Muggensturm: Anwohnerunmut über Chemie-Lagerung

Muggensturm (sl) – Die in Muggensturm ansässige Tensid-Chemie GmbH beantragt beim Regierungspräsidium eine erweiterte Lagerhaltung für Biozide. Im Ort ist nicht jeder begeistert über dieses Vorhaben.

Baulich soll sich bei Tensid in der Muggensturmer Heinkelstraße nichts ändern. Bestehende Kapazitäten will man ausnutzen.  Foto: Frank Vetter

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Baulich soll sich bei Tensid in der Muggensturmer Heinkelstraße nichts ändern. Bestehende Kapazitäten will man ausnutzen. Foto: Frank Vetter

Desinfektionsmittel stehen gerade in Pandemiezeiten wie diesen hoch im Kurs. Aber nicht jeder möchte eine Produktionsstätte solcher chemischer Helfer im Alltag, für Industrie und Landwirtschaft in seiner Nachbarschaft haben, wie sich jetzt herausstellt. Gegen Pläne der Tensid-Chemie GmbH in der Muggensturmer Heinkelstraße formiert sich jedenfalls Anwohnerunmut im Internet. Und auch dem Regierungspräsidium Karlsruhe liegen bereits Einwendungen gegen das Vorhaben vor.

Die Tensid-Chemie GmbH betreibt an ihrem Standort Muggensturm eine Anlage zur Herstellung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln für die Getränke- und Nahrungsmittelindustrie sowie für die Milch- und Landwirtschaft. Die Produkte kommen auch in der Gastronomie und für die Wasserbehandlung zum Einsatz, heißt es im Antrag des Unternehmens an das Regierungspräsidium.

Die Firma möchte demnach die Kapazität der bestehenden Mischanlage zur Herstellung von Bioziden auf über fünf Tonnen pro Tag erhöhen. Infolgedessen beantragt die Firma eine Erhöhung der Lagermengen an Roh- und Hilfsstoffen sowie an Produkten, wie es das Bundesimmissionsschutzgesetz fordert. Ferner bedingen aus Sicht der GmbH auch die Verzögerung von Lieferketten und mögliche Produktionsausweitungen im Rahmen von Pandemiebekämpfungen eine Erhöhung der Lagermenge, um die Versorgung mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sicherzustellen.

Keine baulichen Maßnahmen nötig

Das Hochregallager sowie das Leergebindelager am Standort Muggensturm seien bereits als eine Anlage zur Lagerung von gefährlichen Stoffen bis 190 Tonnen genehmigt.

Innerhalb der Anlage zur Herstellung von Bioziden werde Abluft an die Atmosphäre abgegeben. Die Abluft werde im Luftwäscher gereinigt. Grenzwerte würden, auch bei ungünstigsten Emissionsbedingungen, dabei nicht überschritten. Im Rahmen des Vorhabens rechnet das Unternehmen auch mit einer geringen Erhöhung des Lkw-Aufkommens. Bauliche Änderungen von Anlagen oder technischer Ausstattung seien im Rahmen des Vorhabens nicht geplant. Es erfolge lediglich eine erhöhte Auslastung der bereits vorhandenen Mischanlage. Daher seien auch keine sonstigen Emissionen wie Erschütterungen, elektromagnetische Felder oder Licht zu befürchten. Mit mehr Lärmbelastung sei ebenfalls nicht zu rechnen.

Die Lagerung soll innerhalb der bestehenden Gebäudekomplexe erfolgen. Natur, Boden und Landschaft würden nicht nachteilig beeinflusst. Es entstünden keine Nebenprodukte und keine Abfälle, lediglich Spülwasser, das in der betriebseigenen Abwasserbehandlungsanlage gemäß wasserrechtlicher Genehmigung behandelt und dann an die öffentliche Kanalisation abgegeben werde.

Einwendungen von Bürgern

Im Rahmen des förmlichen Genehmigungsverfahrens lagen die Antragsunterlagen bereits im Muggensturmer Rathaus öffentlich aus. Wie die Pressesprecherin des Regierungspräsidiums, Irene Feilhauer, dem BT auf Nachfrage mitteilte, sind gegen das Vorhaben bereits Einwendungen von Bürgern eingegangen. „Diese beruhen im Wesentlichen darauf, dass mit der Erhöhung der Lagermengen im Betrieb weitere Gefahren von der Firma ausgehen würden“, erklärt sie. Die Offenlage müsse allerdings wegen eines Formfehlers wiederholt werden. Die neue Bekanntmachung soll auf der Website des Regierungspräsidiums eingestellt werden. Daran schließt sich eine weitere Offenlage von einem Monat an. Im Regierungspräsidium rechnet man mit weiteren Einwendungen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
14. September 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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