Nachfrage nach Ostereiern riesig

Ottersweier (mig) – Allein in Ottersweier gibt es sechs Legehennen-Betriebe. Um Ostern können sie die Nachfrage kaum decken. Das BT hat sich bei den Produzenten in der Region umgehört.

Der Laufbachhof lässt viele seiner Riesen-Eier färben.   Foto: Michaela Gabriel

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Der Laufbachhof lässt viele seiner Riesen-Eier färben. Foto: Michaela Gabriel

Irgendwo muss da ein Nest sein … Kein Osternest, sondern ein Nest von Eierproduzenten. Ottersweier heißt es – und dort halten mindestens sechs Betriebe Legehennen. Wie schaffen die das, jetzt vor Ostern, wo alle wild auf Eier sind?
„Dieses Jahr legen unsere Hühner zu Ostern sehr gut!“, freut sich Marianne Glaser vom Hofladen des Aspichhofs. Das sei kein Scherz. Es sei fast so, als wüssten die 280 Legehennen, dass Ostern ist. Trotzdem macht sich Marianne Glaser keine Hoffnung, den Mehrbedarf decken zu können: „Vor Ostern sind es immer zu wenig.“ Die braunen Hennen leben in drei Abteilungen mit Sitzstangen und Lege-Nestern in Bodenhaltung und haben einen überdachtem Auslauf.

Fünf weitere Landwirte in Ottersweier halten bis zu mehrere tausend Hühner. Größter Eierproduzent ist vielleicht der Laufbachhof mit drei Ställen in Haft und Bühl-Moos. Die Eier aus Bodenhaltung gibt es unter anderem in sieben ZG-Märkten von Appenweier bis Sinzheim zu kaufen. Auf Bändern laufen sie zum automatischen Sortieren und werden palettenweise von Familie Pfeifer und ihren Helfern aufgesetzt. „Am Gründonnerstag laufen die Bänder auch mal rund um die Uhr“, erzählt Gertrud Pfeifer. Dieses Jahr sei die Lage jedoch entspannter als sonst. Viele Gastronomiebetriebe fielen als Abnehmer aus, weil sie nicht öffnen dürfen. So lasse sich die erhöhte Nachfrage der Privathaushalte gut befriedigen.

Die Hühner vom Aspichhof legen sehr gut.  Foto: Michaela Gabriel

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Die Hühner vom Aspichhof legen sehr gut. Foto: Michaela Gabriel

Ein großer Eierlieferant für Gaststätten und den Einzelhandel ist der Hof Schababerle in Ottersweier. Der Hühnerstall im Ortsteil Specklach ist mit Sitzstangen und Lege-Nestern ausgestattet, im überdachten Auslauf wird gescharrt. „Da die Gaststätten zur Zeit geschlossen haben, stehen uns die Eier für den gestiegenen Bedarf beim Einzelhandel und dem Verkauf im Hofladen zur Verfügung“, sagt Wilfried Schababerle, spricht aber von „erschwerten Verkaufsbedingungen“. Der Verkauf von Ostereiern wird nach seiner Einschätzung geringer ausfallen als in anderen Jahren: „Wenn die persönlichen Kontakte auch in der Familie ausbleiben sollen, werden wohl auch weniger Eier verschenkt werden.“

„Ich brauche weniger gefärbte Eier als sonst“, sagt auch Marina Hertweck aus Bühl auf dem Bühler Wochenmarkt. Kein Besuch, keine Besuche zu Ostern, das heiße: keine Geschenke und weniger Ostereierbedarf. Das sieht eine andere Wochenmarkt-Besucherin ganz anders. „Was? Ostern fällt doch nicht aus!“ Azucena Wolf aus Bühl spart nicht an Ostereiern beim Einkauf auf dem Bühler Wochenmarkt: „Wir machen Osternester wie immer für unsere Kinder und für die Nichten und Neffen“, sagt sie. Die verstecke sie im Garten und stelle sie ihrer Verwandtschaft vor die Tür. „Das geht trotz Corona“, sagt sie überzeugt. Man müsse nicht auf alles verzichten, schon gar nicht auf das Schenken aus Freude.

