Nah dran am perfekten Familienauto

Baden-Baden (fde) – Mit mehr als sieben Millionen verkauften Exemplaren ist der Octavia Skodas Bestseller. Die BT-Motorredaktion hat die mittlerweile vierte Generation in der Kombi-Variante getestet.

Der Skoda Octavia Combi in der knalligen Velvet-Rot-Lackierung. Foto: Fettig

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Der Skoda Octavia Combi in der knalligen Velvet-Rot-Lackierung. Foto: Fettig

Der erste Skoda Octavia Combi rollte vor 60 Jahren vom Band. Mit dem Ur-Modell hatte schon die erste moderne Neuinterpretation aus dem Jahr 1996 optisch kaum noch etwas gemein – die 2020 auf den Markt gekommene vierte Generation noch viel weniger. An der Erfolgsformel hat sich dennoch über all die Jahre wenig geändert: ein großzügiges Raumangebot, ein hoher Fahrkomfort sowie eine umfangreiche Ausstattung zu einem vergleichsweise fairen Preis. Das Paket hat nach Skoda-Angaben seit dem Debüt der Neuauflage 1996 schon mehr als sieben Millionen Menschen überzeugt. Nicht umsonst bezeichnen die Tschechen ihren Verkaufsschlager als Herzstück der Marke.

Der Skoda Octavia in der Heckansicht. Foto: Fettig

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Der Skoda Octavia in der Heckansicht. Foto: Fettig

So viel sei an dieser Stelle bereits verraten: Die Neuauflage bringt alles mit, um diesen Status weiter zu festigen. Wie der neue Golf VIII basiert der Octavia auf dem modularen Querbaukasten des VW-Konzerns. Zum BT-Test tritt der Combi (Skoda-Schreibweise) als 150-PS-Benziner mit Sechsgang-Schaltung in der Top-Ausstattungslinie Style (30.450 Euro). Inklusive diverser Ausstattungspakete und sonstigem Zubehör kostet der Wagen noch einmal rund 10.000 Euro mehr, wie der Blick aufs Datenblatt verrät. Extras wie beispielsweise das Canton-Soundsystem (590 Euro) oder die – zugegeben sehr bequemen – Ergo-Komfortsitze (1.760 Euro) inklusive Massagefunktion und Sitzbelüftung haben eben ihren Preis, sind aber sicher kein Muss. An dieser Stelle besteht also durchaus Einsparpotenzial. Zur Wahl stehen darüber hinaus die preiswerteren Ausstattungslinien Active und Ambition.

Der Octavia Combi ist in Länge und Breite im Vergleich zum Vorgänger minimal gewachsen. Der ansprechend gestaltete und mit Chrom- und Stoff-Elementen wertig anmutende Innenraum ist Skoda-typisch üppig dimensioniert. Selbst auf den äußeren Rücksitzen ist das Platzangebot trotz knapp 1,90 Meter Körpergröße mehr als ausreichend.

Der Kofferraum bietet nicht nur reichlich Platz, sondern dank variablem Ladeboden und diverser Features auch ein hohes Maß an Flexibilität. Foto: Fettig

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Der Kofferraum bietet nicht nur reichlich Platz, sondern dank variablem Ladeboden und diverser Features auch ein hohes Maß an Flexibilität. Foto: Fettig

Reichlich Platz bietet auch das Gepäckabteil, das 640 Liter fasst. Die zweigeteilte Rückbank (Verhältnis 60:40) lässt sich vom Kofferraum aus entriegeln, so wächst das Volumen auf knapp das Dreifache. Die Gepäckraumabdeckung verschwindet so lange einfach unter dem Ladeboden. Diverse Trennnetze, Seitenfächer, eine Durchlademöglichkeit in der Rücksitzlehne und ein variabler Ladeboden bieten ein hohes Maß an Flexibilität. Die elektrische Kofferraumklappe öffnet auch per Fußkick unter das Heck – äußerst praktisch, wenn nach dem Einkauf mal keine Hand frei ist. Oder wie Skoda sagen würde: Simply Clever. Unter diesem Slogan werden eine Vielzahl an Features zusammengefasst, die ein Höchstmaß an Funktionalität und Komfort bieten sollen. Premiere in dieser Hinsicht feiern zwei Smartphone-Ablagetaschen für die Fondpassagiere in der Rückseite der Vordersitze – keine bahnbrechende Innovation, aber zumindest eine smarte Lösung, um das Handy im Blickfeld zu deponieren. Im in die Vordertüren integrierten Regenschirm-Fach hat nun wahlweise auch ein Schneebesen Platz – mit Blick auf das Wetter der vergangenen Tage nicht die schlechteste Idee.

Auch die Passagiere in Reihe zwei genießen reichlich Beinfreiheit. Foto: Fettig

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Auch die Passagiere in Reihe zwei genießen reichlich Beinfreiheit. Foto: Fettig

Schlafkopfstützen an den äußeren Rücksitzen

Doch nicht alle Features überzeugen vollends: Für den kurzen Powernap zwischendurch verfügen die beiden äußeren Rücksitze über Schlafkopfstützen. Dazu lassen sich rechts und links der Kopflehne zwei Wangen ausklappen. Da der Kopf fast aufrecht bleibt, muss man wohl schon sehr müde sein, um in dieser Position einzuschlafen. Damit die einfallende Sonne das Nickerchen nicht stört, gibt es Rollos an den Seitenscheiben und eine Decke zum Einkuscheln. Alle genannten Elemente sind Teil des Ausstattungspakets „Komfort & Relax“, das zudem eine Drei-Zonen-Klimaautomatik, beheizbare Vorder- und äußere Rücksitze sowie eine Lenkradheizung beinhaltet.

