Mutiertes Virus wohl in Freiburger Kita

Freiburg/Stuttgart (bjhw) – Die geplanten Schulöffnungen sind nun wieder fraglich. Hintergrund ist ein neuer Ausbruch des Coronavirus – möglicherweise eine mutierte Variante.

Bei 14 Erzieherinnen und zehn Kindern aus der Kita Immergrün in Freiburg besteht nach Angaben der Diakonie Baden Verdacht auf eine Infektion mit einer mutierten Variante des Coronavirus. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Bei 14 Erzieherinnen und zehn Kindern aus der Kita Immergrün in Freiburg besteht nach Angaben der Diakonie Baden Verdacht auf eine Infektion mit einer mutierten Variante des Coronavirus. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Die Landesregierung hat ihre Entscheidung über eine schrittweise Öffnung von Schulen und Kitas am kommenden Montag nicht nur verschoben. Nach dem Ausbruch von Infektionen in einer Freiburger Kita will Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) jetzt die Lage neu bewerten: „Bevor wir Kinder wieder in die Kitas und Grundschulen lassen, müssen wir wissen, mit welcher Virusvariante sich die weiteren infizierten Personen angesteckt haben.“

Aus Freiburg werden inzwischen 24 Verdachtsfälle gemeldet, darunter 14 Erzieherinnen. „Die Ausbruchssituation muss jetzt bewertet werden“, verlangt auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), weil wichtig sei, „eine seriöse Basis für das weitere Vorgehen zu haben.“

Worauf müssen sich Eltern, Kinder, Erzieherinnen und Lehrkräfte einstellen?

Schon nach den Beratungen des Kabinetts vom Dienstag, als die Vorbereitungen für die Rückkehr zum Wechselbetrieb in vollem Gange waren, hatte Kretschmann auf die Gefahr hingewiesen, dass sich Mutationen auch in Baden-Württemberg verbreiten: „Das kann zu drastischen Maßnahmen führen.“ Seine Herausforderin und CDU-Spitzenkandidatin bekannte gestern Abend auf einer digitalen Veranstaltung für den Wahlkreis Lörrach, sie könne gegenwärtig „nicht sagen, was am Montag passiert“. Es gehöre zu den großen Herausforderungen in der Pandemie, dass immer wieder kurzfristig Pläne verändert werden müssten. Nach einer gründlichen Analyse der Proben aus Freiburg werde sie gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten das weitere Vorgehen beraten und dann schnellstmöglich informieren, um ausreichend Spielraum zur Umsetzung zu eröffnen.

Wie sind die Reaktionen auf die Verschiebung?

In ersten Stellungnahme der Bildungsverbände und der Gewerkschaften gibt es viel Zustimmung. Es sei zu begrüßen, so Martin Gross, der Verdi-Landeschef, „dass die Landesregierung den Mut hat, die Öffnung nochmals zu verschieben“. Vor einer neuen Entscheidung müssten die Schutzmaßnahmen verbindlich geregelt werden. Der Verband und Bildung und Erziehung (VBE) verlangt, eine flächendeckende Versorgung aller Kitas und Grundschulen mit FFP2-Masken sicherzustellen. Monika Stein, die neue Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), bringt eine mittelfristige Planung ins Gespräch: „Angesichts der schwer einzuschätzenden Gefahr durch Virusmutationen sollten die Kitas und Schulen frühestens wieder nach der Fastnachtspause am 22. Februar öffnen.“ Niemand könne in der aktuellen Lage einsehen, „warum man nicht noch zwei Wochen abwartet, so wie es die Länder vereinbart hatten“, kritisierte Eisenmanns Vorgänger im Kultusministerium und SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Sein Grünen-Kollege Andreas Schwarz nimmt auch die Eltern in den Blick, die auf eine Öffnung gehofft hatten. Er bedaure sehr, dass auf die Familien „jetzt erneut Abwarten und Ungewissheit zukommt“. Die Vertagung sei jedoch „absolut richtig, denn Prävention und Gesundheitsschutz haben Vorrang“.

Wie ist die Lage in Freiburg?

Laut der Diakonie Baden besteht in einer Kindertagesstätte bei 14 Erzieherinnen und zehn Kindern der Verdacht auf eine Infektion mit einer mutierten Variante des Coronavirus. Schon vor etwa zwei Wochen habe es den ersten Verdachtsfall gegeben, erst gestern Mittag habe das Gesundheitsamt aber darüber informiert, dass Hinweise auf eine Corona-Mutante festgestellt worden seien. Der Ausbruch geht nach Erkenntnissen der Diakonie auf einen Erzieher zurück, der zunächst keine Symptome hatte. „Als er unter Geschmacksverlust litt und sich sofort testen ließ, hatte er das Virus schon weitergegeben“, teilte ein Sprecher am Abend in Karlsruhe mit. Die betroffene Kita ist eine von zehn Einrichtungen des Diakonischen Werks Freiburg. „Das Hygienekonzept sieht vor“, so ein Sprecher, „dass sich die Gruppen nie begegnen.“ Die gute Nachricht sei, dass dieses Hygienekonzept funktioniert habe.

Wie viele Fälle von Infizierungen mit den Mutationen sind bekannt?

Im Land ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums bis zum Montagabend bei mindestens 34 Reiserückkehrern oder deren engen Kontaktpersonen eine Virusmutation nachgewiesen worden, ohne die Freiburger Fälle. Um mehr Erkenntnisse zu gewinnen, will das Land über die Bestrebungen des Bundes hinaus viel stärker bisher in eigener Verantwortung nach Virusmutationen fahnden. Deshalb würden möglichst zügig, so Sozialminister Manfred Lucha (Grüne), alle positiv getesteten Proben auf die bekannten Virusvarianten untersucht. Insgesamt gibt es mehr als 286000 registrierte Corona-Infektionen.


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