Viel los ist auf dem Bühler Wochenmarkt kurz vor Ostern. Nico Wörner (rechts) bietet Martina Hertweck Ostereier an.  Foto: Michaela Gabriel

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Viel los ist auf dem Bühler Wochenmarkt kurz vor Ostern. Nico Wörner (rechts) bietet Martina Hertweck Ostereier an. Foto: Michaela Gabriel

Nico Wörner am Stand des Obsthofes Wörner aus Urloffen hat kurz vor Ostern mehr weiße als braune Eier dabei. „Mein Lieferant regelt das, indem er mehr weiße Hühner in den Stall stellt“, erklärt er. Die gefärbten Eier beziehe er vom Adamshof in der Pfalz – eine bei allen kommerziellen Hühnerhaltern bekannte Adresse.

Auch Nicole Fuchs vom Eckgrabenhof in Ottersweier lässt die Eier ihrer 2000 Hennen in Bodenhaltung im pfälzischen Kandel färben. Dazu nimmt sie einige Zeit vor Ostern die weißen Eier beiseite, weil die gefärbt einfach schöner aussehen. Sie fährt mit ihnen die 50 Minuten zum Adamshof und verfolgt dort ihre Reise durch Dampfstraße, Färbemaschine und Trockenschrank. Das Ergebnis sitzt dann auf einen großen Stapel an ihrem Wochenmarkt-Stand: harte Eier in lila, orange, grün, gelb, rosa und blau.

„An Ostern werden weiße Eier verlangt, auch wenn die Kunden das ganze Jahr über braune Eier kaufen“, das wundert Hans Bartelme vom Banater-Hof in Rheinau-Honau. Er verkauft auf dem Bühler Wochenmarkt Bio-Eier von 2500 Hennen, die auf einer Wiese gackern. „Wir haben keine weißen Eier – nie!“, sagt er den fragenden Kunden. Vor Ostern sei er trotz Corona „ein bisschen geplündert“ worden.

Zum Thema: Bodenhaltung – ein weit gefasster Begriff

In Mittelbaden gibt es ein „Nest“ von Legehennen-Betrieben. Neben den mindestens sechs in Ottersweier, die ihre Eier alle direkt vermarkten, sitzen weitere regionale Produzenten in Baden-Baden, Sinzheim und in Weitenung. Viele Verbraucher achten auf die Halteform, wissen aber nicht, dass „Bodenhaltung“ (Kennziffer 2 an erster Stelle auf dem Eierstempel) ein weiter Begriff ist: Idealerweise leben Gruppen von unter 100 Tieren in großzügigen Ställen auf Stroh und dürfen im überdachten Auslauf scharren. Im für die Tiere keinesfalls idealen Fall stehen in „Bodenhaltung“ tausende Hennen in einer Halle ohne Auslauf, die nur teilweise mit Streu ausgelegt ist. „Freilandhaltung“ oder die Kennziffer 1 darf erst dann auf dem Ei stehen, wenn es einen Auslauf gibt, in dem jedes Huhn mindestens vier Quadratmeter Platz vorfindet. Bis zu sechs Hühner in Bio-Haltung (Eier-Kennziffer 0) dürfen im Stall auf einem Quadratmeter wohnen und müssen den Auslauf haben wie Hühner in Freilandhaltung, werden aber mit ökologisch angebautem Getreide gefüttert. Wo die Kennziffer 3 auf den Eiern steht, steckt Käfighaltung dahinter bzw. die abgewandelte Form: Kleingruppen in Stapelkäfigen.

Zum Thema: Scharf oder in Buttersauce

Wie wäre es mit einem Brotaufstrich aus Ostereiern? Dazu werden drei hart gekochte Eier geschält und klein geschnitten, ebenso eine kleine Zwiebel und vier kleine Essiggurken. Dazu gibt man je zwei Esslöffel Joghurt und Mayonnaise und drei Esslöffel Sauerrahm. Das ganze wird püriert und mit einer Prise Zucker, einem Schuss Essig, Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Wer will, kann über das Ostereierbrot klein gehackte Petersilie streuen. Außerdem schmecken geschälte und halbierte Ostereier in Buttersoße mit Zitronensaft und Sauerrahm. Dazu passen Salzkartoffeln. Ostereier machen sich klein geschnitten auch im Kartoffelsalat und im Spargelsalat gut. Wer es pikant liebt, der kann im Stile „Russischer Eier“ die Dotter mit scharfem Senf, Mayonnaise, Salz, Pfeffer, Tabasco und Chilipulver vermischen. Die Eierhälften mit der scharfen Creme füllen. Mit Cocktail-Tomatenhälften oder Schnittlauch dekorieren.

Ihr Autor

Michaela Gabriel

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Erstellt:
8. April 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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