Nationalpark: Kein Mehrwert für Forbach

Forbach (mm) – Ein klares Nein gegen die Pläne, im Nordschwarzwald einen Nationalpark einzurichten, gab es im September 2011. Damals sprach sich der Forbacher Gemeinderat einstimmig dagegen aus.

Klare Position gegen den Nationalpark per Schild im Jahr 2011 in Forbach. Foto: Katharina Vogt

© red

Klare Position gegen den Nationalpark per Schild im Jahr 2011 in Forbach. Foto: Katharina Vogt

Am Freitag wird am Ruhestein das neue Nationalparkzentrum nach dreieinhalb Jahren Bauzeit seiner Bestimmung übergeben. Drei Forbacher Gemeinderäte, Sabine Reichl und Werner Schoch (beide CDU) sowie Harald Mungenast (SPD), die damals an einer Informationsfahrt in den Nationalpark Bayerischer Wald teilgenommen haben, sitzen heute noch im Ratsgremium. Der Nationalpark ist da, „wir müssen das Beste für die Gemeinde daraus machen“, so lautet übereinstimmend deren Einschätzung.

Beim Thema Borkenkäfer-Monitoring werde der Gemeinderat vom Nationalpark informiert, die Folgen seien allerdings für sie noch nicht abschätzbar, sagt Sabine Reichl. Aus ihrer Sicht ist der Zeitraum für eine Beurteilung der Entwicklung noch zu kurz. Selbst für die Forstwirtschaft seien die Auswirkungen von Trockenheit und Klimawandel noch nicht abschätzbar, zur Beurteilung brauche es längere Zeiträume.

Positive Auswirkungen durch den Nationalpark auf den Tourismus in der Gemeinde habe sie keine beobachten können, „die Besucher kommen wegen der schönen Natur zu uns nach Forbach“. Der Nationalpark sei kein Tourismusmagnet. Als negativ sieht sie die dortigen Verbote und Einschränkungen. Als Beispiele nennt Reichl den Rückbau von Wegen und das Sammelverbot von Waldfrüchten.

Sie bedauert das Verschieben des Umbaus des ehemaligen Herrenwieser Rossstalls zu einem Nationalparkhaus. Das Nationalparkzentrum am Ruhestein hatte Vorrang. Das Verkehrskonzept erachtet Reichl als wichtig. Sie wünscht sich eine bessere Anbindung der Forbacher Höhenorte sowie die Vernetzung von Schiene und Bus. Bislang habe Forbach noch nicht vom Nationalpark partizipiert, die weitere Ablehnung mache aber keinen Sinn: „Wir haben ihn akzeptiert und gehen damit um“, so ihr Fazit.

Wald kämpft ums Überleben

Seine damaligen Befürchtungen sieht Harald Mungenast bestätigt: „Das Waldsterben kommt recht schnell.“ Er glaubt nicht daran, dass sich Urwald neu bildet. Die Chancen für Naturverjüngung sind nach seiner Ansicht gering, „der Wald kämpft ums Überleben“. Ein vorher bestehender Kulturwald könne nicht in einen Urwald umgewandelt werden. „Was bei der Entwicklung herauskommt, das muss man sehen.“

Touristisch sieht er „keinen Mehrwert für die Gemeinde“. Beim Thema Rossstall befürchtet er, dass Forbach deshalb auf dem „Abstellgleis“ sei, weil sich der Gemeinderat einst gegen den Nationalpark ausgesprochen hatte. Der Tourismus im Nordteil müsste mehr angekurbelt werden. „Es tut sich bei uns nicht wirklich was wegen des Nationalparks“, so seine persönliche Meinung.

Ähnlich lautet die Einschätzung von Werner Schoch. Eine touristische Weiterentwicklung für Forbach habe noch nicht gegriffen, „die Vorteile sind schwer zu messen“. Er hatte Impulse durch den Nationalpark erwartet. Als Beispiel nennt er das ungenutzte Schwarzenbachhotel, „da habe ich gehofft, dass ein Investor anspringt“.

Das Verkehrskonzept habe noch Verbesserungspotenzial, um die Gemeinde besser an den Nationalpark anzubinden. Als positiv wertet Schoch die Informationspolitik des Nationalparkrats und der Verwaltung, es gebe keine „Entscheidungen im stillen Kämmerlein“. Teilweise sieht auch er seine Befürchtungen bestätigt, was den Borkenkäferbefall betreffe. Am Herrenweiser See sei dies deutlich zu erkennen. Allerdings werde das Baumsterben auch durch den Klimawandel beschleunigt. Er stehe dem Nationalpark nicht mehr ablehnend gegenüber. „Groll hegen bringt nichts mehr. Wir müssen den Blick nach vorne richten.“

Zum Artikel

Erstellt:
16. Oktober 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.