Narrenhochburg Au am Rhein sagt Fastnacht ab

Au am Rhein (HH) – In der Narrenmetropole Au am Rhein muss man sich auf eine triste fünfte Jahreszeit einstellen: Die Eröffnungsfeiern am 11.11., Prunksitzungen und Schnoogeball finden nicht statt.

•In Au am Rhein ist die Fastnacht 2021 fast total abgesagt. Über den Umzug wurde noch nicht entschieden. Foto: H. Heck

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•In Au am Rhein ist die Fastnacht 2021 fast total abgesagt. Über den Umzug wurde noch nicht entschieden. Foto: H. Heck

In der Narrenmetropole Au am Rhein muss man sich auf eine triste fünfte Jahreszeit einstellen. Die Eröffnungsfeiern, mit denen normalerweise immer im November die Fastnachtssaison eingeläutet wurde, finden nicht statt, ebenso wenig Prunksitzungen und Schnoogeball.
Der Turnverein hat über die Lage beraten und seine Saison abgesagt. Man habe lange mit der Entscheidung gewartet, auf Lockerungen der Corona-Maßnahmen gehofft, schrieb der Verein in einer Pressemitteilung. Veranstaltungen unter den derzeit gültigen Abstands- und Hygieneregeln „waren für uns keine Alternative“, wird aus der Beratung der Vereinsverwaltung mit dem Elferrat berichtet.

Der zweite Vorsitzende Patrick Bauer verdeutlichte die Misere mit einem befremdlichen Bild: Prunksitzungen ohne Singen, Tanzen, Lachen, Schunkeln mit Abstandslücken zwischen den Zuschauern. Alles, was Fastnacht ausmache, sei sicherlich auch in ein paar Monaten nicht möglich. Statt der erhofften Lockerungen lasse die aktuelle Entwicklung eher Verschärfungen befürchten, gab sich Bauer realistisch. Man habe lange überlegt, wie es gehen könnte, nach einem „Plan B“ gesucht. Letztendlich habe man einsehen müssen, dass es keinen Sinn mache.

Auch wenn es eine Gestattung unter Bedingungen geben könnte, bliebe ein gesundheitliches Risiko, „dem wir niemanden aussetzen wollen“, heißt es in der Vereinsmitteilung. Die „schweren Herzens“ getroffene Absage umfasst beim Turnverein vier Termine. Neben der Proklamation einer neuen Prinzessin, die traditionell um den 11. November erfolgt wäre, wurden auch die üblichen drei Prunksitzungen ersatzlos gestrichen.

Man sei mit der Entscheidung „nicht glücklich“. Doch der Gesundheitsschutz gehe vor, heißt es in der Verlautbarung. Länger zuzuwarten wäre schlecht möglich gewesen, gab Bauer zu verstehen. Alle Mitwirkenden, besonders die Tanzgruppen, seien „auf heißen Kohlen“ gesessen, hätten langsam die Vorbereitungen intensivieren müssen. Die Verantwortlichen hätten keinen anderen Weg gesehen, als „die Reißleine zu ziehen“. Einziger Trost sei, dass die finanziellen Einbußen verkraftbar sein werden. Immerhin sind die Prunksitzungen eine Haupteinnahmequelle des Turnvereins.

Auf den Turnverein folgte der Auer Carneval-Club (ACC). Nach der BT-Anfrage steckten die Verantwortlichen die Köpfe zusammen und entschieden, was auch in diesem Narrenzirkel schon in der Luft lag: Die Präsentation eines neuen Prinzenpaars im November wie auch der Schnoogeball wurden abgesagt. Diese Veranstaltungen könnten aufgrund ihres geringeren Aufwands zwar auch mit kurzem Anlauf organisiert werden, man hätte noch etwas warten können. „Hätte aber nichts gebracht“, war man beim ACC überzeugt.

Bleibt noch die Frage des Umzugs, der 2021 am 14. Februar terminiert ist. Darüber werde das Fastnachtskomitee am 12. Oktober entscheiden, ließ Bürgermeisterin Veronika Laukart wissen. Die Tendenz sei „eher nicht“, gab sie ihre persönliche Einschätzung wieder. Sie könne sich schwer vorstellen, wie Abstandsregeln gehandhabt werden könnten. Bei den Teilnehmern wäre es vielleicht noch machbar, bei den Zuschauern wohl nicht.

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Erstellt:
17. September 2020, 11:00 Uhr
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