Musical-Veranstalter Kokemüller optimistisch fürs Frühjahr

Baden-Baden (cl) – Trotz großer Absage-Welle der Kulturveranstalter, geht BB-Promotion-Chef Ralf Kokemüller mit Zuversicht ins Jahr 2022. „Ab dem Frühjahr wird sicher viel mehr möglich sein“, sagt er.

Die Leute wollen das Live-Erlebnis“: Ralf Kokemüller, Geschäftsführer von BB Promotion Mannheim, bleibt trotz verschärfter Einschränkungen optimistisch.  Foto: Thommy Mardo

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Die Leute wollen das Live-Erlebnis“: Ralf Kokemüller, Geschäftsführer von BB Promotion Mannheim, bleibt trotz verschärfter Einschränkungen optimistisch. Foto: Thommy Mardo

Reihenweise werden wieder Kulturveranstaltungen abgesagt: Die Deutschland-Tour von „Stomp“ hat es getroffen und nun auch „Thriller live“ Anfang 2022. Beide Shows sollten im Februar auch im Festspielhaus Baden-Baden laufen. Angesichts der Ausbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus verschärft sich die Lage der Veranstaltungsbranche erneut. „Eine Extremstherausforderung“, nennt der Geschäftsführer von BB Promotion, Ralf Kokemüller, im Interview mit BT-Redakteurin Christiane Lenhardt, die momentane Tour-Planung. Erst ab Frühjahr sieht er Besserung.

BT: Herr Kokemüller, die derzeitige Pandemie-Lage hat erneut eine unsichere Situation für die Veranstalter heraufbeschworen. Was bedeuten diese Einschränkungen momentan für BB Promotion?
Ralf Kokemüller: Eine Extremstherausforderung. Es erfordert große Planung und die Bereitschaft, sie ständig über den Haufen zu schmeißen. Die Einschränkungen, die aufgrund der pandemischen Lage wieder vorgenommen werden, erfolgen in einer solchen Kurzfristigkeit, dass wir darauf nicht mehr in ähnlicher Geschwindigkeit reagieren können.

BT: Was können Sie im Moment überhaupt planen fürs Jahr 2022?
Kokemüller: Wir holen nächstes Jahr weitgehend die Veranstaltungen nach, die wir jetzt verschieben mussten. Das klappt gut – nur die Termine von „Stomp“ im Februar mussten wir leider kürzlich wieder absagen, bemühen uns aber gerade um eine neue Spielzeit kommenden Winter.

BT: Einige Ihrer Produktionen sind momentan trotzdem auf Tournee.
Kokemüller: Ja, „Disney Die Schöne und das Biest“ und auch die Revue „Berlin Berlin“. Allerdings sind Tourneen nicht kontaktarm durchzuführen, sie bedeuten immer auch Nähe zwischen den Teammitgliedern, die unterwegs sind. Die Künstler reisen zusammen im Bus, übernachten im gleichen Hotel, stehen gemeinsam auf der Bühne. Allerdings sind alle geimpft, wir testen jeden Tag und haben unsere strikten Hygienekonzepte. Generell wird die Lage im Januar und Februar für uns noch sehr herausfordernd sein. In manchen Bundesländern mehr als in anderen. In Norddeutschland – in Bremen, Berlin und Hamburg –, wo wir gerade Veranstaltungen spielen, ist vieles entspannter als in Baden-Württemberg, wo wir weitaus höhere Inzidenzzahlen vorfinden.

BT: Sie wollen die Kooperation mit dem Festspielhaus Baden-Baden noch ausweiten, ab 2023 hier ein eigenes Festival schaffen. Wie sollte das künftige Festival aussehen?
Kokemüller: Wir wollen besondere Bühnen-Highlights nach Baden-Baden bringen. Das müssen aber nicht nur Musicals sein. In Köln veranstalten wir seit über 30 Jahren mit großem Erfolg ein Sommerfestival in der Philharmonie. Die Idee ist, ausgewählte Themen daraus dann im Sommer auch nach Baden-Baden zu bringen. Bereits seit der Eröffnung des Festspielhauses, damals mit dem Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser, sind wir ein enger Partner des Hauses. Baden-Baden ist ein guter und passender Markt für uns. Aus dem Entertainment-Bereich waren unter anderem „Stomp“ sowie die Musicals „Evita“ und „Mamma Mia!“ Highlights unserer bisherigen Bespielung. Aber auch Produktionen wie die Gershwin Südstaaten-Oper „Porgy und Bess“, die Weltklasse Modern Dance Company „Alvin Ailey American Dance Theater“ und die Originalproduktion der „West Side Story“ waren sehr erfolgreich.

