Kurstädter Apotheker helfen sich bei Immunkarten selbst

Baden-Baden (BNN) – Wer geimpft oder genesen ist, kann sich eine Immunkarte erstellen lassen. Das machte den Apothekern häufiger Probleme – auch in Baden-Baden.

Die Immunkarte verkaufen Baden-Badener Apotheker seit dem vergangenen Jahr. Sie bildet das Impfzertifikat ab und ersetzt damit das Smartphone. Symbolfoto: Peter Kneffel/picture alliance/dpa

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Die Immunkarte verkaufen Baden-Badener Apotheker seit dem vergangenen Jahr. Sie bildet das Impfzertifikat ab und ersetzt damit das Smartphone. Symbolfoto: Peter Kneffel/picture alliance/dpa

Die Apotheker in Baden-Baden haben seit Beginn der Pandemie viel Arbeit. Sie testen auf das Coronavirus und stellen Impfzertifikate aus. Bei Letzterem gab es immer wieder Ärger – vor allem mit den blauen Immunkarten. Einige Apotheker drucken diese jetzt selbst.

Das gelbe Impfheft hat ausgedient. Seit Dezember benötigen Baden-Württemberger ein Zertifikat mit QR-Code, um sich als „corona-immun“ auszuweisen. Das Landessozialministerium will so Fälschungen verhindern. Denn: Es sei schwerer, die Codes zu manipulieren. Der QR-Code wird meist in einer App auf dem Handy gespeichert. Eine Alternative sind blaue Scheckkarten, die Immunkarten heißen. Der Code steht hier auf der Rückseite. Sie ersetzen das Smartphone.

Die Idee der Scheckkarten kommt von der Start-up-Firma ‍APO Pharma Immun aus Leipzig. Sie kooperiert auch mit Apothekern aus Baden-Baden – die verkaufen die Immunkarte an ihre Kunden. Die blaue Karte kostet rund zehn Euro.

Apotheker druckt wegen langer Wartezeiten selbst aus

Ralph Thomas, Apotheker aus Baden-Baden, arbeitete mit dem Anbieter zusammen. Er betreibt die Apotheke im Kaiserhof. Anfangs wartete er nach eigenen Angaben vier bis fünf Tage auf die Scheckkarten. Als die Nachfrage stieg, habe es mehrere Wochen, bis die Post die Karten zugestellt habe. Und dann seien etwa ein Drittel der Bestellungen gar nicht mehr angekommen. Zu diesem Zeitpunkt bestellte er etwa 20 Karten pro Tag. „Die Impfzertifikate sind auf dem Postweg verschwunden“, sagt Thomas. Zahlreiche Kunden beschwerten sich bei ihm. Er reklamierte die Lieferprobleme beim Anbieter – der stellte neue Karten aus. Damit so etwas nicht nochmal passiert, druckt der Apotheker die Karten jetzt selbst. Dafür benutzt er seinen Laserdrucker. Die Rohlinge kauft er bei einem anderen Hersteller. „Es gibt mittlerweile mehrere Firmen, die Immunkarten vertreiben“, sagt er. Seine Scheckkarten sind dünner als das Original aus Leipzig. Darum bietet er seinen Kunden eine Schutzhülle an.

Genauso macht es auch Sabine Hartje, Inhaberin der Kreuz- und der Augusta-Apotheke. Seit Januar stellt sie die Karten ebenfalls selbst her. Für knapp 900 Euro kaufte sie einen Laserdrucker. „Es beschwerten sich immer wieder Kunden, dass Karten nicht geliefert wurden“, sagt sie. Laut Hartje lief die Bestellung der Karten über die Internetseite der Leipziger Firma. „Im Online-Portal stand nur, dass die Immunkarten versandt wurden“, sagt sie. Andere Infos bekam sie nicht. Hartje vermutet, dass die hohe Nachfrage den Hersteller überlastete. Als die gelben Impfhefte als Nachweis wegfielen, brauchten viele Menschen Ersatz. Im Dezember standen die Kunden Schlange.

Lieferungen kommen inzwischen zuverlässig

Lena Hammen, Inhaberin der Bernardus-Apotheke, kooperiert weiterhin mit dem externen Anbieter. Denn: Seit einiger Zeit kommen alle Bestellungen an. Darum hält Hammen einen Wechsel nicht für notwendig. „Ich bleibe bei dem System“, sagt sie. Sie kennt die Lieferprobleme. Für eine Kundin musste sie die Karte zweimal nachbestellen. „Im Dezember hatten wir Probleme“, sagt Hammen. Mittlerweile habe sich die Lage entspannt.

Die Leipziger Firma versende die Karten hauptsächlich mit der Deutschen Post – das bestätigt Geschäftsführer Tamim Al-Marie auf Anfrage. Einen Teil liefere sie mit regionalen Dienstleistern. „Ich vertraue dem Deutschen Postsystem, dass keine Briefe auf dem Postweg verschwinden“, sagt Al-Marie. Er nennt zwei mögliche Gründe für die Lieferprobleme: Die Post stellt die Karten wegen Tippfehlern in der Adresse nicht zu. Oder sie liefert das Paket trotz korrekter Adresse nicht aus. „Die genauen Gründe dafür sind für uns leider nicht im Einzelfall nachvollziehbar“, sagt er. In beiden Fällen gehen die Pakete an den Hersteller zurück. Ob das auch bei den Bestellungen aus Baden-Baden so war, sagt Al-Marie nicht.

Firma bittet um Storno und Neubestellung

Die Firma bitte Apotheker, Karten zu stornieren und neu zu ordern, wenn sie nach sieben Werktagen nicht beim Kunden ankämen. Dadurch verkürze sich die Wartezeit, wenn Bestellungen an den Hersteller zurückgingen. Fakt ist: Der QR-Code bleibt gleich, er wird vom Robert Koch-Institut ausgestellt. Bei einer Retoure wird er lediglich neu abgedruckt. Die Immunkarte ist kein Zertifikat – das ist der Code. Darum ist sie nur in Kombination mit dem Personalausweis gültig.

Außerdem stehen der Name des Kartenträgers, Geburtsdatum, die persönliche Kundennummer und das Datum der vollständigen Impfung auf der Scheckkarte. Beim Verlust könnten Dritte die Daten und den Nachweis missbrauchen. Bisher sind der Polizei noch keine Fälle bekannt, bei denen Baden-Badener ihre Immunkarte als „verloren“ meldeten. Auch gefälschte Karten seien noch nicht aufgetaucht, heißt es vom Polizeipräsidium in Offenburg. Trotzdem könnten Kartenbesitzer den Verlust ihrer Karte mitteilen, weil sie über eine Nummer verfüge.

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Ihr Autor

unserer Mitarbeiterin Karoline Scharfe

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Erstellt:
14. Februar 2022, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 30sec

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