Musikverein Harmonie Staufenberg feiert 100-Jähriges

Gernsbach (vgk) – Der Musikverein Staufenberg ist 2021 hundert Jahre alt geworden. Das Badische Tagblatt wirft einen Blick auf die abwechslungsreiche Historie des beliebten Vereins.

Der Musikverein Staufenberg blickt auf eine mehr als 100 Jahre alte Geschichte zurück. Unser Foto wurde um das Jahr 1930 aufgenommen. Repro: Veronika Gareus-Kugel

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Der Musikverein Staufenberg blickt auf eine mehr als 100 Jahre alte Geschichte zurück. Unser Foto wurde um das Jahr 1930 aufgenommen. Repro: Veronika Gareus-Kugel

Wenn man von 100 Jahren Musikverein Harmonie Staufenberg spricht, muss hinzugefügt werden, dass der Verein eigentlich schon viel älter ist. Das sagt Vorsitzender Friedhelm Bender. Zur Begründung fügte dieser an, dass im Kassenbuch des damaligen „Baugesellenvereins“ (heute Handwerkerverein Staufenberg) ein Eintrag zu finden ist, wonach eine Musikkapelle aus Staufenberg für einen Auftritt beim 25-jährigen Stiftungsfest des Bau-Vereins-Lichtental 14 Mark erhalten habe.

Dieser Eintrag ist ein Beleg dafür, meint Bender, dass nicht nur der Gesangverein „Frohsinn“, sondern auch der Musikverein „Harmonie“ seinen Ursprung im Handwerkerverein hat. Zudem war diese Erwähnung der Grund für die Ehrung des Musikvereins 1983 mit der Pro Musica-Plakette. Sie ist die Auszeichnung des Bundespräsidenten für 100 Jahre wirkende Orchestervereinigungen.

Gründungsversammlung am 16. Januar 1921

Doch leider zählt für das Alter eines Vereins ausschließlich das Datum der Gründungsversammlung. Das offizielle Licht der Welt erblickte der Musikverein Staufenberg demgemäß am 16. Januar 1921. 37 musikbegeisterte Gründungsmitglieder versammelten sich damals im Gasthaus „Grüner Baum“ (Firma Krassa), um das Vorhaben in die Tat umzusetzen – ungeachtet der schwierigen Zeiten so kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Zum ersten Vorsitzenden wurde Wilhelm Schenkel gewählt. Zudem gingen die Vereinsgründer ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko ein. Zur Anschaffung fehlender Instrumente waren zunächst 30 Mark Beitrittsgeld zu berappen. Zusätzlich hatten passive Mitglieder einen Jahresbeitrag von acht Mark sowie fünf Mark für den Beitritt zu bezahlen. Das war für alle Beteiligten viel Geld. Gleichwohl schien die Summe, die zu bezahlen war, keine abschreckende Wirkung zu haben. Nur wenige Monate nach der Vereinsgründung zählte die Gemeinschaft bereits über 100 passive Mitglieder.

Noch im selben Jahr wurde ein erstes Musikfest veranstaltet. 1923 gründete man eine Knabenkapelle, um den Nachwuchs zu sichern. Ein stetiger Aufwärtstrend erfasste den Verein. 1930 war dann erst einmal Schluss damit. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten spaltete nicht nur das Dorf, sondern auch den Musikverein.

Zum Eklat kam es bei der im November 1930 turnusgemäßen Bürgermeisterwahl, die der bisherige Amtsinhaber aus dem bürgerlicher Lager für sich entscheiden konnte, wie die Vereinschronisten festhalten. Die Kapelle trat an, um dem Wahlsieger das übliche Ständchen zu spielen. Der sich daran anschließende Umtrunk im „Grünen Baum“ fiel für einige jedoch aus.

Das Gasthaus war zum Missfallen der Musiker mit Hakenkreuzen geschmückt. Kurzerhand zogen diese weiter zum Neuhaus in Richtung Baden-Baden. Dort saß der unterlegene Kandidat der Sozialdemokraten. Auf halber Strecke sollten sich jedoch die Geister scheiden. Einige Musiker gingen zum „Grünen Baum“ zurück. Die Kapelle zerbrach in zwei Teile – in einen „braunen“ und einen „roten“. Der neue Musikverein erhielt den Beinamen „Harmonie“ (braun).

Instrumente werden beschlagnahmt

Die Versuche von Heinrich Walter, Vorsitzender der „Harmonie“, beide Vereine wieder zusammenzuführen, scheiterten. Am 5. Mai 1933 kam dann das Aus für den „roten“ Musikverein. Das Naziregime verfügte die Beschlagnahmung der Instrumente.

