnet der AWB mit Erlösen von nur noch 880 000 Euro, nachdem man im laufenden Jahr noch mit 1,4 Millionen Euro kalkuliert hatte. Der Landkreis rechnet für den AWB im kommenden Jahr mit einer Steigerung der Ausgaben für die Abfallentsorgung von 15,9 auf 17,6 Millionen Euro.

Müllmenge steigt

Coronabedingt erwartet der AWB im kommenden Jahr eine weiter steigende Menge an Müllaufkommen. Bereits jetzt habe man bei der Verbrennungsanlage im südbadischen Eschbach Zusatzkontingente gebucht, berichtete Claudia Gärtner. Durch Homeoffice, Kurzarbeit und eingeschränkte Freizeitaktivitäten verbringen die Bürger mehr Zeit zu Hause. Allein beim Haus- und Geschäftsmüll rechnet der AWB im kommenden Jahr mit einem Wachstum um 400 auf 15 200 Tonnen.

Im Wirtschaftsplan 2021 stechen der Umzug des AWB vom Schlossplatz in die sanierte Lyzeumstraße 23 sowie die Planungen für einen dritten Wertstoffhof hervor. Außerdem rückt die Deponie Oberweier in den Blick. Die Umweltbildungsstation soll in Betrieb gehen und die Sickerwassereinrichtung optimiert werden. Besonders im Fokus steht der Suchlauf für eine PFC-Deponie in der Region. Am Ratstisch wurde auf ein offenes und transparentes Verfahren gedrängt. Die CDU plädierte dafür, die bislang erwogene Summe von 1,2 Millionen Euro für eine Erweiterung in Oberweier mit Blick auf die neue Entwicklung zu reduzieren.

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Erstellt:
9. Dezember 2020, 11:00 Uhr
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