Nachhaltige Mobilitätskonzepte made in Karlsruhe

Karlsruhe (win) – Mit einem Speeddating zu Mobilität ist am Dienstag an der „Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft“ das „Baden-Württemberg Institut für Nachhaltige Mobilität“ eröffnet worden.

Nachhaltige Mobilität – das fordert unter anderem Verkehrsminister Winfried Hermann (vorne rechts). Foto: Winfried Heck

Nachhaltige Mobilität – das fordert unter anderem Verkehrsminister Winfried Hermann (vorne rechts). Foto: Winfried Heck

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ärgert sich immer wieder, dass stets Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zu Wort kommt, wenn es um das Thema Mobilität geht. „Als ob Verkehr nur etwas mit dem Auto zu tun hätte. Wir brauchen dringend eine kompetente Stimme, die für eine nachhaltige Mobilität wirbt.“ Geht es nach Hermann, dann dürften künftig verstärkt Experten aus Karlsruhe zu Wort kommen.
Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir besser unterwegs“ wurde jetzt an der „Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft“ das „Baden-Württemberg Institut für Nachhaltige Mobilität“ (BWwin) eröffnet, das künftig Wissen bündeln und unterschiedliche Forschungszweige in Sachen Mobilität vernetzen soll. „Wir wollen das Wissen endlich auf die Straße bekommen“, sagt Hermann, denn wissenschaftliche Expertisen gebe es schon genügend, ganzheitliche Lösungen fehlen hingegen noch. Es gehe eben nicht um die Förderung einzelner Verkehrsmittel, sondern um umfassende Lösungen, wie sich beispielsweise Stadtzentren weiterentwickeln könnten. Karlsruhe sei dazu der ideale Ort, denn hier habe sich in den vergangenen 20 Jahren mehr bewegt als in jeder anderen Stadt des Landes.

Vor allem mit Blick auf den Klimawandel sind die Herausforderungen enorm. Binnen 30 Jahren soll der Verkehrssektor klimaneutral werden, doch dies gehe nur mit einer Veränderung des Mobilitätsverhaltens. „Die Erwartungen an Karlsruhe sind gigantisch“, macht Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) keinen Hehl aus ihrer Hoffnung auf Lösungen, die den Menschen auch Spaß machen. „Wir wollen hier zeigen, wie es geht, und wir können das hier auch.“ Mit dem Reallabor „Go Karlsruhe“ habe die Hochschule bereits vorgemacht, wie man neue Ideen schnell einem Praxistest unterziehen kann, um anschließend „schöne, konkrete Resultate“ zu bekommen. „Aus Wissenschaft muss Praxis entstehen, doch Praxis braucht nun mal eine gute wissenschaftliche Basis.“

Auch für Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) ist das Reallabor ein Aha-Erlebnis und ein wichtiger Baustein, um in der Bevölkerung Akzeptanz für Projekte zu wecken. Nachdem gesehen wurde, wie die neuen Ideen wirken, sei der Umbau der entsprechenden Straßen leichter zu vermitteln gewesen.

Für Professor Christoph Hupfer, Motor und Taktgeber des neuen Instituts, sind Spaß und Freude dabei ganz wichtige Faktoren. Wenn man möglichst viele Menschen zum Umdenken bringen will, müsse man zeigen, dass nachhaltige Mobilität die Städte und Gemeinden wieder lebenswert und lebensfähig macht. Den Menschen müsse dieser Wechsel im Mobilitätsverhalten schlichtweg schmackhaft gemacht werden.

Bei einem „Mobility-Speed-Dating“ zeigte sich am Dienstag gleich der Praxisbezug. Auch Menschen, die keine Verkehrsexperten sind, waren aufgefordert, Ideen und Wünsche zu formulieren, die nun in die Arbeit des Instituts einfließen können. Zwischenräume zwischen Stadt und Land sollten demnach zu Zentren von Arbeit und Einkauf entwickelt werden, Musik oder speziellen Designideen könnten die Verkehrswende unterstützen. Was aus den vielfältigen Ideen wird, dürfte schon bald auf der Internetseite des Instituts nachzulesen sein.


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