„Dieser und andere kleinere Vorfälle vergifteten das ohnehin schon sehr ramponierte Zusammenleben der unterschiedlichen Parteien in den Vereinen, bis 1935 auf Druck von oben die Zusammenlegung der braunen und roten Musikkapelle verfügt wurde“, schreibt Bender dazu. Das Spiel konnte sich wieder hören lassen. Doch der Zweite Weltkrieg besiegelte dann das vorläufige Aus des Vereinslebens. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte es noch zehn Jahre dauern, bis der MV Harmonie wieder seine Instrumente hervorholen durfte. In der Chronik wird dazu berichtet: Die Zusammenkunft im Gasthaus „Sternen“ dauerte solange, bis die Neugründung der „Harmonie“ vollzogen war.

Der alte Vorsitzende Wilhelm Schenkel war zugleich der neue. Zum musikalischen Leiter bestimmte die Versammlung Oskar Götz. Ein Aufatmen ging durch die Reihen der Vereinsmitglieder. Vor 1949 und darüber hinaus war Vereinsleben großteils verboten. Weshalb auch die „Harmonie“ ihr 25. Vereinsjubiläum nicht feiern durfte. Dies holten die Musiker dann anlässlich des 30-Jährigen mit einem Fest nach. Den 50. Vereinsgeburtstag konnte der Verein nach erfolgter Eingemeindung nach Gernsbach 1971 auf der Murginsel feiern.

Ab den 1950er-Jahren entwickelte sich der Blasmusikverein zunehmend zu einem festen Bestandteil dörflichen Zusammenlebens. Ebenso wurde viel Zeit in die Nachwuchsförderung investiert. Das Vereinsleben selbst ist und war immer von Kontinuität geprägt. Mit Udo Karcher übernahm 1974 ein noch junger Musiker (23) den Vorsitz des Musikvereins. Die Zusammenarbeit mit den Dirigenten überdauerte oft Jahrzehnte.

Konzert vor internationalem Publikum

Ein Ereignis der besonderen Art, an das man sich immer noch gerne erinnert, war 2006 das gelungene Konzert vor internationalem Publikum im voll besetzten Biergarten des weltweit bekannten Münchner Hofbräuhauses. Den Kontakt hatte Vereinsmitglied Günter Rapp vermittelt.

Mit dem Ende der Ära Rudi Seifried als Vorsitzender 2007 sollte sich die Führungsstruktur ändern. Damit verließ der Verein die bisherige Strukturierung des Vorstands mit der bis dahin üblichen Unterteilung. Stattdessen verankerte der Jubilar ein gleichberechtigtes Dreiergremium in der Satzung. Den geschäftsführenden Vorstand bildeten damals Friedhelm Bender (Verwaltungsvorstand), Karl Voigt (Finanzvorstand) und Claudia Schoch (Musikervorstand). Schoch und Bender sind heute noch mit dabei.

Die aktuelle Kapelle des Musikvereins Harmonie Staufenberg. Foto: MV Harmonie Staufenberg

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Die aktuelle Kapelle des Musikvereins Harmonie Staufenberg. Foto: MV Harmonie Staufenberg

Zu den gern gepflegten Traditionen der Musikkapelle zählt in der Zwischenzeit auch das 2009 unter dem Motto „Wildschwein mit Musik“ ins Leben gerufene und beliebte Gulasch-Essen in der Staufenberg-Halle. Es entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem wahren Publikumsmagneten. Gleichfalls präsentierte sich der Verein als Mitveranstalter der Staufenberger Fastnacht, die die Zeit leider nicht überdauerte.

Beim Herbstfest 2013 konnte die neugegründete Jugendkapelle der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Ebenfalls seinen ersten Auftritt hatte während des Festes Dirigent Robert Maier. Unter dem Titel „Film- und Musical-Melodien“ gab dieser 2014 sein erfolgreiches Konzertdebüt.

Der Staufenberger Neujahrsempfang, er wird durchgeführt seit 2015, geht ebenfalls auf die Initiative der rührigen Musikergemeinschaft zurück. Mit der örtlichen Grundschule pflegt der Verein eine fruchtbare Kooperation.

Wann das 100-jährige Bestehen des Jubilars gefeiert werden kann, ist noch nicht klar. Das hänge von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Vielleicht klappt es im kommenden Jahr, blickte Friedhelm Bender im Gespräch mit dem BT voraus.


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