„Nachtwald“-Dreh am Orgelfelsen

Gernsbach (kba) – Reichental ist im Oktober erneut filmreif: Die Kurhaus Production aus Baden-Baden dreht in dem malerischen Örtchen „Nachtwald“. Der Streifen soll Anfang 2022 in die Kinos kommen.

Einsamer Rufer: Levi Eisenblätter als Paul (links) und Max (Jonas Oeßel) streifen durch das Murgtal. Foto: Kurhaus Production

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Einsamer Rufer: Levi Eisenblätter als Paul (links) und Max (Jonas Oeßel) streifen durch das Murgtal. Foto: Kurhaus Production

Musste die Crew von „Winnetou“ noch manchmal bis nach Kroatien reisen, fand der Regisseur von „Nachtwald“, André Hörmann, seine Wildnis und unberührte Natur gleich hier vor der Haustür im Murgtal, in und um Reichental. Noch bis Mitte Oktober wird das Gebiet des 800-Seelen-Dorfs tageweise zur idyllischen Kulisse für den Kinodreh, in dem zwei zwölfjährige Jungs sich am ersten Tag der Sommerferien alleine in den Wald aufmachen – auf der Suche nach Antworten und einer geheimnisvollen Höhle.

Produziert wird „Nachtwald“ von Kurhaus Production aus Baden-Baden, deren Geschäftsführer Daniel Reich und Christoph Holthof selbst in Gaggenau aufwuchsen und im Murgtal zur Schule gingen.

In der Geschichte folgen Paul (Levi Eisenblätter) und Max (Jonas Oeßel) den Spuren von Pauls vor einem Jahr verschwundenen Vater Thomas. Dessen Darsteller Marc Limpach ist aus der Serie „Bad Banks“ bekannt. Die Spuren führen sie zu jener sagenumwobenen Höhle, die der Vater entdeckt zu haben glaubte. Doch die wenigen Aufzeichnungen des „spinnernden“ Vaters sind rätselhaft, und die Natur ist rau. Trotzdem erleben die Teenager bei ihrer Suche danach den Sommer ihres Lebens – mit vielen Abenteuern und einer außergewöhnlichen Freundschaft.

„Nachtwald“ ist ein sogenannter Buddy-Movie für Kinder und Familien, der als zehnte Produktion im Rahmen der Initiative „Der Besondere Kinderfilm“ entsteht, in Zusammenarbeit mit dem SWR Fernsehen, unter Beteiligung des NDR. Die Initiative fördert Kinderfilm-Projekte, für die es keine literarische Vorlage gibt; Geschichten also, die originär filmisch sind. Bei „Nachtwald“ stammt das Drehbuch aus der Feder der Autorin Katrin Milhahn, die es in enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur André Hörmann entwickelte und den Figuren bei all ihrer Zielstrebigkeit auch einen bezaubernden Charme verliehen hat. „Obwohl es für Paul und Max gilt, Abenteuer zu bestehen, ist das Verhältnis der Freunde immer auch von Leichtigkeit, Witz und Humor geprägt“, beschreibt Producer Norman Bernien den Spagat zwischen Spannung und Good Vibrations, den „Nachtwald“ anstrebt.

Kurhaus Production hatte die Geschichte bereits 2017 für sich entdeckt und zusammen mit André Hörmann auf den Weg gemacht. Für den Regisseur, der in München lebt, als Dokumentarfilmer Preise gewann und sich unter anderem bei der Berlinale 2019 bereits einen Namen machte, ist es der erste Spielfilm.

„Nachtwald“ soll 2022 in die Kinos kommen

Der Kinostart ist für Anfang 2022 geplant. Bis dahin ist noch ein Stück Weg. Kaum die Hälfte der rund 35 Drehtage, darunter einige aufwendige Außendrehs, Nachtaufnahmen und Actionszenen, sind bislang im Kasten. Aufgrund der aktuellen Corona-Lage verschob sich der Drehstart um mehr als vier Wochen. Ein Team von über 40 Filmschaffenden war in der Warteschleife und ist nun froh, gestartet zu sein, wenn auch der verspätete Beginn ein erhöhtes Unwetterrisiko bringt. Umso wichtiger ist es, vor Ort starke Partner gefunden zu haben. Der Reichentaler Ortsvorsteher Guido Wieland ist einer von ihnen. Er hat bereits die Drehortsuche im Murgtal organisatorisch unterstützt und erinnert sich nun an die Anfänge: „Bereits im Frühjahr erreichte uns eine Anfrage bezüglich des Bürgersaals im Rathaus. Bei der Begehung entdeckte das Team gegenüber unserer ehemaligen Grundschule. Auf dem Weg zu einem besonders großen, alten Baum, kam dann die Idee auf, in unserem Freibad Unterwasserszenen zu drehen.“

Kein Problem für die Reichentaler, die Dreharbeiten im Ort spätestens seit den Außenszenen für die Serie „Die Fallers“ kennen. Und so durfte Levi, der Paul spielt und wie sein Partner Max im wirklichen Leben bereits 14 ist, Anfang September 2020 für „Nachtwald“ bei 28 Grad und Sonne im Blau des Reichentaler Pools abtauchen. Weitere Szenen sind auf dem Orgelfelsen, dem Dachsstein und dem Kunstweg geplant, wo just am Tag des Gesprächs mit dem BT, dem 15. Drehtag, das Set aufgebaut worden war.

Viele Telefonate und Drehgenehmigungen später lobt Wieland die Zusammenarbeit: „Wir unterstützen das Projekt gerne, wo wir können. Ich war quasi so der Türöffner und konnte an mancher Stelle Hilfestellung leisten.“ Wie auch zuletzt, als innerhalb von Stunden wegen einer Drehplanänderung ein Fahrzeug mit Anhänger am Kunstweg gebraucht wurde. An anderer Stelle waren Kompromisse nötig. Reichental, zu dem seit jeher auch das Kaltental mit seinen Jagden gehörte, ist umrahmt von viel urtümlicher Natur und Wäldern, in denen aktuell noch die Hirsche röhren. Die Brunftzeit ist auch eine wichtige Zeit für die Jäger. Daher habe die Forstbehörde manche Drehorte unterbunden, um die Ruhe im Wald zu gewährleisten. Kurhaus Production respektierte dies natürlich und fand Alternativen.

Tiertrainer betreut zahmen Raben

Doch auch so spielen beim Dreh Tiere eine Rolle. Zwei Tiertrainer gehören zum Team. Einer von ihnen hat einen zahmen Raben, der andere einen jener Genossen, wie man ihn in der Region seit 2017 unter der Registrierungsnummer GW852 führt. „Das passt schon“, findet Wieland, der Wolf sei schließlich auch schon mal bei ihnen in Reichental gesichtet worden.


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