Museum LA8: Ab Sonntag Pause bis 2023

Baden-Baden (cl) – Das Baden-Badener Museum LA8 schließt am Sonntag für längere Zeit. Ein neues Museumskonzept hat die Grenke-Stiftung noch nicht. Frühestens 2023 soll es wieder Ausstellungen geben.

Wie geht es weiter im 2009 eröffneten Museum für Kunst und Technik an der Allee? Moritz Grenke, neuer Vorstand der Grenke-Stiftung, sagt: „Wir verfolgen mehrere Ansätze – nichts ist spruchreif.“ Foto: Uli Deck/dpa

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Wie geht es weiter im 2009 eröffneten Museum für Kunst und Technik an der Allee? Moritz Grenke, neuer Vorstand der Grenke-Stiftung, sagt: „Wir verfolgen mehrere Ansätze – nichts ist spruchreif.“ Foto: Uli Deck/dpa

Wenn die Ausstellung „Schön und gefährlich“ im Baden-Badener Museum LA8 über das Abenteuer Seefahrt im 19. Jahrhundert am kommenden Sonntag zu Ende geht – legt das Ausstellungshaus der Grenke-Stiftung an der Lichtentaler Allee eine längere Pause ein. Seit der überraschenden Trennung von Museumsdirektor Matthias Winzen im Sommer 2021 ringt die Stiftung um ein neues Museumskonzept – und das wird mindestens noch ein Jahr dauern.

„Das Museum wird auf jeden Fall weitergeführt werden, aber Ausstellungen wird es frühestens 2023 wieder geben“, erklärt Moritz Grenke, der neue Vorstand der Baden-Badener Grenke-Stiftung. „Ich hätte mir gewünscht, dass ich schneller etwas sagen könnte, aber die Pläne für die weitere Zukunft sind noch nicht spruchreif.“

Im vergangenen August hatte der langjährige Museumsdirektor Matthias Winzen selbst bekannt gegeben, dass er nicht mehr für das Museum arbeiten werde. Gegenüber unserer Zeitung gab Winzen zu dem Zeitpunkt „fehlende Planungssicherheit“ als Hauptgrund für seine Kündigung an. Dem waren Diskussionen im Stiftungsvorstand über neue Konzeptideen vorausgegangen. Seitdem ist nicht nur das weitere Ausstellungsprogramm offen, die ganze Museumskonzeption steht zur Disposition.

Die Immobilie gehörte bis zuletzt Wolfgang Grenke. Der Baden-Badener Unternehmer und Kulturstifter hat das einstige Palais von Königin Friederike von Schweden aus dem frühen 19. Jahrhundert saniert, durch einen Museums-Neubau erweitert und 2009 eröffnet. Zuvor residierte jahrzehntelang der Internationale Club der Galopprennen Baden-Baden in der einstigen Weinbrenner-Architektur. Im Sommer 2021 übernahm die Grenke-Stiftung unter Vorsitz von Sohn Moritz Grenke die Immobilie.

Zwischen Neuausrichtung und nur leicht veränderte Konzeption

Vor 13 Jahren hatte Winzen im Auftrag von Museumsgründer Wolfgang Grenke mit dem sperrigen Titel „Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts“ dem Haus Ausrichtung samt Themenspektrum gegeben. „Wenn man wissen will, wo die meisten modernen Phänomene herkommen, landet man im 19. Jahrhundert“, lautete Winzens Ansatz fürs Museum, das bislang jährlich zwei Ausstellungen, herausbrachte. Die Präsentationen variierten zwischen den Schwerpunkten Kunst und Technik im 19. Jahrhundert, mal mehr technisch orientiert wie in „Technische Paradiese“, dann sozialgeschichtlich wie in „Krieg & Spiele“, mal kunsthistorisch wie in der Schau zum Berliner Großstadtmaler Lesser Ury oder zur Karikatur. Auch ein Symposien-Programm gehörte dazu.

„Schön und gefährlich“ wurde nun Winzens letzte Schau im LA8, eine weitere Ausstellungsidee hatte der Kunstprofessor auch schon, die Planung wurde aber von der Grenke-Stiftung gestoppt. Nach rund einem Dutzend Jahren sei es an der Zeit, die Konzeption für das Museum auf den Prüfstand zu stellen, begründete Stiftungsvorstand Moritz Grenke im August 2021 und fügte hinzu: „Und dafür nehmen wir uns jetzt die Zeit.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte der 35-jährige Mathematiker, der in der Firma seines Vaters angestellt ist, gerade den Stiftungsvorsitz übernommen – und wurde Knall auf Fall auch zum kommissarischen Museumsleiter.

„Wir verfolgen mehrere Ansätze – und wollen auf jeden Fall im Haus wieder Ausstellungen zeigen“, erklärt Moritz Grenke nun aktuell – sein Programmansatz ist noch vage. „Es gibt momentan zwei Ansätze, entweder könnte das Museum mit leicht verändertem Konzept weitergehen, oder wir zeigen etwas ganz anderes.“ Erst wenn das Konzept stehe, könne auch die Frage der Museumsleitung geklärt werden, hieß es. Bis die Neuausrichtung gefunden ist, soll das Museum aber nicht gänzlich ungenutzt bleiben, sondern laut Moritz Grenke in diesem Jahr für andere Projekte zur Verfügung stehen. Auch diese seien noch nicht fix, auf jeden Fall handele es sich um kulturelle Projekte.

Osterfestspiele im Kristallsaal, Lounge zieht ins Kurhaus um

Im Kulturhaus LA8 geht der Betrieb insgesamt weiter: Die Säle im historischen Palais sind ans Brenners Parkhotel vermietet, das dort neben der Gastronomie ein Veranstaltungsprogramm fortführt. Auch die Berliner Philharmoniker werden anlässlich der Osterfestspiele am 16. April im Kristallsaal ein Kammerkonzert geben. Die Festival-Lounge mit Künstlertalks indes verlegt das Festspielhaus ins Kurhaus. „Das wollten wir bereits 2020 ausprobieren, dann kam die Pandemie dazwischen“, erklärte Festspielhaussprecher Rüdiger Beermann. Im Kurhaus wird ein Großteil der Kammerkonzerte der Osterfestspiele 2022 stattfinden.

Der Museumsbetrieb im LA8 ruht derweil in vier Tagen: Im März soll die Ausstellung „Schön und gefährlich“ abgebaut werden. „Wir sind froh, dass wir sie bis Ende Februar zeigen konnten und den Leihgebern dankbar, dass sie die Leihgaben noch einmal verlängert haben“, so Moritz Grenke. Bis Sonntagabend hat die Schau „Schön und gefährlich“ noch geöffnet.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
24. Februar 2022, 16:34 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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