BT: Im nächsten Sommer wird das Disney-Musical „Die Schöne und das Biest“ in Baden-Baden gastieren, wo sie bereits 2017 zu sehen war. Zeigen Sie eine neue Version der Produktion?
Kokemüller: Sie ist noch einmal aufwendig überarbeitet worden, sowohl in den Choreografien als auch inhaltlich. Wir haben einen ganz neuen Cast und ein neues Lichtdesign. Über 100 Mitwirkende sind dabei, inklusive einem großen Orchester. Die Produktion ist atemberaubend. „Die Schöne und das Biest“ ist ein Thema, das ein großes, breites Familienpublikum anspricht. Mit Disney pflegen wir eine langjährige, wunderbare Partnerschaft.

BT: In den frühen 2000er Jahren hat das Musical einen regelrechten Boom erlebt. Ist es immer noch so nachgefragt?
Kokemüller: Absolut. Der Musical-Markt ist intakt. Wenn man sich die Gesamtzahl der Tickets anschaut, hat sich an der Beliebtheit des Musicals wenig geändert. Unser Mitbewerber Stage Entertainment hat gerade noch ein Theater gebaut. Es gibt in Hamburg neben den Häusern mit langlaufenden Produktionen auch noch weitere Spielstätten, die Shows und Musicals anbieten. Jüngst hatte „Harry Potter und das verwunschene Kind“ Premiere, ein großartiges Theaterstück mit Live-Magie, welches sicherlich einige Jahre spielen wird.

BT: Entwickeln Sie auch vermehrt Eigenproduktionen?
Kokemüller: Auf unsere Eigenproduktion „Berlin Berlin“ sind wir besonders stolz, die den Zeitgeist der 20er Jahre aufnimmt, die Tänze der Zeit zeigt, den Charleston wie den Lindy-Hop, und auch die damalige Mode reflektiert. Die großen deutschen Gassenhauer und die Lieder der Comedian Harmonists sind genauso wie internationale Standards zu hören. So eine Show selbst zu kreieren, macht uns große Freude.

BT: Wie viele Musicals produzieren Sie pro Jahr?
Kokemüller: Unser Team bringt ein großes Stück pro Jahr raus. Viele Dinge innerhalb bestehender Produktionen werden zudem neu konzipiert, da passiert einiges.

BT: Wie hat BB Promotion die bald zwei Jahre andauernde Pandemie-Zeit mit den Einschränkungen und Lockdowns finanziell überstanden? Erhalten Sie Landes- oder Bundeszuschüsse?
Kokemüller: Wir werden unterstützt, aber das müssen wir ständig evaluieren. Der Wille zur Unterstützung ist von Seiten der Politik da, in der praktischen Umsetzung hakt es manchmal noch, weil die ganzen Erlasse und Verordnungen sich ständig ändern.

BT: Wie läuft der Kartenverkauf derzeit generell?
Kokemüller: Natürlich brauchen wir Unterstützung dabei. Das gilt für die Klassik genauso wie fürs Entertainment. Momentan gibt es eine gewisse Kaufzurückhaltung und einen vorherrschenden Vorsichtsgedanken. Wir müssen die Leute in die Theater zurückholen. Wir hoffen, dass sich die Situation bald wieder entspannt. Theater sind mit den modernen Lüftungsanlagen und den strikt eingehalten Hygienekonzepten im Vergleich zum Beispiel mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurants sehr sichere Orte. Aktuellen Auswertungen der Luca-App zufolge sind nur 0,4 Prozent der Ansteckungen auf den Theaterbereich zurückzuführen.

BT: Mit welchem Gefühl schauen Sie als Veranstalter von großen Live-Erlebnissen in die Zukunft?
Kokemüller: Wir sind Optimisten. Denn die Leute wollen das Live-Erlebnis. Wir haben zuletzt gesehen, sobald wir spielen, kommen die Menschen in die Veranstaltungen. Sie sind ausgehungert und wollen die gesellschaftliche Teilhabe. Wenn sich jetzt genug Menschen impfen lassen, wird sich unser Leben auch wieder normalisieren. Ich hoffe, dass sich auch die letzten Zweifler und Skeptiker von der Impfung überzeugen lassen, und wir bald aus diesem Zustand wieder herauskommen. Ab dem Frühjahr wird sicher viel mehr möglich sein.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
22. Dezember 2021, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 07sec

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