Mutation im Landkreis Rastatt: Vermutung bestätigt

Rastatt (for) – Bei einigen Personen aus dem Landkreis Rastatt wurde eine neue Art der Virusmutation nachgewiesen. Dabei handelt es sich um die britische Variante kombiniert mit neuen Mutationen.

Auch bereits bekannte Virusmutationen entwickeln immer wieder neue Kombinationsvarianten. Foto: Niaid/dpa/EuroPress

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Auch bereits bekannte Virusmutationen entwickeln immer wieder neue Kombinationsvarianten. Foto: Niaid/dpa/EuroPress

Die Vermutung hat sich bestätigt: Die Proben, die der Baden-Badener Arzt Dr. Sven Gehrke vor einigen Tagen mittels PCR-Gurgeltest bei einer Familie aus dem Landkreis Rastatt genommen hat, weisen tatsächlich auf Mutationen hin. Dank der raschen Sequenzierung eines Labors in Frankfurt „haben wir das Rätsel schnell auflösen können“, teilt Gehrke auf BT-Nachfrage mit. „Es existiert tatsächlich eine Mutation im Bereich der Polymerase.“

Corona-Cluster mit Ursprung in Baufirma

Die Virus-Polymerase sei das Enzym, das sozusagen wie ein Motor für die Vervielfältigung des Viruserbguts zuständig ist. Wenn Mutationen in dieser Polymerase stattfinden, dann könne dies die Fähigkeit des Virus, sich zu vermehren, beeinflussen. Dadurch könne sich das Virus im schlimmsten Fall schneller verbreiten.

Gehrke hatte bereits bei der Untersuchung der Gurgelproben einer Familie vor rund zwei Wochen Hinweise festgestellt. Mittlerweile könne er bestätigen, dass es sich bei den Infizierten mit der neuartigen Virusvariante um ein Cluster handelt, das höchstwahrscheinlich von einer Baufirma im Landkreis Rastatt ausging. Insgesamt seien elf Personen dieses Clusters isoliert worden.

Mutanten verändern sich weiter

„Mir ist bei den ersten PCR-Proben schon aufgefallen, dass die Schmelzkurve auffällig war“, erklärt der Mediziner. Die Analyse dieser sogenannten Schmelzkurve ermögliche das Feststellen von Sequenzabweichungen und diene somit zum Nachweis von Mutationen. Hinzukomme, dass eine der Proben, die Gehrke zum Gegentesten in ein Referenzlabor geschickt hat, dort plötzlich ein falsches, negatives Testergebnis aufwies. Ein ähnliches Phänomen tritt auch bei der Mutation aus der Bretagne auf, „nämlich, dass einzelne PCR-Verfahren diese Mutation nicht erkennen und deshalb die Tests nicht anschlagen“, erklärt Gehrke. Diese Hinweise hätten ihn besorgt, weshalb er die Proben in spezielle Sequenzierlabore geschickt habe, um herauszufinden, um was für eine Art von Mutation es sich handelt.

Die Ergebnisse haben Folgendes ergeben: „Die Variante scheint aus den USA zu kommen, es handelt sich um die britische Variante B.1.1.7 in Kombination mit den Mutationen P227L (NSP12/RdRP = Polymerase) und P451S (NSP14)“, erklärt Gehrke. Die britische Mutation sei zwar bekannt, allerdings entwickeln die mutierten Coronaviren immer wieder neue Kombinationen, so auch in diesem Fall.

Betroffene zeigen sehr langen Krankheitsverlauf

„Die P227L-Mutation liegt an der Oberfläche der Polymerase im Bereich der Bindungsstelle und findet sich nach Literatur bei 2,7 Prozent der B.1.1.7-Varianten. Über die klinische Relevanz ist bislang noch nichts bekannt“, so Gehrke. Man könne aber erkennen, dass die betroffenen Personen einen sehr langen Verlauf der Infektion zeigten. Mit der kürzlich in Frankreich entdeckten „Bretonischen Variante“ bestehe aber kein Zusammenhang.

Allerdings gebe es noch eine weitere Auffälligkeit: Bei einer erneuten Kontrolle der isolierten Personen hat Gehrke festgestellt, „dass sich bei einigen Betroffenen beide Varianten nachweisen lassen, sowohl die normale als auch die mutierte Variante.“ Das sei eher ungewöhnlich und könnte möglicherweise auf eine Doppelinfektion hinweisen, vermutet er. Die Doppelinfektion würde auch zu dem längeren Krankheitsverlauf passen. Außerhalb des Baufirma-Clusters habe Gehrke diese Art von Virusmutation bislang aber nirgends mehr nachweisen können – obwohl seine PCR-Schnelltests die Variante eigenen Aussagen zufolge zuverlässig erkennen. „Wir dürfen gespannt sein, ob wir noch was von dieser Variante hören werden“, so der Arzt.


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