Murgtal: Schafe „ohne vernünftigen Grund“ getötet?

Gernsbach (tom) – Wie sind acht erwachsene Schafe zu Tode gekommen? Das Amtsgericht Gernsbach befasst sich mit widersprüchlichen Aussagen eines Hobby-Tierhalters zu einer möglichen Straftat.

Schafe werden im Murgtal auch von einer Reihe von Hobby-Schäfern gehalten. Symbolfoto: Thomas Senger

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Schafe werden im Murgtal auch von einer Reihe von Hobby-Schäfern gehalten. Symbolfoto: Thomas Senger

Den Schafen einfach beim Fressen zugucken, so einfach ist es nicht mit der Hobby-Schäferei. Diese Erfahrung musste auch ein Murgtäler machen. Vor dem Amtsgericht Gernsbach wird sein Fall verhandelt: Er soll im Mai 2019 acht seiner Alt-Tiere auf der Weide in Gernsbach ohne vernünftigen Grund zu Tode gebracht haben. Dies wäre eine Straftat nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes und könnte mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden.

Gegen einen entsprechenden Strafbefehl hatte der Schafhalter Widerspruch eingelegt, somit kam es zur Verhandlung. Diese konnte nicht abgeschlossen werden, denn eine als Zeuge geladene Mitarbeiterin des Veterinäramts war nicht erschienen.

Somit steht nicht nur weiter der Vorhalt der widerrechtlichen Tötung von Wirbeltieren im Raum, sondern auch ein Widerspruch, den der Schafhalter selbst in die Welt gesetzt hat: Hatte er ursprünglich behauptet, dass die Tiere ohne Fremdeinwirkung gestorben seien, so sagte er später, gegenüber dem Veterinäramt, dass ein Bekannter die Tiere mit dem Schussgerät getötet habe. Denn sie hätten wegen Wurmbefalls nicht mehr gefressen.

Der Bekannte, ein ehemaliger Hobbyschäfer aus Gernsbach, war als Zeuge geladen und versicherte in der Verhandlung, er habe die Tiere keinesfalls getötet. Früher habe er dazu die Berechtigung gehabt, diese sei aber erloschen.

Wurmbefall schwächte den Bestand

Bei den acht toten Schafen sei es ein Befall mit dem Gedrehten Magenwurm gewesen, der die Tiere so geschwächt habe, dass sie starben, erläuterte der Schafhalter. Dieser Parasit ist weit verbreitet, gerade, wenn Tiere lange Standzeiten auf einer Weidefläche haben. Er kann aber tiermedizinisch bekämpft werden. Dies Entwurmungen habe er auch bei den anderen Tieren seiner Herde vorgenommen, betonte der Schäfer. Insgesamt 50 bis 60 Tiere umfasse seine Herde üblicherweise.

Todesfälle in seinem Bestand habe der Schäfer immer wieder zu beklagen gehabt, sagte Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch. Er trug aus der Statistik der Tierkörperbeseitigungsanstalt Neckar-Franken vor: Für 2018 und 2019 sind darin Anlieferungen von toten Tieren des Hobby-Schäfers im unteren zweistelligen Bereich dokumentiert. Dies sei durchaus bemerkenswert, so Koch; ähnlich habe sich auch das Veterinäramt geäußert. Doch der Schäfer entgegnete, dass bei Schafen „halt immer wieder mal was vorkommt“.

Nachdem der Versuch scheiterte, die ferngebliebene Zeugin telefonisch zu erreichen, lag es für Richter Koch nahe, einen zweiten Verhandlungstermin anzuberaumen. Ein Freisprechen oder eine Verurteilung des Schäfers seien nach derzeitiger Sachlage, auch wegen dessen widersprüchlicher Einlassungen, nicht möglich. Gegebenenfalls könne man über ein Einstellen des Verfahrens nachdenken. Doch nach kurzer Beratung wollten der Schäfer und sein Anwalt diesem Ansinnen nicht zustimmen. Am Dienstag, 6. April, soll somit erneut verhandelt werden. Richter Koch will vorher das Veterinäramt kontaktieren.

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BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
23. März 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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