Muggensturm plant Mahnmal für NS-Opfer

Muggensturm (as) – Einen zentralen Gedenkplatz für alle Opfer des NS-Regimes plant die Gemeinde Muggensturm auf dem Fliederplatz. Sie initiiert ein eigenes Mahnmal, statt Stolpersteine zu verlegen.

Der Fliederplatz in der Wilhelmstraße soll zentraler Gedenkort werden. Dort will Muggensturm mit weiteren Mahnmalen die Erinnerung an NS-Opfer wachhalten. Foto: Frank Vetter

© fuv

Der Fliederplatz in der Wilhelmstraße soll zentraler Gedenkort werden. Dort will Muggensturm mit weiteren Mahnmalen die Erinnerung an NS-Opfer wachhalten. Foto: Frank Vetter

Die Erinnerung wach zu halten an während des NS-Regimes deportierte Juden, diesem Ansinnen fühlt sich auch Muggensturm verpflichtet. Dennoch lässt der Gemeinderat mit seiner Entscheidung am Montagabend offen, ob man sich auch am Projekt Stolpersteine beteiligen wird. Vielmehr ist ein eigenes Erinnerungsprojekt geplant.
Im Bereich der ehemaligen Synagoge soll ein Kunstobjekt aufgestellt werden, auf dem die Namen aller Muggensturmer Opfer des NS-Regimes verewigt werden – und nicht nur die der deportierten Juden. Der Kreativkreis soll Gestaltungsvorschläge machen.

Eigenes Projekt initiieren

Dabei lehnt Muggensturm das Projekt Stolpersteine, das Franz König angeregt hatte, nicht grundsätzlich ab. Es ist vielmehr so, dass laut Recherchen das Ehepaar Heimann die einzigen Muggensturmer Juden waren, die nach Gurs deportiert wurden, wie Bürgermeister Dietmar Späth in der Ratssitzung am Montagabend erläuterte. Der Mann starb im Holocaust, seine Frau überlebte und lebte später in Karlsruhe, wie in der Sitzungsvorlage ausgeführt wird. Somit gäbe es in Muggensturm nur einen einzigen Stolperstein, wenn man sich an diesem Projekt des Künstlers Gunter Demning beteiligen würde.

Arbeitskreis will sich gründen

Späth schlug daher vor, das Thema weiter zu fassen und ein eigenes Projekt zu initiieren. Denn es sind weitere jüdische Familien bekannt, die infolge der Umstände schon nach 1933 auswanderten, wie Winfriede Fuchs (SPD) ausführte. Das ist auch nachzulesen im Historischen Lesebuch „Tradition durch Erinnerung. Die Geschichte von Muggensturm“, das die Gemeinde im Verlag Regionalkultur herausgegeben hat. Autor Dr. Christian Jung beschäftigt sich darin in einem Kapitel auch intensiv mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Muggensturm, die das Badische Tagblatt 2019 in Auszügen veröffentlicht hat.

Weitere Opfer des NS-Regimes

Daraus geht ebenfalls hervor, dass es weitere Opfer des nationalsozialistischen Regimes aus Muggensturm gab, die denunziert, verfolgt, gefoltert und getötet wurden. Derer ebenfalls zu gedenken, sei auch das Ansinnen von Franz König, betonte Fuchs. Sie informierte zudem darüber, dass geplant ist, einen Arbeitskreis zu gründen, der sich mit der Thematik „Opfer des NS-Regimes“ beschäftigen will.

Aufgestellt werden soll das Objekt – möglich wäre auch eine Gedenktafel – dann auf dem Fliederplatz in der Wilhelmstraße. Dort erinnert seit 2008 bereits ein Gedenkstein an die ehemalige Muggensturmer Synagoge (ein Schuppen auf dem Gelände der heutigen Esso-Tankstelle, der 1973 abgerissen wurde) und die kleine jüdische Gemeinde. Sie war bereits zum 1. Januar 1913 aufgelöst worden; die noch in Muggensturm lebenden Juden wurden der Israelitischen Gemeinde Rastatt zugewiesen.

Zentraler Gedenkplatz

Auf dem Fliederplatz soll auch das 2019 von einer Konfirmandengruppe der evangelischen Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit dem Kreativkreis Muggensturm erarbeitete Mahnmal aufgestellt werden, das an die Deportation der badischen Juden ins Konzentrationslager Gurs erinnern soll. Coronabedingt sei das bislang noch nicht erfolgt, erklärte Hauptamtsleiter Claus Gerstner auf BT-Anfrage. „Wir hätten dann dort einen zentralen Gedenkplatz gegen das Vergessen“, warb der Bürgermeister im Gemeinderat für diese Idee.

Birgitta Haller-Müller (CDU) sprach sich dafür aus, beides zu machen: Einen Stolperstein in Erinnerung an das Ehepaar Heimann vor dem Anwesen Schafhofstraße 1 zu verlegen und ein eigenes Mahnmal in Auftrag zu geben. Nach kurzer Diskussion beantragte Joachim Schneider (CDU), das Thema Stolpersteine zurückzustellen. Damit würde man sich nicht verbauen, eventuell zu einem späteren Zeitpunkt an diesem Projekt teilzunehmen. Einstimmig entschied sich der Gemeinderat für dieses Vorgehen. Die Verwaltung wird nun den Kreativkreis mit Entwürfen für ein Mahnmal beauftragen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

Zum Artikel

Erstellt:
10. Juni 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.