Murg-Carrée: Der „Leuchtturm“ steht

Rastatt (ema) – Das Murg-Carrée der Baugenossenschaft Gartenstadt ist vollendet. 25,5 Millionen Euro wurden in die Nachverdichtung investiert.

Nachverdichtung im Zay: Sieben Gebäude sind im Murg-Carrée entstanden. Foto: Willi Walter

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Nachverdichtung im Zay: Sieben Gebäude sind im Murg-Carrée entstanden. Foto: Willi Walter

Als endlich, vor fast genau fünf Jahren, der symbolische Spatenstich gesetzt wurde, sprach Oliver Krause von einem „Leuchtturm-Projekt“: Der Geschäftsführer der Baugenossenschaft Gartenstadt hatte lange für die Innenbebauung des Murg-Carrées gekämpft. Jetzt ist die 25,5 Millionen Euro teure Nachverdichtung abgeschlossen. „Ich hör nur Positives“, zeigt sich Krause zufrieden.
Das konnte man während der Planungsphase nicht gerade behaupten. Als Krause im Herbst 2012 bei der Gartenstadt als Geschäftsführer anheuerte, dauerte es nicht lange, bis er auf die Notwendigkeit des Neubaugeschäfts der Genossen drängte. Mit der Gründung einer Bauträgergesellschaft schlug er einen neuen Weg ein, um durch den Verkauf von Wohnungen das Kerngeschäft der Gartenstadt – Vermietung zu bezahlbaren Preisen und laufende Sanierung des Bestands – zu finanzieren.

Es war also eine Premiere, und „es hat funktioniert“, sagt Krause. Sieben Gebäude sind entstanden über einer Tiefgarage mit 180 Plätzen. Von 87 Wohnungen wurden alle verkauft bis auf drei, die die Genossenschaft als Mietobjekte in den eigenen Bestand nahm. Dort wohnen heute jene Mieter, die einst im Gebäude mit der Geschäftsstelle lebten, das abgerissen wurde

Grünkonzept im Visier

Krause musste sich damals einige Kritik anhören. Das Projekt zwischen Zeughaus-, Carl-Schurz-, Kinkelstraße und Am Gedenkstein passe nicht ins Zay; die Wohnqualität in den Häusern am Rande des Carrées sinke, und schließlich schmerzte manche der Verlust der Gärten im Innenbereich. Obendrein war das Vorhaben nicht gerade mit leichter Hand zu stemmen. Im Baugrund schlummerten Festungsreste, dem hohen Grundwasserstand musste man Paroli bieten. Die Überbleibsel der Festungszeit haben Archäologen dokumentiert, bevor sie geräumt wurden. Mit einer Ausnahme: Teile eines Brunnens will Krause für die Nachwelt erhalten. Noch liegen sie im Lager, sollen aber vermutlich auf dem Spielplatz einen Standort zur Erinnerung erhalten.

Ohnehin will der Gartenstadt-Geschäftsführer jetzt noch das Außengelände ins Visier nehmen. Gemeinsam mit der Flächenagentur Baden-Württemberg GmbH und dem Naturschutzbund NABU strebt Krause einen Entwicklungsplan für alle Grünflächen der Baugenossenschaft an, um durch Bepflanzungen mit Sträuchern, Bäumen und Blumen nicht nur für Vögel und Insekten etwas zu tun, sondern auch das Mikroklima zu verbessern. „Das ist in unserem ureigensten Interesse“, sagt Krause, der „überrascht“ ist, dass selbst auf dem nachverdichteten Murg-Carrée einiges möglich sei, um Grünflächen zu entwickeln. Parallel lässt die Gartenstadt untersuchen, auf welchen Dächern der Baugenossenschaft Fotovoltaikanlagen installiert werden.

Derweil hält Krause Ausschau nach neuen Projekten für die Bauträgergesellschaft. „Rastatt ist schwierig“, sieht er in der Barockstadt aktuell kein Potenzial. Allenfalls auf dem Merzeau-Gelände im Süden könnet er sich vorstellen, dass die Gartenstadt-Tochtergesellschaft als Investor in einigen Jahren auftritt. Bis dahin sucht der Geschäftsführer das Gespräch in den Umlandgemeinden, unter anderem Bischweier, Bietigheim und Muggensturm. Überall dort, wo Neubaugebiete entstehen, könnte sich Krause vorstellen, die Gartenstadt ins Spiel zu bringen.


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