Nachhaltige Angebote für Bietigheimer entwickelt

Bietigheim (mak) – Über eine halbe Million Euro hat die Dr.-Jakob-Kölmel-Bürgerstiftung bereits ausgeschüttet – zum Wohl der Gemeinde und ihrer Einwohner.

Dr. Thomas Kölmel (Dritter von rechts) überreicht ein Lastenfahrrad, das Einkäufe in Essigs Dorfladen umweltfreundlich zu den Kunden im Ort bringen soll. Foto: Kölmel-Stiftung

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Dr. Thomas Kölmel (Dritter von rechts) überreicht ein Lastenfahrrad, das Einkäufe in Essigs Dorfladen umweltfreundlich zu den Kunden im Ort bringen soll. Foto: Kölmel-Stiftung

Die Dr.-Jakob-Kölmel-Bürgerstiftung stößt seit 1999 Projekte in Bietigheim an. Auf ihre Initiative geht die Gründung des Seniorenbeirats zurück, der mit zahlreichen Angeboten nicht nur ältere Bürger erreicht. Seit 2006 verleiht die Stiftung zudem am Jahresbeginn den Bürgerpreis. „Wir haben seither mindestens 500.000 Euro ausgeschüttet“, berichtet Dr. Thomas Kölmel im BT-Gespräch. Er bildet gemeinsam mit seinen vier Brüdern Klaus, Hans Wolfgang, Rainer und Michael den Stiftungsvorstand. Das Gremium verwaltet mittlerweile ein Stiftungsvermögen im sechsstelligen Bereich.
Die Idee zu einer Stiftung, deren Fokus zunächst auf den Belangen von Senioren in Bietigheim lag, hatte Dr. Thomas Kölmel aus seiner Erfahrung als Hausarzt: „Ich habe bei meinen Patienten, aber auch bei meinen Eltern gesehen, wie es ist, älter zu werden.“ Früher sei es normal gewesen, dass drei Generationen in einem Haus leben, doch das sei längst nicht mehr der Fall. Zum Gedenken an seinen Vater, der als Hausarzt von 1946 bis 1990 in Bietigheim wirkte und dessen Praxis in der Malscher Straße er übernommen hatte, gründete Thomas 1999 die Dr.-Jakob-Kölmel-Stiftung. „Wir haben dann sofort den Seniorenbeirat ins Leben gerufen und Ingrid Heck-Fütterer zur hauptamtlichen Geschäftsführerin ernannt“, blickt der 65-Jährige zurück. Zu den ersten Angeboten zählten ein Internetkurs für Senioren in Zusammenarbeit mit der Schule, ein Grundlagen-Kochkurs für Männer, Treffen für pflegende Angehörige, ein monatlicher Kaffeenachmittag und das Bewegungsprogramm „Fit in den Frühling“, das während der sechswöchigen Fastenzeit nach Fastnacht lief.

Im Jahr 2015 fusionierte die 1993 von Dieter Full gegründete Bürgerstiftung, die ebenfalls karitative Angebote für ältere Bürger förderte, mit der Dr.-Jakob-Kölmel-Stiftung, deren Name sich dadurch in Dr.-Jakob-Kölmel-Bürgerstiftung wandelte. Durch den Zusammenschluss wurde das Stiftungskapital um rund 90.000 Euro erhöht.

Finanzielle Entwicklung kann sich sehen lassen

Die finanzielle Entwicklung der Stiftung kann sich sehen lassen: Die fünf Brüder stellten den Grundstock in Höhe von 130.000 Mark zur Verfügung. Die vier Geschwister von Thomas Kölmel wohnen zwar nicht mehr in Bietigheim, sind ihrer alten Heimat aber nach wie vor verbunden: Klaus Kölmel (79) arbeitete als Professor für Dermatologie in Göttingen, Hans Wolfgang Kölmel (76) war Professor für Neurologie in Erfurt. Dr. Rainer Kölmel (73) war Filmproduzent und gründete gemeinsam mit seinem Bruder Michael den Filmverleih Kinowelt. Er lebt in München und Südfrankreich. Prof. Dr. Michael Kölmel (67)wurde unter anderem als Kinowelt-Gründer und Besitzer der Verlags- und Buchhandelsfirma Zweitausendeins bekannt. Kölmel war zudem bis 2016 Eigentümer des Leipziger Zentralstadions.

Dank einer größeren Zustiftung war es dann ab 2006 möglich, jedes Jahr im Rahmen des Neujahrsempfangs den Bürgerpreis auszuloben. Damit soll besonderes ehrenamtliches Engagement gewürdigt und gefördert werden.

Einen besonders großen Zuwachs erfuhr die Stiftung von einer alten Dame aus Gaggenau, die in der Zeitung vom Grauen-Panther-Fahrdienst und den anderen Seniorenangeboten der Kölmel-Stiftung gelesen hatte. „Sie fand unsere Aktivitäten toll und wollte uns unterstützen“, erzählt Thomas Kölmel. Sie vererbte der Stiftung rund 1,3 Millionen Euro. Die aktuelle Höhe des Stiftungskapitals möchte Kölmel nicht öffentlich machen. „Wir haben es angelegt auf zehn Jahre mit einem Zinssatz von drei Prozent, doch der Vertrag läuft nächstes Jahr aus“, verdeutlicht er. „Wir hoffen, dass sich eventuell etwas beim Stiftungsrecht ändert“, berichtet Kölmel im BT-Gespräch.

Ein Teil des Stiftungsvermögens wurde in zwei Wohnungen in der neu gebauten Villa 36 angelegt – ein Projekt, das die Stiftung angestoßen hat. In dem Mehrfamilienhaus in der Rastatter Straße wohnt mittlerweile auch Thomas Kölmel mit seiner Frau: „Als ein Interessent kurzfristig absprang, haben wir die Chance genutzt und eine Wohnung in der Villa 36 gekauft“, verdeutlicht Kölmel. Der Stiftungsrat prüft den Tätigkeitsbericht des Vorstands. Er besteht aus den ehrenamtlichen Mitgliedern Ingrid Heck-Fütterer, Rudi Doether, Christian Ohner, Anna Klischies und Stefanie Gottstein. Das Gremium trifft sich laut Kölmel etwa alle zwei Monate, er nimmt als Gast und Bindeglied zum Vorstand an den Sitzungen teil.

Zu den weiteren Projekten der Stiftung zählen der Dorfladen in der Gärtnerei Essig, die Jugendförderung der örtlichen Vereine, der Graue-Panther-Fahrdienst und die Initiative „Bietigheim vernetzt“, die 2017 ins Leben gerufen wurde: „Der Staat kümmert sich um alles, die Leute vereinzeln immer mehr, weil die Hilfe der Nachbarn nicht mehr so gebraucht wird, wie dies in früheren Zeiten noch der Fall war“, verdeutlicht Thomas Kölmel. Weitere Vorhaben sind bereits in Planung, wurden jedoch von Corona ausgebremst: „Uns gehen die Ideen nicht aus“, versichert Kölmel mit einem Schmunzeln.

Bürgermeister Constantin Braun findet es „außergewöhnlich, was die Stiftung leistet für den Ort. Das ist schon etwas Einmaliges, auf das wir stolz sein können“. Der Rathauschef hebt überdies die „pragmatische und lösungsorientierte Vorgehensweise“ der Stiftung hervor: „Da, wo der Kommune und dem Staat die Hände gebunden sind, hilft sie, das Leben der Bietigheimer besser zu gestalten.“


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