Nationalpark lädt mit App zum Forschen ein

Baden-Baden (vn) – Naturliebhaber können Experten dabei helfen, den Einfluss von Wetteränderungen auf die Natur im Nordschwarzwald zu erkunden. Die App Phänowatch macht’s möglich.

Gesucht wird: der Kleine Fuchs. Foto: Walter Finkbeiner/Nationalpark Schwarzwald

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Gesucht wird: der Kleine Fuchs. Foto: Walter Finkbeiner/Nationalpark Schwarzwald

Vögel überwintern nicht mehr im warmen Süden, sondern bleiben einfach hier. Schon im Februar beginnen Bäume zu blühen. Pflanzen wie die Vogelbeere erreichen immer früher ihre Fruchtreife. Offenbar reagiert die Natur auf den Anstieg der Temperaturen, der durch den Klimawandel verursacht wird. Wie das genau geschieht, untersuchen Wissenschaftler intensiv. Und jeder Naturliebhaber kann jetzt ganz einfach dabei mithelfen.
Mit der Phänowatch-App des Nationalparks Schwarzwald, die man sich jetzt kostenlos aus den Appstores von Google und Apple herunterladen kann, lässt sich jeder Ausflug in das Schutzgebiet künftig in eine kleine Forschungsreise verwandeln. Mithilfe des Programms werden Daten gesammelt, die die Nutzer in Form ihrer Beobachtungen liefern. Daraus entsteht ein möglichst genaues Bild der Veränderungen – so wie bei einem Mosaik, das sich auch aus vielen kleinen Steinchen zusammensetzt.

Um es den freiwilligen Helfern leichter zu machen, werden bei jedem Öffnen der App nur die gerade in dieser Zeit interessanten Naturereignisse angezeigt, auf die man bei einem Spaziergang achten kann. Aktuell stehen für den August beispielsweise zwei Pflanzenarten, drei Pilzarten und neun Insektenarten im Fokus.

Wem also beim Ausflug ein Schmetterling begegnet, kann prüfen, ob es ein Kleiner Fuchs ist. Was die Forscher interessiert: Verändert sich die Flugzeit des Falters durch den Klimawandel? Wer also sicher ist, einen Kleinen Fuchs gefunden zu haben, kann die Sichtung per Tastendruck melden.

„Jede gesammelte Beobachtung hilft uns“


Weitergegeben werden Art, Datum, Zeit und Ort der Beobachtung, optional auch ein Foto und, etwa bei Vogelsichtungen, eine Audioaufzeichnung. Um Verwechslungsgefahr zu vermeiden, listet die App ähnliche Tiere oder Pflanzen jeweils mit Foto auf. Es werden keine persönlichen Daten übertragen, auch eine Registrierung ist nicht erforderlich.

Phänowatch ist eine Beteiligungs-App. „Der Begriff besteht aus den Komponenten Phänologie, also der Lehre von regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen in der Natur, und dem englischen Verb to watch, also beobachten“, erläutert Christoph Dreiser. Er ist in der Nationalparkverwaltung für Umweltmonitoring und Geodatenmanagement zuständig.

Mit der App werden also jahreszeitliche Naturphänomene beobachtet. Das ist für den Nationalpark besonders interessant, weil sich sein Beobachtungsgebiet über mehrere Höhenstufen mit unterschiedlichem Klima erstreckt. Es interessiert die Experten besonders, wie sich die Jahreszeiten auf jeder Höhenstufe entfalten.

Jeder kann mitmachen, sofern er ein Smartphone hat. „Natürlich können sich auch Besucher beteiligen, die nur für einen oder einige Tage in der Nationalparkregion unterwegs sind“, so Dreiser. „Jede gesammelte Beobachtung hilft uns.“

Daten für die Dauerausstellung

Die Daten verschwinden laut Nationalpark auch nicht etwa auf Nimmerwiedersehen in den Computern von Wissenschaftlern. Alle Meldungen werden überprüft und dann auf einem Monitor in der Dauerausstellung im Nationalparkzentrum als Punkte auf Karte und Diagramm ausgespielt. „So kann man Beobachtungen von jeweils zwei Jahren nebeneinander vergleichen und ein Gefühl für den Zusammenhang zwischen dem phänologischen Ereignis und den meteorologischen Bedingungen entwickeln“, so der Pressetext.

Die Phänowatch-App ist ein Citizen-Science-Projekt. Bürger können also als Hobbywissenschaftler aktiv werden. Finanziell gefördert wird es von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
19. August 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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