Museen helfen ihren Kulturvermittlern

Karlsruhe (nl) – Den Museen fehlen wegen des Lockdowns die Besucher. Die nicht festangestellten Kräfte entwickeln viele kreative Ideen bis zur Wiedereröffnung.

Wo hat der Räuber Hotzenplotz die Kaffeemühle versteckt? In der liebevoll inszenierten Ausstellung kann man die Abenteuer aus Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker hautnah miterleben. Die Ausstellung ist bis Juni verlängert. Foto: Badisches Landesmuseum/Artis/Uli Deck

Wo hat der Räuber Hotzenplotz die Kaffeemühle versteckt? In der liebevoll inszenierten Ausstellung kann man die Abenteuer aus Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker hautnah miterleben. Die Ausstellung ist bis Juni verlängert. Foto: Badisches Landesmuseum/Artis/Uli Deck

Still und verlassen sind die Räume in den Museen. Seit dem Beginn des Lockdowns im November hat kein Besucher mehr die oft gerade erst eröffneten Ausstellungen gesehen. Die Kunstwerke bleiben unter sich, die Kulturvermittler zu Hause.

Was viele nicht wissen: Die Kulturvermittler gehören häufig nicht zu den festangestellten Mitarbeitern der Museen, sondern arbeiten oft als Soloselbstständige, die jetzt nichts verdienen. Was die Schließung für sie bedeutet, berichtet Korinna Ammon. Sie führt Gruppen durch das Badische Landesmuseum in Karlsruhe und kennt als erste Vorsitzende der Karlsruher Kunstvermittler-Vereinigung Carpe artem e. V. die Sorgen ihrer Kolleginnen und Kollegen.

„Wir machen unseren Beruf aus Berufung“, sagt Korinna Ammon. „Ihn nicht ausüben zu dürfen, ist nicht nur finanziell, sondern auch emotional hart.“ Viele ihrer Kolleginnen und Kollegen haben keine anderen Einkünfte. Sie sind existenziell betroffen, weil die staatlichen Hilfen oft noch gar nicht bei ihnen angekommen sind. Andere haben das Glück, von ihren Familien aufgefangen zu werden, besonders wenn sie die Erziehung ihrer Kinder mit der freiberuflichen Tätigkeit als Kulturvermittler verbunden haben. Die Karlsruher Museen versuchen, ihnen mit kleinen Honorarverträgen beizuspringen, weiß Korinna Ammon. Die Städtische Galerie etwa lässt kleine Online-Audioführungen durch Freie Kulturvermittler erstellen.

Kostenlose „Kulturhäppchen am Mittag“

Auch das Badische Landesmuseum hat sich etwas einfallen lassen. Elke Kollar leitet an diesem Haus die Bereiche Kommunikation und Kulturvermittlung. Sie und ihr Team haben ein neues digitales Format entwickelt. Alle 14 Tage kann man sich über den Kalender auf der Homepage des Badischen Landesmuseums einklinken zu einem kostenlosen „Kulturhäppchen am Mittag“.

Start ist am 25. Februar um 13 Uhr, und der Direktor des Hauses übernimmt zu diesem Anlass selbst die Premiere. Eckart Köhne hat sich das Thema „Den Tod überwinden – eine Reise in die Unterwelt“ ausgesucht. Elke Kollar sieht darin mehr als eine Notlösung: Die Kuratorinnen und Kuratoren stellen in dieser Reihe ein Objekt vor und sprechen dann online mit dem Publikum darüber. So können auch Menschen an Kultur teilhaben, die – selbst ohne Lockdown – nicht selbst ins Museum kommen.

Korinna Ammon und Elke Kollar bestätigen beide unisono: „Die Besucher fehlen total.“ Ammon hat beispielsweise ihre letzte Gruppe im Oktober geführt. „Es ist ein sehr kommunikativer Beruf, der vom Austausch mit den Besuchern lebt. Nach den Führungen kam immer das Feedback, wie bereichernd es war. Der Wegfall der Kontakte fällt schwer“, sagt sie.

Wer in der Kulturvermittlung arbeitet, hat nicht nur ein Studium der Kunstgeschichte oder Archäologie vorzuweisen, sondern auch die Erfahrung, mit den unterschiedlichsten Gruppen umzugehen, von Kita-Kindern über lustlose Achtklässler, die sich doch motivieren lassen, bis zu den Erwachsenen. Da reicht das Spektrum vom Bundesgerichtshof über die Landfrauen bis zu Betriebsausflügen. Kulturvermittler wissen, wie man Interesse weckt, die Spannung hält und die Führung lebendig gestaltet, so Ammon.

Auftakt mit kleinen Formaten

Wenn die Museen endlich wieder öffnen dürfen, werden große Gruppen wahrscheinlich noch nicht zugelassen werden. Korinna Ammon hofft deshalb auf viele kleine Formate wie die „Private Tours“ im Sommer 2020 im Badischen Landesmuseum. Fünf bis neun Personen, oft Touristen aus anderen Teilen Deutschlands, konnten sich für eine halbe Stunde führen lassen. Es sollte für eine kleine Gebühr niederschwellige, individuelle Angebote geben, wünscht sich Ammon. Und, ein wichtiger Wunsch von ihr und vielen ihrer Kollegen: eine Festanstellung durch die Museen. Diesen Wunsch unterstützt Elke Kollar. Sie fürchtet, dass sich die erfahrenen Kräfte beruflich umorientieren müssen und dass deren Kompetenz und Erfahrung den Museen verloren gehen.

Für die Mitmach-Ausstellung „Räuber Hotzenplotz“ hat das Badische Landesmuseum eigens „Scouts“ engagiert. Hier kommt es nicht auf ein Fachstudium an, sondern auf Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit. Die Scouts machen Aufsicht, sprechen kleine und große Besucher an, motivieren sie zum Mitmachen, übernehmen aber auch Rundgänge und Führungen. Während des Lockdowns stellen die Scouts kleine Podcasts her, die sie selbst entwickeln und aufnehmen. Aber das ist kein Ersatz für das Ausstellungserlebnis, weshalb „Räuber Hotzenplotz“ in die Verlängerung geht, bis in den Juni. Bis zur ungeduldig erwarteten Öffnung der Museen fühlen sich die Kulturvermittler wie „Köche ohne Küche und ohne Gäste“, wie es Korinna Ammon ausdrückt.

Ihr Autor

Nike Luber

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Erstellt:
9. Februar 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 10sec

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