Wo Prinz Philip im Murgtal gerne weilte

Gaggenau/Gernsbach (wof/tom) – Verwandtschaftliche Beziehungen brachten den jüngst verstorbenen britischen Prinzgemahl mehrmals ins Murgtal, zum Beispiel auch nach Gaggenau.

Auch in der Villa Ruprecht in der Körnerstraße war Prinz Philip in den 1930er Jahren zu Gast. Foto: Lukas Gangl

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Auch in der Villa Ruprecht in der Körnerstraße war Prinz Philip in den 1930er Jahren zu Gast. Foto: Lukas Gangl

Die Beerdigung von Prinz Philip haben Millionen Menschen verfolgt. Dabei wurden auch im Murgtal Erinnerungen an den britischen Prinzgemahl wach. Schließlich war er einige Male hier zu Gast: so zu waidmännischen Anlässen auf dem Kaltenbronn oder im Jahre 1934 zu einer Visite in der Villa Ruprecht.

Informationen hierüber finden sich in den Stadtarchiven von Gaggenau und Gernsbach und im Kreisarchiv in Rastatt. Kreisarchivar Martin Walter bestätigt: „Nach einem Zeitungsbericht von 1965 war Prinz Philip im Sommer 1934 zu Gast in Gaggenau und besuchte dort das Benz-Werk. Daraufhin wurde er von Betriebsdirektor Müller in dessen Haus eingeladen.“

Prinz Philip (rechts) im Sommer 1934 im Garten der Villa Ruprecht. Weiter auf dem Bild: Günther Ditzel (links) sowie vorne Wolfgang Müller. In der Bildmitte der Sohn des damaligen Benz-Werkleiters von Jungenfeld. Foto: Kreisarchiv Rastatt

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Prinz Philip (rechts) im Sommer 1934 im Garten der Villa Ruprecht. Weiter auf dem Bild: Günther Ditzel (links) sowie vorne Wolfgang Müller. In der Bildmitte der Sohn des damaligen Benz-Werkleiters von Jungenfeld. Foto: Kreisarchiv Rastatt

Die Geschichte der Villa Ruprecht, eines der schönsten Gebäude in Gaggenau, würde alleine mehrere Zeitungsspalten füllen. 1925 wurde sie von Adolf Ruprecht erbaut; er war aber nur bis 1926 kaufmännischer Direktor des Benzwerks, ehe er in die neue Daimler-Benz-Konzernzentrale wechselte. In den folgenden Jahren diente die Villa als Domizil für Benzwerk-Direktoren, unter anderem für Karl-C. Müller. Dessen Sohn Wolfgang besuchte in den 1930er Jahren das Internat Schloss Salem, wie Heimatkundler Walter Fütterer weiß. Dort war auch Philip. Und so kam es im Sommer 1934 zum Besuch des damals 13-Jährigen Philip im Benzwerk und zum anschließenden Stelldichein in der Villa.

Besuch auf Schloss Eberstein

Bei der Beerdigung von Prinz Philip am vergangenen 17. April war auch Prinz Bernhard von Baden anwesend. Diese heute wenig bekannte verwandtschaftliche Beziehung brachte es mit sich, dass der Prinzgemahl der britischen Königin Elisabeth II. auch wiederholt am Kaltenbronn weilte.

Bernhard von Baden ist nämlich ein Enkel von Philips Schwester Theodora von Griechenland, die sich 1931 mit Markgraf Berthold von Baden vermählte, seit 1929 Chef des Hauses Baden. Dieser war übrigens seit 1950 Ehrenbürger von Obertsrot, weil er sich als Besitzer von Schloss Eberstein angesichts der steten Verbundenheit und des bewiesenen Wohlwollens um die Gemeinde verdient gemacht habe. „1964 war Prinz Philip wohl auf Schloss Eberstein“, berichtet Kreisarchivar Martin Walter.

Immer wieder auf dem Kaltenbronn

Nach der Revolution im November 1918, die den Sturz der deutschen Monarchien bedeutete, wurde im Mai 1919 ein Abfindungsvertrag zwischen der Republik Baden und dem Haus Baden geschlossen. Während sich Schloss Eberstein schon zuvor unstrittig in Familienbesitz befunden hatte, überließ der Staat nun vertraglich neben den Schlössern Baden-Baden und Salem auch den Kaltenbronner Forst der fürstlichen Familie, letzteren dem ehemaligen Großherzog Friedrich II. und seiner Frau Hilda allerdings nur zum lebenslangen Nießbrauch. Damit war nicht nur wirtschaftliche Nutzung des Waldes, sondern auch das Jagdrecht verbunden.

