Murgtal, Mittelalter, Macht und Menschen

Murgtal (ueb) – Mit „Der Ring des Kaisers“ hat die in Gernsbach lebende Historikerin Dr. Cornelia Renger-Zorn einen spannenden und fundierten historischen Roman veröffentlicht.

Cornelia Renger-Zorn mit ihrem neuen Buch „Der Ring des Kaisers“. Er lässt die Zeit des Hochmittelalters im Murgtal in vielen Facetten lebendig werden. Foto: Dagmar Uebel

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Cornelia Renger-Zorn mit ihrem neuen Buch „Der Ring des Kaisers“. Er lässt die Zeit des Hochmittelalters im Murgtal in vielen Facetten lebendig werden. Foto: Dagmar Uebel

Die Geschichte spielt vor mehr als 950 Jahren in der Zeit des europäischen Mittelalters. Historische Tatsachen und bewegende Schicksale von Menschen des Murgtals werden darin lebendig.

Ein Phänomen, dass in unserer sich zur Schnelllebigkeit bekennenden Zeit das Interesse an Themen vergangener Jahrhunderte nicht totzukriegen ist. Es scheint sogar, dass es in den vergangenen Jahren nicht nur in der Literaturszene noch zugenommen hat.

In dieses breite Spektrum fügt sich Dr. Cornelia Renger-Zorns Roman „Der Ring des Kaisers“ ein. Ein außergewöhnliches Werk, das packende Handlung mit historischem Tiefgang und lokalen Zügen verbindet. Ein Roman, der Geschichte erhellt und dabei Mythen zugleich feiert und aufdeckt.

Dabei wird der Leser schnell feststellen, dass sich die meisten der damaligen Probleme glücklicherweise von heutigen in ihrer Auswirkung unterscheiden: rücksichtsloses Machtbestreben über alle Grenzen hinweg ganz oben, Abhängigkeit und Rechtlosigkeit der kleinen Leute. Aber er wird beim Lesen auch viele Parallelen zum Heute entdecken.

Renger-Zorns Roman spielt vor mehr als 950 Jahren in der Zeit des europäischen Mittelalters mit all seinen noch heute wirksamen Umwälzungen. In ihm verbindet die Autorin Lokalhistorie des Nordschwarzwalds mit der großen Reichspolitik zur Zeit des Investiturstreits. Dabei bilden Machtkämpfe des Adels und der Kirchenobersten das Handlungsgerüst.

Personen sind zum großen Teil authentisch

Dennoch gelingt es Renger-Zorn, mit der lebendigen Schilderung bewegender Schicksale der damaligen Bewohner des Murgtals diese Zeit dem Leser nahezubringen. Und diese unterscheidet sich in Teilen kaum von heute, wenn es etwa um Liebe, Eifersucht und Familie geht. Denn das menschliche Leben als solches kommt in „Der Ring des Kaisers“ keinesfalls zu kurz, bedeutet mehr als ein schmückendes Sahnehäubchen.

„Die Personen sind zum großen Teil authentisch“ schreibt die Autorin, und weiter: „Ihr Wirken an den Schauplätzen am Oberrhein (Worms, Speyer, Ladenburg), Italien (Canossa, Mantua, Verona, Piacenza) und im Murgtal (Michelbach, Rotenfels, Kuppenheim) ist historisch belegt.“

Die Romanhandlung beginnt im Jahre 1069 in Worms. König Heinrich IV. muss um seinen Thron bangen. Das Bestreben des späteren Kaisers des römisch-deutschen Reiches, staatliche und kirchliche Herrschaftsgewalt bei sich zu vereinen, bringt Reichsfürsten und Päpste gleichermaßen gegen ihn auf. Im Murgtal konkurrieren die Herren von Michelbach und die von Eberstein um die Macht. Der beginnende Kampf zwischen Kaiser und Papst zieht auch den Nordschwarzwald in Mitleidenschaft. Werinhard von Michelbach gründet den Ort Gernsbach, doch im Murgtal brodelt es. Dass der Teufel umgehe, glaubt die Bevölkerung nach einem bestialischen Mord im Wald von Rotenfels. Als zudem noch ein fanatischer Wanderprediger zu einem blutigen Kreuzzug gegen die Juden am Rhein aufruft, spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Liebe und ein dunkles Geheimnis

Und auch Heinrichs ungewöhnliche Liebe zur jüdischen Ärztin Mirjam und ein dunkles Geheimnis tragen dazu bei, dass die königliche Herrschaft weiter untergraben wird.

Auf 392 Seiten kann der Leser, von Kapitel zu Kapitel, in das Denken und Fühlen der Menschen des hohen Mittelalters eintauchen, Einblicke in historische Kämpfe und legendäre Ereignisse gewinnen, und, quasi ganz nebenbei, umwälzende historische Entwicklungen miterleben.

Der Roman „Der Ring des Kaisers“ ist informativ und unterhaltsam, bis zum Schluss spannend, detailreich und bunt sind die Schilderungen. Aus sicherer Distanz ist vieles nachvollziehbar, obwohl thematisch so weit weg von all dem, was uns Gegenwartsmenschen so umtreibt. Und das ist vielleicht eine Erklärung für die Renaissance historischer Literatur.

Dr. Cornelia Renger-Zorn ist in München geboren, hat Jura, Geschichte und klassische Philologie studiert und wurde 1984 promoviert, Sie schrieb 2011 ein Buch über die Ebersteiner und wirkte an Büchern der Regionalgeschichte mit. Auch das Badische Tagblatt bereichert sie immer wieder mit fundierten und lesenswerten Beiträgen. Weiterer Beitrag zu Cornelia Renger-Zorn.

Und so ganz nebenbei verfasst die Gernsbacherin Theaterstücke, organisiert Stadtführungen mit Szenenspiel und schlüpft aus gegebenem Anlass auch gerne mal in mittelalterliche Kleidung. Mit schützendem Umhang bekleidet, auf dem Kopf ein breitkrempiger Hut, Signalhorn und Laterne umhängend, eine Hellebarde in der Hand, erklärt sie bei Stadtrundgängen aus der Sicht einer Nachtwächterin mittelalterliches Leben und Treiben in Gernsbach.

„Der Ring des Kaisers“, erschienen im Verlag Regionalkultur, ISBN 978-3-95505-285-0, 392 Seiten, 16.90 Euro.


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