Nach Unfall in Bietigheim entlastet

Rastatt (up) – Er war angeklagt wegen Unfallflucht, doch weder passte das Schadensbild noch die Farbe seines Rollers: Das Amtsgericht Rastatt sprach einen 30-jährigen Muggensturmer frei.

Mit einem Freispruch des Amtsgerichts Rastatt endete das Verfahren wegen angeblicher Unfallflucht gegen einen 30-Jährigen. Foto: Uli Deck/dpa

© dpa

Mit einem Freispruch des Amtsgerichts Rastatt endete das Verfahren wegen angeblicher Unfallflucht gegen einen 30-Jährigen. Foto: Uli Deck/dpa

Das Amtsgericht Rastatt hat einen 30 Jahre alten Mann aus Muggensturm von dem Vorwurf freigesprochen, er habe sich unerlaubt von einem Unfallort entfernt. Unmittelbar zuvor hatte ein Gutachter festgestellt, dass die entstandenen Schäden an einem involvierten Pkw „nicht mit den Beschädigungen an dem Roller des Angeklagten in Einklang zu bringen sind“.

„Zwischen dem Moped des Beschuldigten und dem beschädigten Auto kann es nicht zu einem Unfall gekommen sein“, stellte der Gutachter fest. In seinem Plädoyer räumte denn auch der Staatsanwalt ein, dass sich die Anklage in der Beweisaufnahme nicht hatte erhärten lassen. Richter Christoph Schaust sprach den Beschuldigten frei.

Dem Auszubildenden war vorgeworfen worden, er habe mit seinem Zweirad im vergangenen Februar in Bietigheim einen Suzuki Swift touchiert und daran einen Schaden von fast 700 Euro verursacht. Zudem sei er nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis und sein Roller nicht versichert gewesen. Als Zeuge wurde neben anderen der Suzuki-Fahrer gehört, der dem Gericht schilderte, wie ein schwarzer, mit zwei Personen besetzter Roller ihm zunächst begegnete, dann umdrehte und anschließend von hinten auf die Stoßstange seines Autos aufgefahren war.

Zweirad war nicht fahrtüchtig

Es sei auch möglich, dass der Rollerfahrer mit dem Fuß nach seinem Auto getreten habe. Den Angeklagten habe er dabei nicht erkannt. Die Mutter des Angeklagten war ebenfalls als Zeugin geladen. Die 52-Jährige sagte aus, ihr Sohn habe am Tag des Vorfalls, einem Sonntag, gegen 15.45 Uhr zu Hause geschlafen. Sie sei sich ganz sicher, weil sie den Tag anhand ihrer Facebook-Einträge genau rekonstruieren könne. Außerdem sei der Roller zu diesem Zeitpunkt seit Monaten nicht mehr fahrtüchtig gewesen und habe seit Längerem zwischen Mülltonnen gestanden. Etwa eine Woche nach dem Vorfall sei die Polizei bei der Familie erschienen, auch die Beamten hätten es damals nicht geschafft, das Zweirad zu starten. Die Aussage der Mutter wurde bestätigt vom Bruder des Angeklagten. Der versicherte dem Gericht, sein Bruder und er hätten in der Nacht vor dem Vorfall gemeinsam mit einem Freund Computerspiele gespielt. Ein weiteres Argument für den Freispruch war, dass der Roller des Angeklagten blau ist, der Geschädigte aber einen schwarzen Roller erkannt hatte.

Eine Strafe von 150 Euro verhängte der Richter gegen den Zeugen, der den Beschuldigten als Unfallverursacher erkannt haben wollte. Der Mann war trotz des erheblichen Gewichts seiner Aussage nicht zur Verhandlung erschienen.

Zum Artikel

Erstellt:
7. November 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.