Apropos Ausstattung: Ebenfalls empfehlenswert ist das Paket „Parken & Sicht“. Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer werden um die Matrix-Funktion erweitert. Diese ermöglicht es, dauerhaft mit Fernlicht zu fahren, ohne dabei den Gegenverkehr zu blenden. Dass die entgegenkommenden Autos im BT-Test kein einziges Mal die Lichthupe betätigen, bestätigt das Versprechen aus der Pressemappe. Ebenfalls Teil des Pakets sind eine Rückfahrkamera und ein Parklenkassistent.

An Assistenzsystemen ist der Octavia in der Variante Style mit nahezu allen verfügbaren Helfern serienmäßig ausgestattet. Mit erstmals in einem Skoda-Modell verfügbaren Systemen wie Ausstiegswarner oder Ausweich- und Abbiegeassistent wurde das Sicherheitslevel weiter erhöht. Auch das optionale Head-up-Display feiert sein Debüt. Alle Helfer verfolgen das gleiche Ziel: Den Fahrer frühzeitig vor möglichen Kollisionen zu warnen und im Notfall das Fahrzeug automatisch zu stoppen. In der Praxis führt das ab und an zu Situationen, in denen das System einen Gefahrenhinweis meldet, obwohl der Fahrer die Lage eigentlich sicher im Griff hat. Aber letztlich gilt hier wohl die Devise: Lieber einmal zu viel gewarnt, als einmal zu wenig.

Mit dem aufpreispflichtigen „Reise & Komfort“-Paket steht auch der Travel Assist zur Verfügung. Hierfür arbeiten der vorausschauende adaptive Abstandsassistent, die Verkehrszeichenerkennung sowie der Spur- und Stauassistent Hand in Hand. Das System hält nicht nur sicher die Spur, sondern auch einen vorher festgelegten Abstand zum Vordermann ein und passt das Tempo automatisch an die jeweils gültige Geschwindigkeitsbegrenzung an. Weil der Travel Assist auch die Daten des Navigationssystems nutzt, drosselt der Helfer beispielsweise vor scharfen Kurven selbstständig das Tempo des Wagens. Das System ist damit nicht nur auf Autobahnen nützlich, sondern auch auf Landstraßen.

Aufgeräumt und aufs Wesentliche reduziert präsentiert sich das Cockpit des Octavia. Foto: Skoda

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Aufgeräumt und aufs Wesentliche reduziert präsentiert sich das Cockpit des Octavia. Foto: Skoda

Fast alle Assistenzsysteme lassen sich über ein Menüfenster auf dem zehn Zoll großen Touchscreendisplay in der Mittelkonsole an- und ausschalten. Der aufs Wesentliche reduzierte Cockpit-Aufbau mit wenigen Schaltern erinnert an den neuen Golf, doch beim Octavia sind einige Dinge besser durchdacht. Die Sliderfläche unterhalb des Displays etwa ist zwar ebenfalls nicht beleuchtet, doch über sie wird nur die Lautstärke verändert. Die Klimafunktionen, beim Golf teilweise in ebenjener Sliderfläche beheimatet, werden im Octavia komplett über den zentralen Bildschirm bedient. Der weitgehende Verzicht auf Schalter dürfte trotzdem nicht jedem Kunden gefallen. Direktwahltasten gibt es nur für Funktionen wie Heckscheibenheizung, Park-Assistent oder Fahrmodusauswahl.

Vier Grundlayouts für das digitale Cockpit

Für das 10,25 Zoll große, volldigitale Kombiinstrument stehen vier Grundlayouts zur Wahl, die sich individuell mit Inhalten belegen lassen. Neben einer Ansicht mit klassischen Rundinstrumenten kann etwa die Navigationskarte über die volle Fläche eingeblendet werden. Bedient wird alles über die Lenkradtasten, was etwas Eingewöhnungszeit braucht. Vorne wie hinten gibt es außerdem genügend Ablagen sowie mehrere USB-C-Anschlussmöglichkeiten.

Den positiven Gesamteindruck des Octavia runden eine hohe Laufruhe und das unaufgeregte Fahrverhalten in allen Geschwindigkeitsbereichen ab. Der 150-PS-Benziner ist ausreichend motorisiert, um auch Überholvorgänge sicher zu meistern. Im BT-Test pendelte sich die Verbrauchsanzeige bei 7,2 Litern ein. Die manuelle Sechsgang-Schaltung ist exakt und leichtgängig. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gibt es für den 150-PS-Benziner nur in Verbindung mit der Mild-Hybrid-Technologie. Das Motorenportfolio umfasst noch zwei weitere Benziner, zwei Diesel, ein Erdgas-Modell und einen Plug-in-Hybriden.

Fazit

Ein hohes Maß an Sicherheit und Komfort, massig Platz sowie ein hoher Fahrkomfort mit einem annehmbaren Verbrauch: Der Skoda Octavia Combi kommt dem perfekten Familienauto ziemlich nahe – ohne wirkliche Schwächen zu offenbaren.

Skoda Octavia Combi Style

Motor: 1,5-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner

Leistung: 150 PS

Max. Drehmoment: 250 Nm

Getriebe: Sechsgang-Schaltung

0 - 100 km/h: 8,3 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h

Verbrauch: 4,9 l / 100 km

CO2-Ausstoß: 113 g/km

Leergewicht: 1.360 kg

Maße (L/B/H): 4,69 m/1,83 m/1,47 m

Basispreis: 30.450 Euro

Ihr Autor

BT-Redakteur Dennis Fettig

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Erstellt:
21. Februar 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 32sec

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