Nahverkehr soll Höhengebiete entlasten

Seebach (fl) – Auf den Nahverkehr setzen die Behörden große Hoffnungen im Kampf gegen das Verkehrschaos im Höhengebiet entlang der B500. Scheitert das ausgerechnet an dem Problem, das er lösen soll?

Millimeterarbeit: Für die Busfahrer ist der Liniendienst im Höhengebiet immer eine Herausforderung – besonders an den Wochenenden, wenn Falschparker für Chaos sorgen. Foto: Bernhard Margull

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Millimeterarbeit: Für die Busfahrer ist der Liniendienst im Höhengebiet immer eine Herausforderung – besonders an den Wochenenden, wenn Falschparker für Chaos sorgen. Foto: Bernhard Margull

So hatte sich Sibylle Schupp ihren Sonntag nicht vorgestellt. Zweieinhalb Stunden wartete sie mit ihren Kindern am Mummelsee bei beißender Kälte darauf, dass der Bus kommt. Der aber steckte im Stau, schuld waren Falschparker. „Die erste Stunde haben die Kinder noch gut weggesteckt und im Schnee gespielt. Aber dann wurde es wirklich haarig.“ Als sich die Dunkelheit über die Schwarzwaldhochstraße senkte, nahm Schupp den erstbesten Bus, um auf Umwegen endlich ins Tal zu kommen.

Die Odyssee der Renchenerin wirft ein Schlaglicht auf die Frage, wie weit Anspruch und Wirklichkeit beim Verkehrskonzept für das Höhengebiet auseinander klaffen. Und nicht nur die. Einer anderen Leserin dieser Zeitung war die Mitnahme von Skiern in einem der Busse verweigert worden. „Nächstes Mal nehme ich wieder das Auto“, sagt die Frau, die den Vorfall inzwischen abgehakt hat und die deshalb nicht mit Namen in der Zeitung stehen will.

Bisher wenig gebracht: Appelle, Strafzettel und Straßensperrungen

Es bleibt die Sorge, dass alle Ideen und Konzepte zur Bewältigung der teils chaotischen Zustände an genau dem Umstand zu scheitern drohen, den sie eigentlich beseitigen sollen. Verhindert ausgerechnet die Blechlawine, die sich an jedem halbwegs schneereichen Wochenende oder Feiertag gen Mummelsee und Seibelseckle wälzt, den Erfolg des Nahverkehrs? Die Behörden behelfen sich mit Appellen, Strafzetteln und Straßensperrungen. Doch das hat nicht wirklich viel gebracht.

Das Problem ist alt. Wenn im Tal die Nebelsuppe schwappt, zieht es die Menschen in die Höhe. Und das nicht nur bei Schneelagen, wie sie gerade herrschen. Dann aber kam der Nationalpark. Mehr als eine Million Besucher, so sagt Thomas Waldenspuhl, Leiter der Einrichtung, hat man im vergangenen Jahr gezählt. Und die meisten dürften mit dem Auto gekommen sein. „Die Busse sind in der Regel halb leer“, sagt Sibylle Schupp dazu.

Trotz erster Erfolge braucht es Geduld

Waldenspuhl spricht von einer „Grundlast“, die es immer gegeben habe, „sobald die Leute Ski fahren wollen, kamen auch früher schon die Besucher“. Man könne nicht genau abschätzen, wie viele Menschen durch den Nationalpark hinzukommen, wer mehrere Ziele anfährt und wie viele ohnehin gekommen wären. Im Sommer seien der Lotharpfad und Allerheiligen Brennpunkte, im Winter wohl vor allem die Langlaufloipen. Dazu komme die neu gebaute Grindehütte, auch sie habe die Anziehungskraft des Höhengebiets erhöht.

Waldenspuhl wirbt für den öffentlichen Nahverkehr. Er sieht erste Erfolge: „Zwischen dem Beginn des Angebots und jetzt hat es sich deutlich verbessert, man kann nun sehen, dass Wanderer auf die Busse warten“. Doch es braucht Geduld. Wo das Angebot genau nachgeschärft werden kann und muss, sei noch schwer zu sagen – „wir müssen mindestens zwei Jahre warten und dann sehen“. Bis zu einer „vernünftigen Evaluierung“ des Verkehrskonzepts einschließlich der Bewirtschaftung der Parkplätze benötige man wohl eher drei oder vier Jahre. „Es wird“, sagt der Nationalpark-Chef, „seine Zeit dauern bis es sich hingerüttelt hat“.

Es hapert an der Kommunikation

Dabei geht es freilich nicht nur um das Angebot, sondern auch um Kommunikation. Sie verstehe durchaus, dass der Bus im Stau stecken geblieben ist – „aber dann muss man denen, die da hinten stehen, irgendwie Bescheid sagen“, ärgert sich Sibylle Schupp. Doch die am Fahrplan ausgewiesene Rufnummer sei am Wochenende nicht besetzt, eine Anzeige mit Hinweisen auf die Verspätung gebe es nicht.

Die bahneigene Regionalbusverkehr Südwest hat sich bei der Leserin entschuldigt und ihr die Auslagen erstattet. Das aber war es so ziemlich. Bei der Bahn verweist man auf Anfrage dieser Zeitung auf die Zuständigkeit der Behörden, die „Verhältnisse an Spitzentagen auf der Schwarzwaldhochstraße sind uns seit Jahren bekannt“, so ein Sprecher, der nicht namentlich zitiert werden will. Eine „mangelnde Verfügbarkeit“ der Straßen beeinflusse die Qualität des Angebots, ohne dass die Bahn darauf Einfluss nehmen könne.

„Die Probleme entstehen nur, weil sich Verkehrsteilnehmer aus egoistischen Gründen falsch verhalten und mit dem unzulässigen Parken das Gesamtsystem ins Wanken bringen“, heißt es aus dem Offenburger Landratsamt. Gerade die Linie 400 sei wegen ihrer Länge anfällig für Verspätungen. Man empfehle, auf Zubringerbusse auszuweichen, so Sprecherin Sophia Schöner. Zudem „bleibt zu hoffen, dass durch einen Ausbau der Parkplatzkapazitäten perspektivisch eine Verbesserung der Situation eintritt und der öffentliche Nahverkehr verlässlich verkehren kann“.

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Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Frank Löhnig

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Erstellt:
14. Januar 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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