Die Hofjagd am Kaltenbronn hatte eine jahrhundertelange Tradition. Geschossen wurde vor allem auf Hirsche und, was als noch prestigeträchtiger galt, auf Auerhähne. Zu den hochherrschaftlichen Gästen, die während der Hahnenbalz zur Jagd kamen, zählte unter anderem mehrmals Kaiser Wilhelm II., ein Großneffe der damaligen badischen Großherzogin Luise. Im Kaltenbronner Jagdtagebuch ist festgehalten, dass seine Majestät zum Beispiel 1899 „6 Hahnen“ erlegte.

Ein begeisterter Jäger

Auch nach dem Ende der Monarchie wurde die Jagd am Kaltenbronn als adliges Gesellschafts- und Familienereignis ungebrochen fortgesetzt. 1921 war zur Hahnenbalz sogar König Gustav V. von Schweden zu Gast, ein begeisterter Jäger und ebenfalls mit dem Haus Baden verschwägert. So verwundert es nicht, dass auch Prinz Philip 1934 und 1935 ausweislich der Jagdtagebücher insgesamt dreimal auf dem Kaltenbronn war. Begleitet wurde er zur Hahnenbalz im Frühjahr jeweils von seinem Schwager, Markgraf Berthold, gleichfalls ein leidenschaftlicher Jäger. Zusätzlich hielt sich Philip – damals noch Prinz von Griechenland und Dänemark – zwischen dem 28. August und dem 2. September 1935 zu einem Kurzurlaub auf dem Kaltenbronn auf.

Dieses Foto vom 24. Mai 1985 entstand im ehemals großherzoglichen Jagdhaus auf dem Kaltenbronn. Es zeigt unter anderem links Markgraf Maximilian von Baden, stehend im grauen Sakko Andreas Sarbacher neben Ehefrau Ingrid Sarbacher. Neben Prinz Philip sitzt mit hellblauer Weste Markgräfin Valerie, Gattin von Markgraf Maximilian. Foto: Archiv Sarbacher

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Dieses Foto vom 24. Mai 1985 entstand im ehemals großherzoglichen Jagdhaus auf dem Kaltenbronn. Es zeigt unter anderem links Markgraf Maximilian von Baden, stehend im grauen Sakko Andreas Sarbacher neben Ehefrau Ingrid Sarbacher. Neben Prinz Philip sitzt mit hellblauer Weste Markgräfin Valerie, Gattin von Markgraf Maximilian. Foto: Archiv Sarbacher

Die genauen Daten mit entsprechenden Abbildungen der Jagdtagebücher wurden dem Badischen Tagblatt jüngst von Dr. Gunter Zaltenbach zur Verfügung gestellt. Der 81-Jährige, der in Gaggenau lebt, führte über 30 Jahre lang eine Lungenfacharztpraxis in Baden-Baden. Neben der Pflege seines großen Gartens und den Hobbys Golf und Skilaufen ist er eigenen Angaben zufolge „jagdhistorisch interessiert“.

Ausflug ins Gernsbacher Höhengebiet

Die Ära der badischen Hofjagd auf dem Kaltenbronn endete 1952 mit dem Tod der letzten Großherzogin Hilda. Fortgeführt ab 1954 als „Repräsentationsjagdrevier des Landes Baden-Württemberg“ kamen in den folgenden zwei Jahrzehnten weiterhin zahlreiche hochgestellte Persönlichkeiten bis hin zum äthiopischen Kaiser Haile Selassi zur Jagd auf den Kaltenbronn.

Und auch Philip, inzwischen Prinzgemahl der britischen Königin Elisabeth II., kehrte noch einmal auf den Kaltenbronn zurück. Als er am 23. Mai 1985 als Präsident des World Wildlife Fund (heute World Wide Fund for Nature) das Auen-Institut in Rastatt einweihte, nutzte Philip die Gelegenheit, am Folgetag Jugenderinnerungen aufzufrischen. Begleitet wurde er bei seinem Ausflug in das Gernsbacher Höhengebiet einmal mehr von seiner badischen Verwandtschaft, diesmal von Markgraf Max von Baden und seiner Frau Valerie, einer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit aus dem Hause Habsburg-Lothringen.

Gibt es Zeitzeugen oder Dokumente des Besuchs von Prinz Philip in der Villa Ruprecht? Wer etwas weiß, möge sich in der BT-Redaktion melden unter der Telefonnummer (0 72 25) 9633 31 11 oder per Mail an redmurg@badisches-tagblatt.de


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