Nach der „Goldhochzeit“: Nur noch zeichnen

Baden-Baden (co) – Es ist ein Paukenschlag für die Musikkapelle Lichtental: Nach 52 Jahren gibt Dirigent Jürgen Ramin den Stab weiter. Nun ist der Vorstand auf der Suche nach einem Nachfolger.

Jürgen Ramin (hier mit Trompeter Walter Scholz) gibt nach 52 Jahren den Dirigentenstab in Lichtental weiter. Foto: Conny Hecker-Stock

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Jürgen Ramin (hier mit Trompeter Walter Scholz) gibt nach 52 Jahren den Dirigentenstab in Lichtental weiter. Foto: Conny Hecker-Stock

„Im Grunde sind es 51 Jahre, während Corona gab es ja nicht viel zu proben“ sagt Jürgen Ramin im BT-Gespräch und räumt ein, im Nachhinein wäre ein Abtreten zum 50-jährigen Dirigentenjubiläum am sinnvollsten gewesen. Denn nach einer Augenoperation habe er seit einiger Zeit Schwierigkeiten gehabt, die Partitur richtig zu sehen, und damit seien die Proben für ihn sehr beschwerlich geworden. „Es ist auch an der Zeit, dass etwas Neues passiert“, gibt er den Weg frei für einen potenziellen Nachfolger. Den zu finden wird jedoch keine leichte Aufgabe für den Vorstand werden. Ende Oktober hatte Jürgen Ramin über seinen Entschluss informiert.

„Wir sind wahnsinnig dankbar dafür, was Jürgen Ramin für unseren Verein geleistet hat, und haben allen Respekt vor seiner Entscheidung“ formuliert Pressesprecher Holger Fischer die Emotionen von Vorstandsseite. Der Verein sei 52 Jahre verwöhnt worden mit ein und demselben Mann am Pult „wir wissen gar nicht, wie das geht, einen neuen Dirigenten zu suchen“ flachst Fischer. Doch es laufen bereits Sondierungsgespräche, unter anderem mit Musikern der Philharmonie Baden-Baden.

Abschlusskonzert verschoben

Das Weihnachtskonzert am 11. Dezember sollte Ramins letzter Auftritt mit „seiner“ Trachtenkapelle sein, die ihn gebührend verabschieden sollte. Doch nun machte Corona auch aus dieser Planung Makulatur. „Die Verabschiedung des langjährigen Dirigenten Jürgen Ramin muss somit auch verschoben werden. Die Absage geschieht schweren Herzens, ist aber aufgrund der Verantwortung des Vereins gegenüber Musikern und Publikum unumgänglich“, ließ der Verein kürzlich wissen.

Nun liegt eine längere Zeit ohne Konzerte vor den Musikern, sodass die Suche nach einem adäquaten Nachfolger nicht übers Knie gebrochen werden muss. Es gibt bereits einen Übergangsdirigenten, damit die Aktiven nicht in der Luft hängen. Er ist SWR-Musikredakteur, studierter Musiker und hat bereits in der Lichtentaler Trachtenkapelle gespielt. Auch der MVL-Vorsitzende Christian Riese sieht es als nicht leicht an, für einen musikalischen Hochkaräter wie Ramin, dem der Verein zu großem Dank verpflichtet sei, Ersatz zu finden. Er ist ebenfalls froh über die konzertfreien nächsten Monate, die genügend Zeit lassen, sich der Suche ohne Stress zu widmen.

„Das ist wie eine lange Ehe“

Ramin selbst fühlt sich durch seine Entscheidung erleichtert und von einem zuletzt doch großen Druck befreit, der ihn etwas gestresst habe. Natürlich wird er dem MVL weiterhin eng verbunden bleiben „das ist wie eine lange Ehe, sogar die goldene Hochzeit haben wir geschafft“. Langweilig wird es ihm jedenfalls nicht werden. Der 85-Jährige möchte wieder an sein erstes Studium der Malerei anknüpfen. Einige Sachen im Haus hat er bereits selbst gestaltet und verweist auf zwei Modellzeichnungen aus Packpapier, einem jungen Mädchen und einer älteren Frau. Porträts hat er immer gerne gezeichnet, aber auch Karikaturen „da gehen mir die Ideen nie aus“.

Sein guter Freund Walter Scholz klopft ab und zu an, was er denn als Überraschung für seine Silvia gestalten könnte. Das Zeichnen fasziniert Ramin seit seinen Jugendjahren und hat ihn nie losgelassen, doch er hat auch schon fantastische Ideen für Bühnenbilder oder eben häusliche Gestaltung umgesetzt, wofür ihm jetzt viel Muße bleibt.

Ihr Autor

BT-Mitarbeiterin Conny Hecker-Stock

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Erstellt:
26. November 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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