Murgtal-Vereine starten Anti-Rassismus-Aktion

Weisenbach (rap) – Die Bundesligaprofis haben es vorgemacht, der Amateurfußball zieht nun nach: Der FC Weisenbach, FC Obertsrot und SV Forbach positionieren sich im Kampf gegen Rassismus klar und haben eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Klare Haltung: Die Spieler aus Weisenbach (oben), Obertsrot (Mitte) und Forbach lehnen Rassismus auf dem Platz und in der Gesellschaft ab. Fotos: FCW, FCO, SVF/BT-Repro

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Klare Haltung: Die Spieler aus Weisenbach (oben), Obertsrot (Mitte) und Forbach lehnen Rassismus auf dem Platz und in der Gesellschaft ab. Fotos: FCW, FCO, SVF/BT-Repro

Schalkes Weston McKennie zeigte seine Empörung und Anteilnahme mit einer Armbinde, auf der „Justice for George“ stand, Jadon Sancho von Erzrivale Borussia Dortmund entblößte nach einem Treffer ein T-Shirt mit derselben Botschaft und Gladbachs Marcus Thuram, der seine Tore sonst gerne mal mit dem Schwenken der Eckfahne feiert, ging in Gedenken an den US-Amerikaner George Floyd, der bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet wurde, geschichtsträchtig auf die Knie. Nun haben die Anti-Rassismus-Aktionen auch den Amateurfußball erreicht: Der FC Weisenbach, FC Obertsrot und SV Forbach haben ein gemeinsames Zeichen im Kampf gegen Rassismus gesetzt und eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Mit der Aktion „Nein zu Rassismus“ wollen die drei Murgtäler Vereine, trotz aller sportlicher Rivalität, sich einem übergeordneten Thema widmen und geschlossen dem gemeinsamen Gegner gegenüberstehen – dem Rassismus. Getreu dem Motto „Getrennt in den Farben, vereint in der Sache“. Dazu ließen sich die drei Vereine auf ihren jeweiligen Sportplätzen mit dem Schriftzug „Nein zu Rassismus“ fotografieren. Die Idee dazu hatte Daniel Gerstner, Mittelfeldspieler beim B-Ligisten FC Weisenbach. „Die Idee kam mir aufgrund der Vorfälle in den USA. Mich beschäftigt das Thema schon lange, ich bin politisch interessiert. Schon seit Jahren nimmt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu, es geht einfach in die falsche Richtung“, sagt der 28-Jährige. Daher war für Gerstner klar, dass „jetzt der richtige Zeitpunkt ist, etwas dagegen zu tun“.

„Wichtig, Botschaft auch im Murgtal anzusprechen“

Gerstner war es schlicht leid, immer nur Berichte darüber zu lesen oder im TV zu sehen. Der Hilpertsauer wollte selbst aktiv werden und auf das Thema aufmerksam machen. Und zwar vor Ort, mitten im Murgtal, die Menschen wachrütteln. „Es ist extrem wichtig, die Botschaft auch im Murgtal anzusprechen. Rassismus gibt es nicht nur in den USA und Berlin, sondern auch bei uns im Murgtal“, redet der FCW-Spieler Klartext. Also machte er sich auf den Weg, erste Anlaufstation: sein Kapitän Philipp Strobel. „Der war natürlich gleich davon angetan“, erinnert sich Gerstner. Wie auch die Mannschaft und der gesamte Verein. Doch das war Gerstner noch zu wenig, er wollte ein richtiges Signal setzen.

Also kontaktierte er die Nachbarvereine FC Obertsrot, bei dem er selbst mal in der ersten Mannschaft spielte, und den SV Forbach, wo er als Jugendtrainer in einer SG aktiv war. „Trotz aller sportlichen Auseinandersetzungen waren die beiden Vereine sofort im Boot“, sagt er. „Danach ging es ganz schnell. Wir vom FC Weisenbach haben zuerst die Bilder gemacht und sie dann weitergeschickt, damit der FCO und SVF sich daran orientieren konnten. Es sollte ja ein einheitliches Bild entstehen“, erklärt Gerstner. Eine Einheit, entschlossen gegen den Gegner Rassismus.

Doch nicht nur mit Plakaten wollen die drei Vereine die Aufmerksamkeit auf das wichtige Thema lenken, sondern auch mit einer Spendenaktion, die natürlich an eine Organisation geht, die sich dem Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus verschrieben hat – und zwar an den gewerkschaftlichen Verein „Mach‘ meinen Kumpel nicht an! – für Gleichbehandlung, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus e.V.“, auch bekannt als „Gelbe Hand“.

Gerstner hofft auf viele Nachahmer

Beim FCW spendeten etwa Spieler, deren Eltern, Großeltern und auch die AH-Truppe – bereits über 500 Euro. Auch die beiden anderen Murgtäler Vereine sind fleißig dabei, die Spendensumme in die Höhe zu treiben. Initiator Daniel Gerstner hat den gewerkschaftlichen Verein ganz bewusst ausgesucht, arbeitet doch mit Marco Jelic ein ehemaliger FCO-Spieler für die „Gelbe Hand“, zudem stammt deren Vorsitzender Giovanni Pollice aus Hilpertsau. „Ich kenne Marco schon seit Kindertagen, er kommt auch aus Hilpertsau. Das Engagement von ihm beeindruckt mich total. Daher sollte die Spende auch Anerkennung für Marcos Arbeit sein“, so der 28-Jährige.

„Dass junge Fußballer, gerade aus der Region, in der ich aufgewachsen bin, so ein Zeichen setzen, freut mich sehr und macht mich stolz!“, sagt Pollice und betont: „Es ist wichtig in diesen Zeiten, in denen wir eine weltweite Zunahme von Rassismus in vielen Lebensbereichen erleben, dass auch aus dem Amateursport die klare Botschaft kommt: ,Nein zu Rassismus‘. Das ist daher eine tolle Aktion der Spieler aus Weisenbach, Obertsrot und Forbach. Das zeigt, dass man bei aller gesunden sportlichen Rivalität gesellschaftlich an einem Strang zieht. Für die Spende sind wir sehr dankbar!“ Und auch Jelic ist „mega stolz“ auf die Jungs.

Am Sonntagabend ging die Aktion dann online – auf Instagram und Facebook. „Das Ziel ist, möglichst viele Menschen zu erreichen“, sagt Gerstner. Drei Vereine als Vorbild für viele andere? „Das wäre natürlich überragend, wenn sich weitere Vereine aus dem Murgtal oder dem Bezirk anschließen würden. Das wäre ein tolles Zeichen“, hofft er. Denn sportliche Rivalität dauert 90 Minuten, der Kampf gegen Rassismus weitaus länger.

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Erstellt:
17. Juni 2020, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

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