Nach 126 Jahren: Keine Sängerlust mehr in Lichtental

Baden-Baden (co) – Nach 126 Jahren wird es keine Sängerlust mehr in Lichtental geben: Weil der Nachwuchs fehlt, löst sich der Verein am Freitag auf.

Beim Jahreskonzert (hier ein Foto von 2010) machen die Sänger Lust auf mehr. Foto: Conny Hecker-Stock

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Beim Jahreskonzert (hier ein Foto von 2010) machen die Sänger Lust auf mehr. Foto: Conny Hecker-Stock

Der Gesangverein Sängerlust Lichtental kann mit seinen 126 Jahren auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Wenn bei der Jahresversammlung am Freitag die Auflösung ansteht, geht damit eine Ära zu Ende.

Es war am Samstag, 8. Dezember 1894, als in Lichental der Männergesangverein Sängerlust gegründet wurde. Es gab zwar bereits einige gleichgesinnte Vereine in der Stadt, doch im sangesfreudigen ausgehenden 19. Jahrhundert bestand Bedarf an Gesangvereinen. So trafen sich 20 Männer aus Lichtental und Oberbeuern im Grünen Baum, um eine Satzung auszuarbeiten, und luden alle Interessierten zu dem Arbeiter-Gesangverein ein. Der Monatsbeitrag betrug 25 Pfennige, und es gab damals schon Ärger mit unpünktlichen Sangesbrüdern. Drei Tage lang wurde mit einem großen Volksfest 1903 die Fahnenweihe gefeiert, überhaupt wurde die Geselligkeit groß geschrieben im Verein mit zahlreichen Ausflügen und Festen.

Josef Vorbach (Zweiter von rechts) leitete nicht nur den Verein, sondern auch die Laienspielgruppe. Foto: Conny Hecker-Stock

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Josef Vorbach (Zweiter von rechts) leitete nicht nur den Verein, sondern auch die Laienspielgruppe. Foto: Conny Hecker-Stock

In den letzten Jahrzehnten gab es nur wenige Dirigentenwechsel. So übernahm Kurt Keilhauer 1973 das Amt von Paul Grund, der es zuvor neun Jahre lang innehatte. 13 Jahre hindurch leitete er den Chor, der inzwischen durch Integration des ursprünglich eigenständigen Frauenchores zum großen gemischten Chor angewachsen war. Seit Anfang 1987 bis heute steht Albin Späth als bewährter Leiter am Dirigentenpult. In seine Zeit fielen Highlights wie die Teilnahme am Chorfest in Berlin 2003 oder am Landesmusikfestival Bietigheim-Bissingen 2008 und der große Jubiläumsabend zum 125-jährigen Bestehen 2019. Zur festen Tradition gehörten das Mai-Singen, Auftritte im Krankenhaus und in Altenheimen, Auftritte bei befreundeten Vereinen sowie die Umrahmung der Jahresfeier des VdK-Sozialverbandes oder des Blindenvereins. Eigene Konzert- und Liederabende, meist im Löwensaal, wurden seit 2005 alle zwei Jahre bereichert durch bodenständige Theaterstücke, selbst inszeniert und einstudiert von der vereinseigenen Theaterspielgruppe.

Durchschnittsalter zu hoch

Deren Leiter war der langjährige Vorsitzende Josef Vorbach, nach dessen überraschendem Tod nun nichts mehr ist, wie es einmal war. Die Auflösung des traditionsreichen Vereins wurde bereits im letzten Jahr beschlossen. Größere Auftritte seien schon längere Zeit nicht mehr möglich, sagt Schriftführerin Nicole Vorbach. Das Durchschnittsalter der 19 aktiven Chormitglieder sei einfach zu hoch.

„Ich bin mit 48 Jahren die Jüngste, dann geht es steil nach oben bis 80 aufwärts“ bringt sie das Problem auf den Punkt. In dem Alter lasse auch die Stimme nach, zudem seien Ausfälle vorprogrammiert. Deshalb habe man sich nun schweren Herzens zu dem Schritt der Auflösung entschlossen „solange wir noch in guter Erinnerung bleiben“.

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Erstellt:
31. August 2021, 12:30 Uhr
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