Musikverein stellt Notfallzelt in Loffenau

Loffenau (ham) – Noch gibt es keine Fälle: Loffenau hat sich dennoch für das Coronavirus gewappnet. Der Musikverein stellt sein kleines Festzelt bei der Praxis von Dr. Torsten Zuther zur Verfügung.

Links vor der Praxis von Torsten Zuther geht es zum Zelt für potenzielle Corona-Fälle. Foto: Metz

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Links vor der Praxis von Torsten Zuther geht es zum Zelt für potenzielle Corona-Fälle. Foto: Metz

„Fieber?“, „Husten?“, „Atemnot?“ Darunter auf Englisch und Arabisch dieselben drei Worte: Wer alles bejaht, soll den Gang in die Praxis von Torsten Zuther meiden, dem aufgemalten Pfeil in Richtung des jetzt daneben stehenden Notfallzelts begeben. In Loffenau gibt es derzeit noch keine Corona-Infektionen – doch der Mediziner will gewappnet sein und andere Patienten schützen. Bei sich oder seinem Team gibt er sich dagegen keiner Illusion hin: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand ansteckt ...“
„Infekte“ hat Zuther aktuell genügend diagnostiziert. Alles aber herkömmliche Grippefälle, „noch kein Coronavirus“. Zwei Abstriche machte der Internist bis gestern Mittag. „Bisher musste aber keiner in die Klinik“, gibt er für Loffenau Entwarnung. Gerüstet wäre der Praxischef aber nun auch außerhalb seiner vier Wände. Um Angesteckte und andere Erkrankte strikt zu trennen, stellte der Musikverein sein kleines Festzelt auf. „Dank tatkräftiger Unterstützung von Bürgermeister Markus Burger und des Bauhofs der Gemeinde konnten wir so eine Versorgungseinheit für potenziell infektiöse Patienten schaffen“, freut sich Zuther, nun eine „relativ risikoarme Erstuntersuchung“ durchführen zu können. Dies sei „sicherlich eine weitere Entlastung für die Krankenhausambulanzen der Nachbargemeinden“.

Burger hatte sofort auf die Anfrage des Ortsmediziners reagiert und das Zelt organisiert, um „die Infektionsgefahr zu verringern“, auch wenn es sich derzeit noch um reine Prophylaxe handele. Zuther ist „sehr dankbar“ für die schnelle Unterstützung und „froh, dass ich in so einem Ort mit kurzen Wegen lebe“. Mit Schmunzeln nimmt der Mediziner zur Kenntnis, dass ihm ausgerechnet der Musikverein zur Seite springt, „obwohl ich von Musik gar keine Ahnung habe“. Überdies sperrte die Gemeinde den kleinen Pfadackerweg, damit potenzielle Patienten über das kleine Sträßchen zum Zelt gelangen. Dort würde Zuther mit seiner Schutzkleidung auf ihn warten.

Er kann aber auch eine erste Diagnose stellen, wenn Besorgte im Auto sitzen bleiben. „Sie erhalten einen kleinen Fragebogen zum Ausfüllen“, in dem etwa die Körpertemperatur abgefragt wird oder Angaben zu Husten oder Aufenthalten in Risikogebieten gemacht werden sollen. Im Idealfall kontaktieren ihn Erkrankte via Skype. „Auch wenn es datenschutzrechtlich eigentlich nicht statthaft ist“, hält Zuther dies für den besseren Kommunikationsweg als das Telefon. So kann er schließlich auch optisch einordnen, wie es um den Patienten steht.

Deuten Symptome auf das Coronavirus hin, checkt der Arzt im Zelt des Musikvereins Temperatur, Sauerstoffsättigung, Lungen- und Herzfunktion. Nach einem Interview soll der Patient in seinem Auto warten und bekommt die erforderliche Therapie mitgeteilt.

„Heute hatten alle gefühlt Fieber“

Momentan geht es in der Praxis „relativ ruhig zu“, weil Zuther „alles cancelte, was nicht zwingend notwendig ist und verschoben werden kann“. Viele mit Wehwehchen halten sich ohnehin lieber fern. Trotz bisher fehlender Corona-Fälle in Loffenau herrscht dennoch diesbezüglich gewisser Andrang. „Die Leute sind arg beunruhigt. Heute hatten alle gefühlt Fieber ... Ein Räuspern hat jeder von uns – und jedes Räuspern treibt jetzt zum Arzt“, weiß der engagierte Mediziner. Wenn dann seine Mitarbeiterinnen die Patienten schon am Hauseingang im Heiligenackerweg abrupt bremsen, weil diese das rote „Stop“-Schild auf Kopfhöhe an der Eingangstür nicht beachteten, reagieren einige unwirsch: „Sie empfinden das als grob“, berichtet Zuther und verweist darauf, dass das nicht so gemeint sei, sondern dem Schutz aller diene.

Die meisten Patienten seien jedoch vernünftig, „lobt“ er seine Klientel. „Panik, nein. Wissensbedürftigkeit ja“, berichtet er vom Verhalten der Loffenauer und den Patienten aus dem Umland, die zu ihm pilgern. Die technikaffinere Kundschaft informiert Zuther zudem über seinen Twitter-Account und bedauert, dass die meisten „über 60 keinen haben und wir so alles zigfach erzählen müssen“. Der beste Ratschlag, um Ansteckung zu vermeiden, ist aber auch hier leicht auf den Punkt gebracht: „Distanz halten zu Anderen!“

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Erstellt:
19. März 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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