Müllsammelaktion im Murgvorland

Gaggenau (agdp) – Das Ehepaar Kratzmann sorgt für saubere Wege. Beim Spazieren im Murgvorland sammeln sie mit Greifzangen Müll auf. Auch Vereine und Schulen sollen für die Idee erwärmt werden.

Müllsammelaktion im Murgvorland

Mit Greifzangen immer einsatzbereit: Wenn Babsie und Andreas Kratzmann Abfall sammeln, kommen schnell einige volle Tüten zusammen. Foto: Alex Berbega

Coffee-to-go-Becher, Flachmänner, Scherben, Einwegmasken, gebrauchte Babywindeln, Papierschnipsel. Was so alles in Büschen, auf Wiesen und Wegen liegen bleibt, sei erschreckend, meint Andreas Kratzmann und macht jetzt Nägel mit Köpfen.

„Alle reden vom Umweltschutz. Aber keiner tut was.“ Also fasste er den Entschluss, selbst Hand anzulegen. Zumindest in seinem Geviert. Seit er mit dieser Erkenntnis ins neue Jahr startete, nehmen Ehefrau Babsie und er beim Flanieren im Murgvorland immer eine Greifzange und Tüten mit. „Das ist unser persönliches Umweltprojekt“, findet er, dass jeder etwas tun kann.

Mit der richtigen Ausstattung sei das auch gar nicht so übel. „Das macht sogar Spaß“, erzählt er von Passanten, die spontan ihre Begeisterung für die Aktion zeigen. „Manche sagen sogar, dass sie mithelfen würden, wenn sie so eine Zange wie wir hätten.“ Ohne ein solches Werkzeug sei es schon ein wenig eklig, wenn man den Wohlstandsmüll anderer beseitige. Also hat Andreas eine ganze Reihe dieser einfachen Hilfsmittel organisiert.

„Wir wollen nicht meckern, sondern ermuntern“

Als Marketingleiter des FV Bad Rotenfels will er diesen Geist, den er praktiziert, auch weiter in seinen Verein hineintragen. Zwei- bis dreimal jährlich sollen die Jugendspieler zur Mithilfe rund um den eigenen Sportplatz ermuntert werden. Denn „Vom Winde verweht“ bekommt eine völlig neue Bedeutung, wenn man mit wachen Augen durch die Landschaft geht. Waldwege, Kurpark, das Umfeld entlang des Zubringers und selbst die Hecken von Wohnanlagen und Firmen sehen zuweilen ganz schön fies aus.

„Wir wollen nicht meckern, sondern ermuntern.“ Deshalb postet seine Frau Babsie die Erfolge der gemeinsamen Aktionen zuweilen auf Facebook und erntet mächtig viele „Likes“ für die vollen Müllsäcke, die sie am Ende eines Spaziergangs nach Hause tragen. Auch das ist ein Problem. Denn wer kommt für die Entsorgung des Drecks auf? „Wir haben bereits Gespräche mit Oberbürgermeister Christof Florus geführt und hoffen, dass wir da zu einem Ergebnis kommen.“ Genau diese ungeklärte Frage wirke auf viele abschreckend. Eine Lösung müsse her. Einfach die Augen zu verschließen, während sich Vögel und andere Tiere an dem Müll zu schaffen machen und jede Menge Mikroplastik Stück für Stück die Nahrungskette durchdringt, das könne die Lösung nicht sein.

Unmengen von Zigarettenkippen und Folien der Packungen schwirren umher. Dem muss Einhalt geboten werden. „Also werden wir weiter sammeln. Zumindest noch bis Jahresende.“ Dann will er Bilanz ziehen und neu entscheiden, wie es weitergehen soll. Wenn alles gut läuft, könnte die Sache ja auf durchaus fruchtbaren Boden fallen. Denn er macht nicht nur im eigenen Verein Werbung, wo er federführend die Aktivitäten in Sachen Müll steuern möchte. Obendrein will er weitere Vereine in den Nachbargemeinden bis nach Freudenstadt für die Idee erwärmen. Denn jedes Stück, das eingesammelt wird, helfe. „Ich sehe da noch sehr viel Arbeit auf uns zukommen.“ Doch wenn viele im Kleinen aktiv würden, könnte man gemeinsam allerhand erreichen, ist er überzeugt.

Auch bei Festen soll auf Nachhaltigkeit geachtet werden

Genau wie im eigenen Verein, der künftig auch auf Festen intensiv auf Nachhaltigkeit achten werde, möchte er den Gedanken auch in Schulen tragen. Dafür will er das Gespräch mit den Leitern suchen und würde sich freuen, wenn er dabei mitwirken könnte, die Schüler für das Thema zu sensibilisieren.

Ganz entscheidend wird für den Erfolg des Projekts die Klärung der Entsorgungsfrage sein. „Und die Zangen“, würde sich Babsie wünschen, dass man mehr über die Zurverfügungstellung nachdenkt. „Ich bin überzeugt davon, wenn man diese überall kurzzeitig entleihen könnte, würde so mancher spontan helfen zu sammeln.“ Doch wie man das realisieren könnte, damit ist auch sie im Moment noch überfragt. „Aber vielleicht fällt uns auch dafür eine Lösung ein.“ Zu tun gebe es in den nächsten Monaten noch allerhand. Die Kratzmanns bleiben dran.