Nach Großbrand: Pilzverarbeiter Frihol produziert wieder

Bühl (marv) – Die bei einem der größten Bühler Brände der vergangenen Jahre komplett zerstörte Firma Frihol startet am Mittwoch oder Donnerstag wieder mit der Produktion. Im Oberkircher Ortsteil Tiergarten hat das pilzverarbeitende Unternehmen eine Produktionsstätte angemietet.

In der Bühler Daimlerstraße sind elf evakuierte Frihol-Mitarbeiter vorübergehend untergekommen.  Foto: Lauser

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In der Bühler Daimlerstraße sind elf evakuierte Frihol-Mitarbeiter vorübergehend untergekommen. Foto: Lauser

Dass die vergangenen Tage Nerven gekostet haben, ist den Beteiligten anzusehen. Acht Mitarbeiterinnen, zwei Mitarbeiter sowie Frihol-Geschäftsführer Changhwan Ahn und seine Ehefrau mussten in der Nacht und den frühen Morgenstunden des 1. Mai mitansehen, wie ihre Arbeitsstätte, ihre Wohnungen sowie ein Großteil ihres Hab und Guts den Flammen zum Opfer fiel.
Mit Flip-Flops oder Hausschuhen an den Füßen und nur im Nachthemd oder Schlafanzug bekleidet hat jeder von ihnen andere Dinge zurücklassen müssen, nachdem die Einsatzkräfte sie mitten in der Nacht geweckt hatten. Bei der einen ist es das Geschenk des Ex-Freundes, einer anderen das Portemonnaie samt Bankkarte und Ausweis, eine neue Armbanduhr oder ein Tablet oder Laptop.

Die langjährige Frihol-Mitarbeiterin Lyubka Barzakova hat durch die Aufregung am Brandtag einen Schock erlitten, mittlerweile geht es ihr besser.  Foto: Lauser

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Die langjährige Frihol-Mitarbeiterin Lyubka Barzakova hat durch die Aufregung am Brandtag einen Schock erlitten, mittlerweile geht es ihr besser. Foto: Lauser

In dem bei dem Großbrand zu Monatsbeginn vollständig zerstörten Frihol-Gebäude in Oberbruch (wir berichteten) haben außer dem Ehepaar Ahn noch eine Verwaltungsmitarbeiterin aus China, ein Mitarbeiter aus Polen sowie neun bulgarische Angestellte gewohnt und gearbeitet. Stellvertretend für die anderen Opfer des Großbrands, von dem glücklicherweise niemand bleibende Schäden davontrug, kommen im BT nun drei der Evakuierten zu Wort. Lyubka Barzakova, ihre Tochter Tsvetomira und deren Arbeitskollegin Nina Nikolina Kraychewa haben sich in der von der Stadt Bühl bereitgestellten Notunterkunft in der Daimlerstraße Zeit genommen. „Davon haben wir derzeit zu viel, man denkt dann den ganzen Tag an das Erlebte und was hätte passieren können. Wir würden gerne wieder arbeiten“, übersetzt Frihol-Mitarbeiter Xavier Schalla, der wenige Minuten nach Ausbruch des Feuers auf dem Firmengelände war, eine der Frauen.

„Daran arbeiten wir auf Hochtouren“, sagt Carmine Parise, Vertriebsleiter von Frihol und zuständig für die Logistik, telefonisch. Nach seiner Auskunft hat das pilzverarbeitende Unternehmen nun Übergangsbüros und auch eine temporäre Produktionsstätte gefunden. Die Verwaltung des Unternehmens ist demnach für einen Monat in Seminarräumen der ZG in Vimbuch untergekommen.

Heute oder Morgen soll auch die Produktion wieder anlaufen, sagt Schalla, der sich bei Frihol um den Wareneingang und vorrangig um Waldpilze kümmert. Dazu habe man Lager- und Kühlfläche bei Eckenfels Fruchthandel im Oberkircher Ortsteil Tiergarten angemietet. „Wir stellen Frihol außerdem eine Foliermaschine sowie einen Mitarbeiter, der diese bedient, zur Verfügung, bestätigte Martin Eckenfels am Dienstag telefonisch. Schalla schildert, dass die Teamleiter gemeinsam mit Geschäftsführer Ahn seit dem Brand quasi jeden Tag im Einsatz gewesen sind, um schnellstmöglich wieder produzieren zu können.

Hat bei dem Großbrand unter anderem ihren Ausweis und ihre Bankkarte verloren: Nina Nikolina Kraychewa, die seit zwölf Jahren bei Frihol arbeitet.  Foto: Lauser

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Hat bei dem Großbrand unter anderem ihren Ausweis und ihre Bankkarte verloren: Nina Nikolina Kraychewa, die seit zwölf Jahren bei Frihol arbeitet. Foto: Lauser

Für die 45-jährige Kraychewa, die seit zwölf Jahren bei Frihol arbeitet, steht, sofern sie die benötigten Dokumente von der Ausländerbehörde erhält, am Freitag erst mal eine Reise zum Generalkonsulat der Republik Bulgarien nach München an, um einen neuen Ausweis zu beantragen. Ihr alter ist den Flammen zum Opfer gefallen. Da sie bei ihrem Termin im Konsulat zwei Zeugen braucht, fallen in der dann wieder angelaufenen Produktion mindestens drei Mitarbeiter aus.

Die 24-jährige Tsvetomira Barzakova hat bei dem Brand unter anderem zwei Armbanduhren in den Flammen zurücklassen müssen.  Foto: Lauser

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Die 24-jährige Tsvetomira Barzakova hat bei dem Brand unter anderem zwei Armbanduhren in den Flammen zurücklassen müssen. Foto: Lauser

Tsvetomira Barzakova, die eine Ausbildung zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten macht und seit einem Jahr bei Frihol arbeitet, lebt nun mit ihrer Mutter Lyubka und einer weiteren Frau in einem Dreierzimmer. Trotz des Sachschadens in Millionenhöhe und dem Schock, den die 45-jährige Lyubka Barzakova erlitten hat, die am Tag des Brands ohnmächtig geworden war und ins Krankenhaus musste, blicken die Frihol-Angestellten optimistisch in die Zukunft. Sie sind „voller Tatendrang“ und „sehr dankbar“ für die Hilfe aller Beteiligten. Die Unterstützung durch die Einsatzkräfte, allen voran der von Günter Dußmann geleiteten Feuerwehr, findet Frihol-Vertriebsleiter Parise „phänomenal“. Im Namen aller Evakuierten bedankte sich auch Schalla bei den Rotkreuzlern und dem Ordnungsamt der Stadt Bühl, die die obdachlos gewordenen Mitarbeiter mit der Notunterkunft, Kleidung und Essen versorgt haben.

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Erstellt:
12. Mai 2020, 21:30 Uhr
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