Nationalpark wohl Resultat eines politischen „Deals“

Stuttgart (bjhw) – Nach gut zwanzig Jahren wird nun klar, wie der Nationalpark Schwarzwald wohl entstand. Offenkundig entsprang er einem politischen „Deal“ rund um das Bahnprojekt „Stuttgart 21“.

Der Nationalpark entspringt den neuen Informationen zufolge einem politischen „Deal“ rund um das Bahnprojekt „Stuttgart 21“. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

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Der Nationalpark entspringt den neuen Informationen zufolge einem politischen „Deal“ rund um das Bahnprojekt „Stuttgart 21“. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

Es ist, als hätten sich endlich die Archive geöffnet: Denn plötzlich wird deutlich, warum wohl die Grünen bei ihrem Machtantritt 2011 schon ein weit gediehenes Konzept zum Nationalpark, damals noch Nationalpark Nordschwarzwald, vorfanden. Das ist bemerkenswert, hatte doch die CDU ursprünglich nichts von dem Vorhaben wissen wollen. Bei der Verabschiedung der langjährigen Landesvorsitzenden des BUND, Brigitte Dahlbender, verriet Andre Baumann, inzwischen Staatssekretär im Umweltministerium, wie und warum der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) 2010 sein Verhältnis zu dem von den Naturschutzverbänden befürworteten Projekt korrigierte.

Mappus: „Was wünschen Sie sich?“

Baumann, damals NABU-Vorsitzender in Baden-Württemberg, war zu einem Gespräch ins Staatsministerium eingeladen worden. Bei diesem ging es Mappus dann aber nicht um den Naturschutz, sondern um das damals wie heute umstrittene Milliardenprojekt „Stuttgart 21“. Dahlbender hatte sich mit dem BUND dem Widerstand angeschlossen, und der CDU-Ministerpräsident wollte verhindern, dass auch der deutlich größere NABU diesen Standpunkt einnahm. „Was wünschen Sie sich?“, soll Mappus Baumann gefragt haben, der nach seiner eigenen Darstellung darauf nicht vorbereitet war. Trotzdem konnte er sofort antworten: „Den Nationalpark.“

Wenig später sei eine Einladung von Landesumweltministerin Tanja Gönner (CDU) zu konkreten Gesprächen gekommen. Zum Zeitablauf passt, dass Gönner im Sommer 2010 eine Broschüre zur dringend notwendigen Klimaanpassung im Land vorstellte und sich auf Nachfragen auch zum Nationalpark bekannte.

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
5. Oktober 2021, 10:39 Uhr
Lesedauer:
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