Murgtal-Städte mit viel Steigerungspotenzial

Gaggenau/Gernsbach (stn) – Der Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs fällt für Gaggenau und Gernsbach ernüchternd aus. Beide Städte haben sich in der Bewertung verschlechtert.

Ein Radwegekonzept könnte in Gernsbach die Situation für Radfahrer verbessern. Foto: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

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Ein Radwegekonzept könnte in Gernsbach die Situation für Radfahrer verbessern. Foto: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Gernsbach rutschte mit seiner Note von 4,2 im Jahr 2018 auf 4,3 ab und Gaggenau sogar von 3,7 im Jahr 2018 auf nun 4,0.

„Natürlich hätten wir uns über ein besseres Ergebnis gefreut und vor allem auch darüber, wenn wir das Niveau hätten halten können von 2018 mit 3,7“, meint Judith Feuerer von der Pressestelle der Stadt Gaggenau. Landesweit belegt die Große Kreisstadt damit aktuell Platz 43 unter den 66 Städten mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.000 und 50.000.

Besonders bemängelt wurde, dass es keine Möglichkeiten gibt, ein Leihfahrrad zu mieten (Note 5,4). „Das gibt es tatsächlich in Gaggenau bislang nicht“, bestätigt Feuerer. „Aktuell laufen allerdings gemeinsam mit den Stadtwerken Gespräche mit Anbietern bezüglich einer Next Bike Station. Die Leihstation soll noch dieses Jahr realisiert werden.“ Gleichfalls steht in der Kritik, dass Falschparker auf Radwegen nicht kontrolliert werden (Note 4,8) sowie die Breite der Radwege und die Ampelschaltungen für Radfahrer (jeweils Note 4,6).

Wie man die Situation für Drahtesel-Nutzer weiter verbessern kann, darüber hat man sich im Rathaus schon Gedanken gemacht. Wie die Stadtpressestelle auf BT-Nachfrage informiert, sei für dieses Jahr noch der Radweglückenschluss im Bereich Schillerstraße in Planung. Zwei Fahrradstraßen sind in der Albrecht-Dürer-Straße sowie in der Amalienbergstraße bereits eingerichtet worden. Die beste Note erzielte Gaggenau dafür, dass Einbahnstraßen von Radfahrern in Gegenrichtung befahren werden dürfen (Note 2,7). Geschätzt wird zudem die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums (Note 2,7) und dass das Radfahren durch alle Generationen hinweg beliebt ist (Note 2,8). 116 Teilnehmer gaben in der aus 32 Fragen bestehenden Umfrage ihre Stimme ab.

Radwegekonzept noch nicht vorhanden

Gernsbach liegt landesweit in der aktuellen Fahrradklimatest-Umfrage auf Platz 69 unter den 74 Städten mit einer Einwohnerzahl unter 20.000. Dass es in dieser Hinsicht Verbesserungspotenzial gibt, ist der Stadtverwaltung bewusst. „Die Verkehrssituation für Radfahrerinnen und Radfahrer ist auch für uns als Stadt nicht zufriedenstellend“, erklärt Stadtpressesprecherin Nicoletta Arand.

Für Unmut bei Radfahrenden sorgt vor allem, dass es in Gernsbach keine Möglichkeiten gibt, ein Leihfahrrad zu mieten (Note 5,3). Wie Arand gegenüber dem BT erläutert, habe dies unter anderem finanzielle Gründe. „Die Vermietung von Leihfahrrädern ist eine aufwendige, kosten- und wartungsintensive Aufgabe, die zuletzt von dem Privatunternehmen ,Natourlich – Bike-Erlebnis-Schwarzwald‘ übernommen wurde.“ Zwischenzeitlich habe der Inhaber, Knut Wörner, den Leihservice jedoch aufgegeben. „Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn ein Unternehmen in Gernsbach künftig einen Radleihservice anbieten würde. Als Stadt können wir einen derartigen Service nicht anbieten“, informiert Arand.

Im Fahrradklima-Test 2020 wurde zudem bemängelt, dass in der Papiermacherstadt in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan worden sei (Note 5,2). Hierzu schreibt die Stadt Gernsbach: „Aufgrund der topografischen Lage und der engen Bebauung ist die Verbesserung der Radfahrsituation eine anspruchsvolle und langfristige Aufgabe. Die Stadt Gernsbach hat bereits Gespräche mit dem ADFC geführt. Gemeinsam sollen Lösungsvorschläge erarbeitet werden, um die Situation für Fahrradfahrer zu optimieren.“ Grundlegend stehe die Erstellung und die Umsetzung eines Radwegekonzepts für Gernsbach noch aus.

Kritik übten Radfahrende auch daran, dass die Stadt es ihrer Ansicht nach großzügig dulde, wenn Autofahrer auf Radwegen parken (Note 5,1).

Dies wird von Seiten des Rathauses jedoch dementiert. Angela Tomic, Leiterin des Ordnungsamts, teilt hierzu mit, dass alle Verstöße kontrolliert und geahndet werden und keine Zuwiderhandlungen wissentlich geduldet werden. „Leider zwingt die aktuelle Corona-Situation das Ordnungsamt dazu, sich intensiv mit den Corona-Verordnungen und den entsprechenden Kontrollen zu beschäftigen, sodass sich das Personal bedauerlicherweise nur sehr begrenzt den eigentlichen Aufgaben widmen kann, was unter anderem Engpässe bei den Verkehrskontrollen nach sich zieht.“ Wie Stadtbaumeister Jürgen Zimmerlin betont, hat die Stadt Gernsbach den Auftrag erkannt, die Situation für Radfahrer zu verbessern. „Leider hat hier mitunter auch Corona die Weiterentwicklung des Radwegekonzepts verzögert.“

Gut an kam laut Fahrradklima-Test hingegen, dass man in Gernsbach Fahrräder einfach und preiswert in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen kann (Note 3,2) und dass das Stadtzentrum gut zu erreichen ist (Note 3,3). Positiv wurde auch bewertet, dass sich nur selten Fahrraddiebstähle ereignen. 62 Leute nahmen an der Umfrage teil.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
11. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

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